08 September 2017

Im Märchengarten unterwegs

Als Kind war ich geradezu besessen von Märchen. Ich ließ sie mir von meiner Mutter vorlesen, und kaum konnte ich selbst lesen, schmökerte ich in den Geschichten der Brüder Grimm. Ich hatte sogar Märchen-Schallplatten, und wenn es sich irgendwie machen ließ, fuhren meine Eltern mit mir in einen Märchengarten in der Nähe von Calw. Den gibt es leider nicht mehr.

Aber es gibt einen Märchengarten in Ludwigsburg – er gehört zur Ausstellung »Blühendes Barock« –, und dieser Tage ergab es sich, dass ich dort einmal einen halben Tag verbringen konnte. Um es gleich zu sagen: Zwischen all den Kindern kam ich mir manchmal selbst wie ein Kind vor. Es wimmelte ohnehin von Touristen: Inder und Chinesen, Japaner und Amerikaner, dazwischen Familien, die eher nach Russen oder Polen klangen.

Der Park schaffte es irgendwie, ein Deutschland zu vermitteln, dass es so nie gab: kleine Fachwerkhäuser, beschauliche Wohnzimmer darin, die man von außen angucken konnte. Figuren, die sich bewegten, Schilder, auf denen alles erklärt wurde, die altertümliche Sprache, die benutzt wird – die Märchen schufen ein Deutschlandbild, das auf Touristen aus fernen Ländern möglicherweise seltsam wirkt.

Für mich als Besucher war es wie eine Reise in meine eigene Kindheit, zurück zu den Märchen, die ich als Junge so geliebt hatte. Ich schaute mir die Streiche von Max und Moritz an – auf mehrere Häuser verteilt –, ich erfreute mich am kleinen Zug, der durch das Gelände fuhr, und an den Booten, die sogar durch Tunnel gondelten. Da fuhr ich zwar nicht mit, aber ich sah die Begeisterung der Kinder und ihre strahlenden und staunenden Gesichter.

Keine Ahnung, wie pädagogisch das Ganze war. Keine Ahnung, ob Märchen wirklich so toll sind, die ein fiktives Deutschland des 19. Jahrhunderts in die heutige Zeit transportieren. An diesem Tag fand ich es toll. Und: Wer sich für Phantastik und Fantasy interessiert, darf um die Märchen sowieso keinen Bogen machen – die sind bekanntlich der Anfang von alledem ...

Kommentare:

Conny Postma hat gesagt…

Mmh, Klaus, schau Dir mal Deine Überschrift an.... Fällt Dir was auf....

Christina hat gesagt…

Ha! Da war ich auch schon mehrfach.
Das Blühende Barock ist übrigens besonders eindrucksvoll im Oktober zur Kürbisausstellung. Dort werden die größten Kürbisse Europas prämiert.

Enpunkt hat gesagt…

Danke, Conny – es ist ja ein großartiger Vertipper, aber ich habe ihn jetzt doch besser korrigiert ...