31 Dezember 2009

In der Büchermühle

In unserer Wohnung türmen sich Bücher in Bergen, also wurde endlich einmal wieder ausgemistet. Ruckzuck hatte ich eine Kiste zusammen, in der sich mehrere Dutzend Taschenbücher und Hardcover fanden.

Keine Science Fiction und Fantasy (das geht immer an die Phantastische Bibliothek), dafür aber Western und Krimis, Sachbücher und allgemeine Literatur, sogar ein Packen Lyrik. Alles Bücher, die ich seit dem Umzug im Jahr 2010 nicht mal im Gedächtnis hatte, geschweige denn in der Hand - die konnte ich also wegwerfen.

Das wollte ich nicht, also brachte ich sie ins Kashka in der Karlsruher Karlstraße. Dort nimmt man, wie ich wußte, gebrauchte Kleidung und auch alte Bücher in Empfang; die Dinge werden dort sortiert, dann wieder neu verkauft. Es handelt sich quasi um ein »Kaufhaus für Bedürftigte«, und diese kaufen dort gern ein.

Die junge Frau, der ich meine Kiste übergab, erwies sich als sehr freundlich. Sie bat mich um die Ecke, wo sie kurz einen Karton auf andere Kartons stellte. Dann lud sie die Bücher um: Mit beiden Händen griff sie in meine Kiste, wo alles piekfein und super-ordentlich gestapelt war, und packte die Bücher in den Karton.

Ruckzuck fiel alles übereinander, was sie nicht kümmerte. Sie stapelte Hardcover auf Taschenbücher und Manga-Comics so zwischen Comic-Alben, daß sie garantiert kaputtgingen, und kümmerte sich einen Dreck darum, daß irgendjemand die Sachen vielleicht mal wieder in die Hand nehmen würde. Entsetzt sah ich zu, außerstande, der Beschädigung der Bücher zuzuschauen.

Dann kannst du sie beim nächsten Mal gleich in einen Papiercontainer stopfen, dachte ich. Die nimmt jetzt keiner mehr.

Und als ich sah, daß der Karton mit den Büchern auf einem anderen Karton stand, in dem sich Bücher, Taschenbücher und kreuz und quer gestapelte Vinyl-Scheiben zu einem chaotischen Durcheinander sammelten, in dem garantiert nichts heil blieb, machte ich, daß ich aus dem Laden kam. Die kriegen von mir nix mehr!, schwor ich mir.

30 Dezember 2009

Flying Lizards mal wieder

Einen grauen Tag am Ende des Jahres empfand ich als die ideale Gelegenheit, im Plattenschrank nach Scheiben zu fahnden, die ich seit langem nicht mehr gehört hatte. Also stöberte ich ein wenig und förderte »fourth wall« von The Flying Lizards zu Tage, nicht die erste Platte der Band, sondern die zweite, die 1981 erschienen war.

Eine seltsame Musik, die anfangs irritierte, mir nach einiger Zeit aber wieder gefiel. Unglaublich, dass so etwas anno dunnemals auf Platte gepresst worden war: Da zirpt es, da quäkt es, da schrabbelt ein seltsames Schlagzeug durch den Hintergrund, und zu dem rhythmischen, ja sogar tanzbaren Sound wird zeitweise eher schräg gesungen. Post-Punk nannte man das damals, für mich war's aber einfach nur »Wave-Sound«.

Ihr Stück »Money« war mir in all den Jahrzehnten im Ohr geblieben, die coole Version eines Pink-Floyd-Hits, aber an die anderen Stücke erinnerte ich mich nicht mehr. Laut Info hatte sich die Band 1978 gegründet, »Money« wurde 1979 glatt ein kleiner Hit – dreißig Jahre war das jetzt her.

»fourth wall« war ein ziemlicher Flop, was mir einleuchtend. Das Album verschließt sich gängigen Hörgewohnheiten, die damals immer stärker in Richtung New Romantic gingen. Das war garantiert zu ungewohnt, zu schräg und zu hippelig. Ich find's trotzdem cool, und ich mochte es, die Platte an diesem Tag zum ersten Mal seit langer Zeit einige Male anzuhören. Coole Scheibe im wahrsten Sinne des Wortes.

Lights Out! knallen einfach

Nach einer furiosen ersten EP legen die vier jungen Stuttgarter von, die sich nach einem Stück der Angry Samoans benannt haben, gleich eine Schippe nach: Mit »Destroy Create« liegt die erste Langspielplatte von Lights Out! vor, und ich fühle mich in die frühen 80er Jahre erinnert.

Was die vier Burschen liefern, ist lupenreiner Hardcore-Punk, wie er anfangs der 80er Jahre aus den USA kam. Das klingt nach Kalifornien und den entsprechenden Bands, hat aber genügend Eigenständigkeit, um mir saugut zu gefallen.

Zu der Band und ihrer Platte kann und muss ich nicht viel schreiben: Das Gebratzel und die rotzigen Texte stehen jeweils für sich. Starke Sache!

29 Dezember 2009

Vier Klassen von Dubai

Gelegentlich reden politisch engagierte Menschen davon, daß in Deutschland eine Zwei-Klassen-Gesellschaft herrsche. Das glaube ich gelegentlich ebenfalls – in Dubai allerdings habe ich eine Vier-Klassen-Gesellschaft erlebt, die mich teilweise zum Staunen brachte, teilweise in Verwunderung versetzte.

Ganz oben in der Hackordnung stehen die Araber, also die ursprünglichen Einwohner der Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen bekanntlich Dubai gehört. Wie ich mehrmals erzählt bekam, seien diese Menschen so wohlhabend, daß sie schon gar nicht mehr zu arbeiten bräuchten. Die hätten das nicht nötig. Also zeigen sie lieber ihren Reichtum oder kontrollieren die Arbeit ihrer Untergebenen in den jeweiligen Unternehmen.

Die zweite Klasse sind »gehobene« Arbeitnehmer, sprich Menschen aus den USA oder Europa, die für die Dubai-Chefs arbeiten. Irgendjemand muß ja die Arbeit auf den Baustellen leiten oder die Hotels steuern. Diese Arbeitnehmer werden aber auch, sobald sie längere Zeit krank sind, nach Hause geschickt; besondere Rechte haben sie nicht.

So gut wie keine Rechte scheinen die Menschen am unteren Rand der Gesellchaft zu haben. Meist handelt es sich um Arbeitnehmer aus Indien und Pakistan; ich habe aber auch mit Menschen aus Nepal oder Myanmar geredet. Sie hausen häufig in miesen Quartieren, werden schlecht bezahlt, haben unmögliche Arbeitszeiten und bekommen vom Reichtum nur die Brosamen ab. Daß ihr Leben in Dubai in meinen Augen unerträglich ist, gleichzeitig aber ihren Familien im jeweiligen Heimatland dabei hilft, nicht gerade zu verhungern, macht die Sache nicht unbedingt reizender.

Die vierte Klasse sind eigentlich die Touristen oder andere Urlauber, die sich von der Kultur oder von den weißen Stränden angezogen fühlen, die Devisen ins Land spülen, sich in abgeschotteten Strandhotels aufhalten und meist nicht so viel vom Land mitbekommen. Leute wie ich also ... Menschen, die für ein paar Wochen kommen, ihr Geld da lassen und dann wieder verschwinden.

So ein Zwischending sind übrigens iranische Händler, die beispielsweise den Betrieb in den Souks aufrecht erhalten. Sie werden fast wie Einheimische behandelt; dennoch gehören sie nicht dazu.

Ein seltsames Land. Eine seltsame Kultur. Wie lang geht das noch gut?, fragte ich mich nicht nur einmal.

28 Dezember 2009

SF ausnahmsweise mit Hirn

Jetzt habe ich auch »Avatar« gesehen, den neuen Hollywood-Blockbuster von James Cameron. Entsprechende Kritiken finden sich haufenweise im Netz, also muß ich mich nicht ausführlich zu den Inhalten des Streifens äußern. Nur soviel: endlich mal ein Science-Fiction-Film, bei dem man sich nicht zu schämen braucht, selbst ein Fan dieses Genres zu sein.

Klar ist die Handlung nicht gerade super-aktuell. Zahlreiche Romane in den 70er Jahren und danach haben ähnliche Themen verarbeitet; mir fällt stets »Das Wort für Welt ist Wald« von Ursula K. Le Guin ein. Fürs Kino-Publikum des Jahres 2009 dürfte die Mixtur aus brachialer Action, Öko-Touch und eine Handvoll Esoterik genug Originalität bieten.

Wobei das Publikum im Karlsruher »Filmpalast« an Gelaber und dämlichen Bemerkungen nicht sparte. Es scheint zu viel verlangt zu sein, eine halbwegs fremde Kultur zu akzeptieren – und ich war mir sicher, daß sich ziemlich viele Leute eher mit den militärisch organisierten Menschen und nicht mit den außeriridschen Hippies verstanden hätten.

Sei's drum: Die Tricks waren klasse, die dreidimensionale Welt begeisterte mich. Die fremde Welt Pandora wurde mir nahe gebracht, das Ökosystem eines außerirdischen Planeten lebte gerade auf der Leinwand. (Und dann stört es mich eben nicht, daß alles doch sehr unserer Erde entspricht; bis hin zu Aliens, die wie Menschen lächeln und kopfnicken und sich verlieben.)

Ich kann jeden verstehen, der sich »Avatar« zweimal anguckt. Nicht wegen der Story, sondern wegen der beeindruckenden Optik. Ganz ehrlich: Bei dem Streifen würde ich eine Fortsetzung begrüßen.

23 Dezember 2009

Klasse-Heft aus Monnem


Über das Fanzine Punkrock! aus Mannheim lobende Worte verlieren, ist eigentlich unnötig: Wer es kennt, findet es eh klasse. Von daher könnte ich hier gleich aufhören. Da's aber ein wenig unfair wäre, rede, ach was, schreibe ich jetzt doch einige Sätze dazu.

Denn die Nummer 10 ist was besonderes und das nicht nur deshalb, weil's einen Rückblick auf die eigene Story gibt: Wieder tanzt das A5-Heft mit einem farbigen Umschlag um die Ecke, die hundert Druckseiten sehen saugut aus, und inhaltlich gibt's auch haufenweise lesens- und guckenswertes Zeugs. Klar hat das Heft - bei dem Namen kein Wunder - eine klare Punkrock-Richtung, aber es gibt eben auch einen Rückblick auf die Skinhead-Geschichte der Jahre 1976 bis 1985.

Einer meiner Lieblingsartikel beschäftigt sich mit dem »Büro für angewandten Realismus« mit Sitz in Ludwigshafen, dessen Aktivitäten mich schon seit Jahren immer wieder ins Staunen versetzen. Zu Wort kommt der Autor Oliver Maria Schmitt, ehemals »Titanic«-Chef und mittlerweile Schrifsteller

Musikjournalistisch geht es bei Interviews und Artikel zu Bands wie den zu Recht populären Anti-Flag aus Amerika, den Italienern von Los Fastidios, den Skapunkern Distemper aus Russland oder den deutschen Punkrockern von Pascow zur Sache. Naja, und wir erfahren mehr über People Like You Records oder - zum guten Ausgleich - das wahre Leben in einem deutschen Gefängnis

Selbstverständlich gibt es darüber hinaus sach- und fachkundige Besprechungen von Büchern, Fanzines und Tonträgern. Hin wie her: Das Heft ist klasse. Diese Ausgabe kostet drei Euro, aber ich empfehle ein Abonnement. Einfach über die Homepage bestellen!

22 Dezember 2009

Frust in Heidelberg

Manchmal sollte man Lesungen vom Wetter abhängig machen. Zumindest dachte ich das, als ich am Montag abend, 21. Dezember 2009, im Heidelberger Café Gegendruck eintraf: Nur die zwei Veranstalter waren anwesend.

Kein Wunder: Schnee und vor allem Matsch hielten Heidelberg fest im Griff, man rutschte auf jedem Meter. Und so hatten tatsächlich einige potentielle Besucher per Telefon abgesagt. Wir überlegten uns ernsthaft, das ganze ausfallen zu lassen und stattdessen zu labern und Bier zu trinken.

Immerhin trudelten noch einige wenige Gäste ein, und ich machte doch eine Lesung. Die ging gegen Ende in allgemeines Gelaber über, und ich kann im Nachhinein nur hoffen, daß ich die Handvoll Besucher nicht zu sehr gelangweilt habe.

Die Rückfahrt war einigermaßen okay: In Heidelberg herrschte immer noch Sauwetter, auf der Autobahn wurde es besser, und in Karlsruhe empfing mich ein fieser Regen bei vier Grad Celsius. Im Plus-Bereich wohlgemerkt.

21 Dezember 2009

Mit dem Essen spielt man nicht

Das Chaostheater Oropax gibt's seit gut einem Vierteljahrhundert. Ich selbst habe die Brüder Volker und Thomas zuletzt live auf der Miniaturbühne des Jugendzentrums Freudenstadt gesehen, irgendwann um 1987 herum. Das ist lang her, und seither sind sie chaotisch geblieben, aber professioneller geworden.

Davon überzeugte ich mich am Sonntag abend, 20. Dezember 2009: Oropax trat im Theaterhaus Stuttgart auf, wir hatten Karten für die vierte Reihe, und ich saß genau hinter einem freien Stuhl, der im späteren Verlauf des Programms auch noch seine Bedeutung bekam. Und ich hatte hinter Bauchschmerzen vor Lachen, ein verzerrtes Gesicht und Atemnot – mehr als hektisches Japsen ging zeitweise nicht.

Das Programm stand unter dem Motto »Der 54. November«, gemeint war natürlich Weihnachten, und karikiert wurde der alljährliche Weihnachtskonsumterror. Dabei zogen sich die Brüder ständig um, tauchten in verschiedene Rollen, brachten Wortspielereien, die zwischen hirnlos und großartig schwankten, und sie sorgten vor allem dafür, daß ein Gag nach dem anderen von der Bühne ins Publikum geschossen wurde.

Das war nicht immer geistreich und häufig weit unter der Gürtellinie – aber es war stets Unterhaltung, bei der ich nur schreien, lachen und kichern konnte. Eine ältere Dame, die in meiner Nähe saß, empörte sich hinterher sehr über das ganze.

Kein Wunder: Grenzen des guten Geschmacks wurden geschmackssicher unterlaufen. Zermatschte Schokoriegel und eine zersägte Weihnachtsgans, dazu Brotteig als Perücken-Ersatz – Oropax spielten sogar mit Nahrungsmittel. Und sackdoofe Running-Gags wie ein debiler Mönch muß man mögen.

Ich mochte das. Noch Stunden danach amüsierte ich mich über Einzelheiten des Programms. Ich bin sicher, daß ich nicht zwanzig Jahre bis zum nächsten Oropax-Abend warten werde.

19 Dezember 2009

Schmal und dunkel

Die erste Winternacht, es schneit im Schwarzwald, und ich bin mit dem neuen Auto unterwegs. Und es macht Spaß wie sonst was: Langsam schlittere ich um die Kurven, nie schneller als 70 oder 80 Stundenkilometer, schön ruhig - und ich bin die meiste Zeit allein unterwegs durch die Mischung aus Dunkelheit und aufgewirbelten Schnee.

Mich begleiten nur der Punkrock aus den Lautsprechern und das gleichmäßige Summen des Motors. Eine schöne Fahrt.

Bis ins Flachland. Dort herrschen Leute vor, die mit Tempo 30 über kerzengerade Landstraßen schleichen. Und es gibt Auffahrunfälle sowie Krankenwagen, die mit Blaulicht und Geheule über die Landstraße heizen.

Der Winter kommt auch jedes Jahr so plötzlich.

18 Dezember 2009

Flyer zum Gegendruck


Ich bekam ihn ein bißchen spät, möchte ihn aber dennoch sehr gern dokumentieren: den Flyer, den die Veranstalter meiner Lesung in Heidelberg gebastelt haben. Sieht ziemlich punkig aus - und das, obwohl ich so eine Frisur nun wirklich nie hatte. Aber ich fühle mich sehr geschmeichelt ...

17 Dezember 2009

Endlich mal 'ne Rezi

Igendwie scheint es zwar eine Menge Leute zu geben, die meinen Kurzroman »Sardev - der Schatten des Friedens« gekauft und hoffentlich auch gelesen haben, aber es hapert schon ein wenig an Besprechungen in Fanzines und auf Homepages. Das hat mich zuletzt ein wenig frustriert.

Gottseidank gibt es Erik Schreiber, der seine positive Besprechung gleich auf zwei Homepages gehievt hat. »Er ist für mich eine Kurzgeschichtensammlung mit durchgehenden Handlungsfaden« schreibt er über den kurzen Roman auf Buchtips.net. Interesanter Gedanke.

Und auf der Seite fictionfantasy steht dasselbe, und ich freue mich sehr über das Fazit: »Bleibt die Schlussbewertung, die der von mir bevorzugten Sichtweise sehr entgegenkommt: ein gutes Buch.«

16 Dezember 2009

Menschen und Maischbergers

Talkshows schaue ich mir eher selten an; ich bin der Überzeugung, daß das zumeist Zeitverschendung ist und ich mehr davon habe, wenn ich mit normalen Menschen über irgendwas rede anstatt mir anzuschauen, was sogenannte Prominente zu irgendwelchen Themen zu erzählen haben. Doch am gestrigen Dienstag abend, 15. Dezember 2009, zappte ich bei »Menschen bei Maischberger« vorbei, wo ich Zeuge eines ungewöhnlichen Duetts wurde.

Duett - ja klar. Ein Duell war es ja wohl nicht, was die beiden Damen, die von der Regie nebeneinander plaziert worden waren, so lieferten. Dafür ging die Moderatorin zu oft dazwischen, und die beidseitige Abneigung ging so weit, daß die beiden sich zeitweise nur verächtlich musterten.

»Sie riechen nach Container«, sagte Marianne Baronin Brandstetter, von der ich noch nie im Leben gehört hatte, eine Dame, die ihr Geld ihren Männern und ihrem Erbe verdankt und die mit Millionen ausgestattet ist, eine Dame aber vor allem, der man mit Schönheitsoperationen das Gesicht ziemlich verunstaltet hat, und das sagte sie zu Hanna Poddig, einer jungen Frau, die sich als Aktivistin bezeichnete, die am liebsten den Kapitalismus abschaffen würde und unter anderem davon lebt, daß sie Nahrungsmitteln aus den Abfallcontainern der Supermärkte holt, die noch gut sind, aber als Müll gelten.

Und Hanna Poddig antwortete mit steifer Miene, mit einem Lächeln, das zwischen Abscheu und Faszination schwankte: »Das ist Unfug.« Und so ging es die ganze Zeit: Vom Regisseur Dieter Wedel, der davon schwadronierte, daß der Haß der Armen auf die Reichen irgendwann dazu führen könnte, daß man die Wohlhabenden an Bäume aufhängen würde, wurde sie ebenso angegriffen wie von Roger Köppel, einem Schweizer Journalisten und wohl dem Klügsten in der Runde.

Der kam mit dem unseligen Judenvergleich, den auch Schweizer ungestraft aus der Tasche ziehen dürfen, und verglich allen Ernstes die Menschen, denen in Hamburg und Berlin die Nobelkarossen angezündet werden, mit Menschen, »denen man früher in Deutschland auch alles weggenommen hat«, steckte also Poddig zuerst in die Nazi-Schublade, um sie später in die Kommunisten-Schublade zu stecken.

Eine großartige Talkshow, selten so oft über unfreiwilligen Humor gelacht. Vielleicht sollte ich so was öfter gucken. Obwohl ... nächste Woche kommt Nina Hagen, da ist dann wieder Fremdschämen (weil die Dame so peinlich ist) und Eigenschämen (weil ich ein halbes Dutzend Platten inklusive der »Punk-Hochzeit« von der Dame besitze) angesagt ... und ob ich das überstehe?

15 Dezember 2009

Ashtones zwischen Hardrock und Punk

Eigentlich hasse ich Hardrock, und die Vermengen von Punk zu Hardrock sind mir meist ein Greuel. Aus dem Grund hatte ich anfangs meine Probleme mit der französischen Band Ashtones und ihrer CD »Mainline Rockets«. Da gibt's nämlich elf mal wuchtigen Hardrock (jeder andere Begriff ist meiner Ansicht nach falsch, da können sich Rezensenten und das Label noch so viel einfallen lassen) auf die Ohren, und wenn man das ganze laut genug spielt, rockt und rotzt das ganze recht ordentlich.

Im Prinzip ist das schon Rock'n'Roll, schon klar, vor allem, wenn man jene Definition zu Rate zieht, die sich in den 90er Jahren im Gefolge von Hellacopters und Gluecifer und anderen Bands immer stärker verbreitete. Mit klassischem Rock'n'Roll, wie man das vielleicht bis in die 80er Jahre hinein verstand, hat's weniger zu tun ...

Und mit Punkrock erst recht nichts. Die Band verneigt sich in ihren Stücken durchaus vor den Klassikern wie den Ramones, oder sie covert in gelungener Weise einen Clash-Klassiker – aber es ist und bleibt eben Hardrock. Wer das mag, ist hier richtig; für andere (wie mich) isses auf Dauer nix.

14 Dezember 2009

Inder in Dubai

Es war mein erster Aufenthalt in Dubai - eine Fahrt mit einem kostenlosen Shuttle-Bus, mit einem unmöglichen Stau und viel Generve und daraus resultierend viel zu wenig Zeit. Auf jeden Fall mußte ich irgendwann pinkeln, ich stand ohnehin vor dem Burjuman-Einkaufszentrum, und kurz entschlossen machte ich mich auf die Suche nach einer Toilette.

Schräg gegenüber von »H&M«, direkt neben einer Autoausstellung mitten im Einkaufszentrum, fand ich den Toilettentrakt. Alles war sauber, schick und aufgeräumt - wie ohnehin die ganze Stadt aussah, als hätte sie jemand extra vor meinem Besuch gründlich geputzt.

Ich erledigte die Dinge, die ich auf dem Klo zu tun hatte, und wusch mir anschließend gründlich die Hände. Mit dem zusammengeknüllten Papiertuch, mit dem ich mir die Finger abgetrocknet hatte, ging ich in Richtung des Mülleimers.

Dort stand gerade der indisch aussehende Mann, vielleicht so alt wie ich, der so aussah, als wollte er die Toiletten putzen. Er lächelte mich an, sagte »please, Sir« und betätigte den Fußdrücker, der den Deckel zum Mülleimer öffnete.

Das ist Dubai: Man hat einen indischen Mann, der dafür angestellt wird, den (nicht einkaufenden) Besuchern eines Einkaufszentrums beim Beseitigen des Mülls zu helfen ... Kopfschüttelnd ging ich wieder hinaus.

12 Dezember 2009

Kurzgeschichten im Härtetest

Der zweite Seminartag bot bislang zwei Schwerpunkte, neben diversen theoretischen Erläuterungen und dergleichen: Am Morgen stellten wir den Autoren eine Schreibaufgabe, bei der es im wesentlichen darum ging, nach einer kleinen Vorgabe eine neue Kurzgeschichte zu entwickeln und dazu einen Anfang zu schreiben. (Daran wird am Abend weitergearbeitet.)

Der zweite Schwerpunkt betraf das Bearbeiten jener Texte, die von den Autoren im voraus eingereicht wurden. Was war gut, was war schlecht, bei welchen Texten hat welche Passage funktioniert, und wo lief alles schief? Das ist, so denke ich, für alle Teilnehmer stets erhellend ...

11 Dezember 2009

Seminar mit Uwe Anton

Wieder mal Wolfenbüttel: Der erste Seminar-Tag fängt immer eher ruhig an. Mit meinem Kollegen Uwe Anton gebe ich den Autorinnen und Autoren möglichst realistische Einblicke ins Verlagsgeschäft und ins tägliche Leben von Autoren. Das räumt stets einige Vorurteile beiseite, finde ich.

Die Gruppe ist überschaubar: zwölf Teilnehmer sind es diesmal, mit leichtem Übergewicht bei den Männern. Thema ist die Science-Fiction-Kurzgeschichte - und nicht alle haben einen SF-Hintergrund. Da werden wir sorgsam überprüfen, mit welchen Themen wir um die Ecke kommen.

Wobei's heute eh vor allem um die Textarbeit geht. Sprich: Es werden die Texte durchgesprochen, die von den Teilnehmern im voraus eingereicht worden sind. Eins nach dem anderen ...

10 Dezember 2009

Wenn der Erzengel sich meldet

Zu den bizarren Welten, in denen ich mich nicht auskenne, von denen ich aber immer wieder etwas mitbekomme, gehören die der Esoteriker. Da gibt's Dinge, da schüttle ich nur mit dem Kopf. Im Januar ist in relativer Nähe zu meinem Wohnort eine Veranstaltung, bei der ich mir ja glatt überlege, dahin zu pilgern.

Konkret ist das ganze am 30. und 31. Januar 2010 in Freiburg. Es handelt sich um einen Kongress, »den Erzengel Michael inspiriert hat«, so die Veranstalter, »um in diesen Jahren des Wandels vor 2012 den Menschen eine Unterstützung zu sein.« Das beste daran: Das kst keine Satire, die meinen das ernst.

Laut Aussage der Veranstalter sorgt der Erzengel Michael – ob das ein Außerirdischer ist oder er Engel aus der Bibel, weiß ich nicht – dafür, dass »ein neues Heil-Potential von jenseits 2012« nutzbar gemacht wird. Dabei geht es nicht um halbherzige Dinge, sondern um handfestes Zeugs.

So »channelt« die »spirituelle Moderatorin« Cela Fenn irgendwelchen Kram, der mit der »Matrix für vollständige Gesundheit« zusammenhängt. Das besorgt der Erzengel Gabriel, sie ist nur das Medium. Der gute Engel kann mit der »Goldenen Flamme der Heilung und dem Diamantenen Licht der Reinheit« tätig werden, um allerlei Hgilfen zu leisten.

Auch Cecilia Sifontes verspricht viel, denn im nächsten Jahr werde »ein großes Erwachen einsetzen«, während Julius Colombo »eine neue kristalline Struktur der DNS vorstellen« wird. Ich bin ziemlich beeindruckt und hoffe, daß man alsbald auch ein Mittel gegen meine bescheuerten Allergien finden wird.

Ach ja, das ganze kostet auch was. Geht aber: 250 Euro. Und das ganze nennen die Veranstalter sehr freundlich »den Energieausgleich für den Kongress«. Ich glaub', ich buch' mir gleich einen Platz.

09 Dezember 2009

Daheim bei der Alb


Die aktuelle Folge von »Peter Pank - und Hardcore!«, die in der Ausgabe 87 des OX-Fanzines abgedruckt wird, führt den Helden zurück in die schwäbische Provinz. Nix mehr mit munteren Pogo-Attacken in der Weltstadt Ludwigshafen, eher das normale Allerlei mit Dorfnazis, Spießern und dem Holzfäller-Kumpel Jörg.

Ich bin mir ja nie so sicher, wie das die Leser finden - aber in einem Fortsetzungsroman muß es ja ab und zu auch andere Handlungselemente geben. Meine zumindest ich. Und jetzt geht's eben wieder in die Provinz, wo auf den Helden des Romans nach wie vor viel Streß wartet.

Es ist übrigens die Folge 23 des aktuellen Romans, und ich weiß wirklich noch nicht, wie viele Folgen es insgesamt werden. Vierzig? Schauen wir mal.

(Wer übrigens wissen will, wie die Abenteuer von Peter Meißner alias Peter Pank angefangen haben, muß die zwei Bücher »Vielen Dank Peter Pank« und »Chaos en France« lesen. Beide im Archiv der Jugendkulturen erschienen und über amazon.de und andere Buchhändler zu erstehen. Ende der Werbeeinblendung.)

08 Dezember 2009

Fahrt nach Fujairah

Vom Hotel wurde eine kostenlose Fahrt nach Fujairah angeboten, in die Hauptstadt jenes Emirats also, in dem wir uns aufhielten. War ja klar, daß wir diese Offerte annahmen; immerhin wollten wir ein wenig von Land und Leuten mitbekommen.

Wir wurden am Museum abgesetzt, aus welchen Gründen auch immer. Die anderen Mitreisenden beschwerten sich, weil sie zu einem Einkaufszentrum wollten - es kam fast zu einer Meuterei gegen den indischen Busfahrer, der verzweifelt versuchte, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Das Ende vom Lied: Zwei kulturbeflissene deutsche Paare stiegen aus, der Rest fuhr zum Supermarkt.

Das Museum ignorierten wir, die alte Festung guckten wir an. Die Tür stand offen, also gingen wir hinein: nett, nicht groß, aber durchaus imposant. Noch während wir drin waren, wurde die Tür verschlossen, von außen allerdings. Der freundliche Turbanträger ließ uns dennoch ziehen ...

Das war unser einziges Abenteuer in Fujairah, das wir ansonsten mit dem Taxi und zu Fuß erkundigten. Der sogenannte Central Market, der im Reiseführer erwähnt wird, erwies sich als Sammlung kleiner Läden, zumeist von Indern und Pakistani geführt. Die Hauptverkehrsstraße war von vielen Geschäften geprägt, und überall standen Baustellen in voller Pracht.

Zuletzt landeten wie auch im »Lulu Hypermarket«, wo wir die anderen Mitreisenden trafen, die sich sichtlich langweilten: Es war im Prinzip ein Supermarkt mit einigen kleinen zusätzlichen Geschäften.

Ganz umsonst war die Fahrt nicht: In einem kleinen Geschäft kauften wir leckere arabische Süßigkeiten, irgendwelches Gebäck eben. Und wir stolperten durch eine kleine Mall, in der auffallend viele Frauen in schwarzer Komplettverschleierung (außer einem Augenschlitz) unterwegs waren.

07 Dezember 2009

Röchelndes Radio

Wer am Sonntag abend, 6. Dezember 2009, meine aktuelle Radiosendung im Enpunkt-Radio im freien Radio Querfunk anhörte, glaubte womöglich, ich hätte meine Stimme absichtlich verzerrt. Tatächlich röchelte ich gelegentlich, und ich rede manchmal noch schlimmeren Unsinn als sonst.

Dabei gab's ein bierernstes Thema - oder eher weinselig? Sei's drum: Punk aus der Palz, oder eben Punkrock/Hardcore aus dem Bundesland-Rheinland-Pfalz war das Thema. Und mit Kick Joneses durften die alten Helden aus Kaiserslautern nicht fehlen.

Aus Kaiserslautern stammten auch Headcrash mit ihrem Techno-Hardcore-Crossover, aus Idar-Oberstein kamen die jungen Deutschpunker von Splash. Aus Limburg rotzten Bubonix ihren großartigen HC-Punk aus den Lautsprechern.

Landau, die Kreisstadt in der Südpfalz, hat seit Jahren eine aktive Szene. Ich spielte Stressfaktor mit ihrem deutschsprachigen Hardcore-Punk und Trend, die immer noch verdammt nach einer Kreuzung aus 1979 und 1981 klingen.

Ebenfalls nach 1977 klingen Front aus Mainz. Dann noch zweimal Geschichtsunterricht: Memento Mori aus Ludwigshafen spielten den Hardcore, den man 1988 hörte, und von My Lai aus Bendorf kam von 1994 ihre LP, die anno dunnemals zu den neuen Emocore-Platten gehörte.

06 Dezember 2009

Warum nicht Rastatt?

Eigentlich hatte ich mich sehr auf das Twisted-Chords-Festival gefreut, das am Freitag, 4. Dezember, und Samstag, 5. Dezember 2009, in Rastatt lief. Ich war für den Samstag abend geplant: einmal Lesung und nach den Bands auch noch als DJ. Der klare Auftrag lautete: Pop aus den 80er und 90er Jahren.

Nun gut. Ich bereitete mich ordentlich vor, sammelte im Verlauf der gesamten Woche meine Platten und CDs zusammen, die ich für so eine Disco für sinnvoll hielt. Und bemerkte, daß ich ab Donnerstag immer stärker rotzen und schnupfen mußte. (Zwischendurch war ich mir nicht sicher, ob es eine Erkältung oder ein Allergieschub war; die Symptome sind nunmal sehr ähnlich.)

Am Samstag, 5. Dezember, war der Ofen aus: höllische Kopfschmerzen, Übelkeit, dann auch Fieber. Ich befürchtete, die Schweinegrippe hätte mich erwischt, blieb im Bett und sagte die Lesung und alles ab.

Am späten Abend ließen die Kopfschmerzen und das Fieber nach, die Erkältung blieb. Also doch keine Schweinegrippe. Aber gelesen und Musik aufgelegt hatte ich trotzdem nicht. Bescheuerter Samstag.

05 Dezember 2009

Russen-Klischees

Wir bummelten durch den parkähnlichen Garten des Hotels, ein kleiner Spaziergang nach dem leckeren Abendessen. Sterne am Himmel, Schiffe am Horizont auf dem Meer, vom Meer-Restaurant drang Essensgeruch an unsere Nasen.

Dann hörten wir die Stimmen: Eine Gruppe von Männern sang. Wir traten näher und sahen, daß sechs oder sieben Menschen auf zwei Holzbänken saßen. Die Frauen schienen still zu sein, die Männer sangen; es klang melancholisch und nett.

»Das sind die Russen«, sagte ich irritiert. Und es stimmte: Die russischen Gäste, über deren manchmal arg klobiges Benehmen wir uns mehrfach geärgert hatten, saßen auf den Holzbänken unweit des Strandes und sangen.

Manchmal gaben sie sich Mühe, alle Klischees zu erfüllen: Sie tranken Unmengen von Alkohol, der in diesem arabischen Land ziemlich teuer war, sie waren laut und lustig, sie häuften die Teller im Restaurant voll, und sie verhielten sich am Strand laut und angesoffen.

Aber jetzt erfüllten sie das andere Klischee: der sangeslustige, melancholische Russe, wie man ihn aus alten Filmen wie »Doktor Schiwago« kennt. Immer wieder finde ich es nett, wenn Leute sich Mühe geben, ihre eigenen Klischees zu erfüllen.

04 Dezember 2009

Traditionelle Weihnachtslesung

Zum nunmehr dritten (oder schon vierten?) Mal gibt es in der Vorweihnachtszeit eine Lesung von mir in Heidelberg - das wird zu einer guten Tradition, denke ich. Und wieder findet die Veranstaltung im Café Gegendruck statt.

Das sympathische, extrem kleine Café liegt in der Innenstadt der Universitätsstadt, beim Weihnachtsmarkt buchstäblich um die Ecke. Nach eigenen Angaben soll in dem unkommerziellen Treffpunkt »ein unabhängiger politischer und kultureller Austausch ermöglicht werden«. Unter anderem ist der Infoladen Heidelberg in den Räumlichkeiten des Cafés untergebracht, die Lesung ist gewissermaßen nebendran.

Meine Lesung ist am Montag, 21. Dezember 2009; sie beginnt um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei, aber ich freue mich über jeden, der Bücher kauft ...

03 Dezember 2009

Rückflug mit Tücken

Wir flogen mit Gulf Air, und die erwiesen sich schon beim Flug in die Emirate als nicht unbedingt optimal. Der Rückflug war allerdings katastrophal. Von Dubai nach Bahrain sollte es um 23.45 Uhr losgehen; nicht gerade mein Lieblingstermin. Als wir gegen 21 Uhr eincheckten, wurde uns noch eine Boarding-Zeit von 23 Uhr genannt.

Als wir allerdings um 23 Uhr am Schalter ankamen, gab es weder eine Information noch eine Person, die uns weiterhalf; wir erfuhren aus anderen Informationsmöglichkeiten, dass der Flug auf 0.45 Uhr geschoben worden war. Daran hielt sich niemand: Letztlich flogen wir gegen 1.30 Uhr Ortszeit von Dubai los.

Aufgrund von Gerüchten bekamen wir mit, dass der Flug von Bahrain nach Frankfurt, der um 1.50 Uhr Ortszeit geplant war, gegen 7 Uhr erst starten sollte. Wir trafen um 2.30 Uhr Ortszeit ein; ein völlig überforderter Gulf Air-Angestellter, der keinerlei Information hatte, stellte uns (er wurde von Dutzenden von Menschen umlagert) vor die Alternative: für zwei bis drei Stunden in ein Hotel oder ein kostenloses Essen.

Wir verzichteten auf das Hotel (das sich, wie wir von anderen Reisenden, die auch in Bahrain strandeten, erfuhren, als ziemliche Katastrophe entpuppte) und entschlossen uns, im Flughafen zu bleiben. Im Restaurant, in das wir uns mit anderen Reisenden begaben, wusste niemand etwas von kostenlosem Essen oder kostenlosen Getränken; wir beide verzichteten dann auf das Essen (das Personal hatte die Küche kurz zuvor geschlossen), nahmen ein Getränk und gingen in den Duty-Free-Bereich.

Später änderte sich das Gate (ohne dass man am bisherigen Gate informiert wurde), und die Abflugzeit wechselte auf 8.00 Uhr. Später dasselbe: neues Gate, Abflugzeit um 8.50 Uhr. Noch später: neues Gate, Abflugzeit um 8.40 Uhr. Gegen 9.30 Uhr (in etwa) ging dann das Flugzeug von Bahrain nach Frankfurt.

In solchen Fällen geht der Erholungswert von zwei Wochen Strand und Sonne dann doch recht zackig auf den Nullpunkt zurück ...

02 Dezember 2009

Dreck-Spaziergang

Der erste Strandspaziergang: Wir bummelten gemeinsam los, nach links über den weißen Sand, hin zu den Felsen, die gewissermaßen den ersten Horizont bildeten. Meine Überlegung war, soweit über den Strand zu spazieren, bis wir auf diese Weise zum nahe gelegenen Dorf kommen würden.

Der Sand war geradezu heiß, das Wasser dagegen angenehm warm. Mit bloßem Auge sah ich Fische, die im flachen Wasser schwammen; kleine Wellen brachen sich, und überall lagen kleine Muscheln sowie die Reste von Korallen.

Am Ende des Strandes kamen Felsen und ein kleines Kap, das sich in Form eines Haufens großer Steine ins Meer hinaus erstreckte. Dort kamen wir nicht weiter. Stacheldraht und ein Maschenzaun schirmten einige flache Gebäude ab.

Da auf dem Berg zur Linken ein Funkmast stand, vermutete ich, daß hier vielleicht militärisches Gelände begann. Im Schatten des Berges parkten zwei Geländewagen, bunte Zelte wurden errichtet; es sah aus, als ob hier jemand einen Camping-Urlaub am Strand verbringen wollten.

Wir drehten um und bummelten zurück. Vor dem Hotel stellten wir fest, daß wir schmierig-schwarze Füße hatte, eine Melange aus Teer und Ölresten. Zwar hatten wir nichts davon bemerkt, aber wir schienen ständig in Klumpen aus Dreck getreten zu sein.

Kein großes Problem im Hotel: Die Füße konnten wir mit einem Lappen und spezieller Flüssigkeit rasch sauber bekommen. Zumindest soweit, daß wir nicht mehr alles verschmierten.

Und abends sahen wir den Grund für den Dreck: Dutzende von Schiffe zogen über den Horizont, eine lange Schlange von Frachtern und Öltransportern. Sie alle waren wohl auf dem Weg nach Fujairah, der Hafenstadt, die vierzig Kilometer weiter südlich lag, die Hauptstadt des Emirats, in dem wir uns aufhielten.

Dort befand sich ein sogenannter Bunkering Port, wie ich dem Reiseführer entnahm, ein riesiger Ölverladehafen, angeblich einer der drei größten der Welt. Kein Wunder, daß da gelegentlich mal ein Tröpfchen Öl oder Teer austrat und an Land gespült wurde ...

01 Dezember 2009

Zwei Wochen Emirate

In früheren Jahren suchte ich mir eher jene Weltgegenden aus, die als »arm« gelten. Der diesjährige Urlaub führte in eine Region, die als aufblühend und reich gilt. Richtig – die Vereinten Arabischen Emirate.

Die VAE bestehen bekanntlich aus sieben verschiedenen Emiraten; das bekannteste davon ist wohl Dubai. Diese Stadt haben wir natürlich auch besucht, insgesamt waren wir zweimal in der Stadt. Ein Wahnsinn! – selten so viele Gegensätze gesehen, selten so oft den Kopf geschüttelt angesichts völlig überzogener Dinge.

Unser Hotel lag nicht am Persischen Golf, sondern am Golf von Oman, also auf »der anderen Seite«, im Emirat Fujairah. Die Hotel-Homepage zeigt eine Dia-Show, die sehr ... ähm ... touristisch aussieht, aber viele Eindrücke wahrheitsgetreu wiedergibt.

Einen Geldscheißer besitze ich nicht, das braucht jetzt niemand zu glauben. Der Urlaub war letztlich sogar in diesem bonzigen Hotel ein echtes Schnäppchen und nicht teurer als die gleiche Zeit irgendwo auf den Kanaren.

Und ich habe es ziemlich genossen – jeden Tag. (Jetzt steht mir erst einmal bevor, die angefutterten Kilos wieder loszubekommen ...) Politisch-gesellschaftliche Diskurse und weitere Texte folgen.

30 November 2009

Coole Rezension

»Er holt ein mit Kitsch und allerlei Tand überfrachtetes Sujet zurück auf die (schmutzige) Arbeitsebene.« Das schreibt der Kollege Felix Mescoli in seinem Big Rock Blog über meinen Fantasy-Kurzroman »Sardev - der Schatten des Friedens«.

Das ist eine Besprechung, wie ich sie selbstverständlich liebe: »Ein kleines, gradlinig geschriebenes, spannendes, manchmal brutales Buch.« Damit kann ich gut leben.

Gut leben kann ich auch mit dem Western-Vergleich. In der Tat folgt »Sardev« einigen Western-Anleihen, wenngleich das damals nicht absichtlich geplant war. Aber man kann sich ja nicht alles im voraus so richtig zurechtlegen ...

15 November 2009

Urlaub ...

Die nächsten Tage wird in diesem Blog hier Funkstille herrschen. Der banale Grund: Ich bin im Urlaub. Und zwar Urlaub, der weitestgehend ohne Internet auskommen wird.

Ende November sollte es weitergehen. Wundere sich so lange bitte niemand ...

14 November 2009

Immer noch 2001


Ich erinnere mich noch sehr genau, wie ich um 1980 in der Kreissparkasse am Marktplatz stand und »Verrechnungsschecks« bestellte (jüngere Leser, die nicht mehr wissen, was das ist, mögen den Begriff bitte googeln). Ich war 16 Jahre alt und eigentlich viel zu jung dafür.

Und als der Bankangestellte fragte, warum ich denn das bräuchte, sagte ich: »Ich möchte bei 2001 was bestellen.« Er grinste wissend, nickte und händigte mir nach einigem Papierkram die Verrechnungsschecks aus.

Der Bankangestellte war Motorradfahrer und damit wohl ebensosehr »Gegenkultur« wie ich in meiner naiven Antihaltung zum Großteil der Welt um mich herum. Und einen Teil dieser alternativen Denkweise bot ein Versandhandel mit Sitz in Frankfurt an – seit 1980 war ich Kunde bei »Zweitausendeins«, und ich kaufte dort billige Vinylscheiben, preiswerte Bücher und auch Comics.

Bis heute bin ich Kunde bei dem Versandhaus, auch wenn ich genügend Bücher und Platten habe und auf Sonderangebote eigentlich nicht angewiesen sein möchte. Aber ich lese nach wie vor gern das Merkheft, und ich gehe gern in den örtlichen »2001«-Laden, wo ich im Keller stöbere.

Mathias Bröckers hat darüber ein Buch geschrieben. Der Autor und Redakteur schreibt in »Zweitausendeins. Der Versand. 40 Jahre danach« über die Geschichte eines Unternehmens, das in der 68er-Revolution anfing, das zeitweise viele Leute prägte und das es heute immer noch gibt.

Ein bißchen Selbstbeweihräucherung ist dabei, aber das ist völlig in Ordnung. Immerhin darf sich der Versand feiern lassen, und ich habe die kleine Chronik – nicht mal hundert Seiten im Taschenbuchformat – mit viel Vergnügen gelesen.

Soooo lang ist das schon wieder her? Angesichts der Tatsache sollte ich glatt mal wieder einige Bücher bestellen ...

13 November 2009

2012 geguckt

Es war ein Kurz-Trip nach Stuttgart, und eigentlich ging es unter anderem mal darum, alte Bekannte wiederzutreffen. Und natürlich bot es sich an, gleich zu Beginn den aktuellen Emmerich-Streifen »2012« zu gucken. Vorab-Verrisse hatte ich schon genug gelesen, so daß ich einigermaßen interessiert war.

Seien wir ehrlich: Selten habe ich die Geschichte eines Weltuntergangs so eindrucksvoll erlebt wie in diesem Streifen. Die völlige Zerstörung von Los Angeles, der Untergang von Las Vegas, die Explosion des Yellowstone Nationalparks, das Zertrümmern des Weißen Hauses und des Peterdoms – das war alles unglaublich gut in Szene gesetzt. Hammer!, was da für Bilder erzeugt werden.

Auch der Anfang der emotionalen Verwicklungen war stark: der Vater, der Science-Fiction-Romane schreibt und mit seinen Kindern in Urlaub fahren möchte, der Geologe, der das Unheil spürt, der Verrückte in der Wildnis, der schon alles weiß und ahnt. Mir gefiel das alles sehr gut, da fieberte ich geradezu mit.

Gegen Ende nervten mich die emotionalen Verwicklungen, und das Happy-End ärgerte mich dann. Das scheint ein Problem mit allen Emmerich-Filmen sowie generell vielen Hollywood-Erfolgen zu sein. Fair gesagt: Die gefühlten ersten zwei Stunden des Filmes sind klasse, die letzte halbe Stunde kann man sich eigentlich schenken.

Noch ein Wort zur Handlungslogik sowie zur Physik, die dem Film zugrundeliegt: Das ist natürlich alles ebensolcher Humbug (»mutierende Neutrinos« ... aha!) wie die angebliche Maya-Prophezeihung. Aber wenn man das alles gut ignoriert, was ich gut konnte, bekommt man streckenweise richtig gelungene Kino-Unterhaltung.

12 November 2009

Über dunkle Rebellen


Die Musik-Szene in der ehemaligen DDR wird in den letzten Jahren immer stärker erforscht; manchmal habe ich das Gefühl, es gäbe mittlerweile über jede Punk-Band ein Buch und als wäre mittlerweile jeder, der irgendwann mal eine Gitarre in der Hand hielt, im Fernsehen abgefeiert worden. Schlecht muß das nicht sein: Auf diese Weise bekomme ich was über Bands vermittelt, die ich in den 80er Jahren nicht kannte.

So Die Art aus Leipzig, die sich 1984 unter anderem Namen gründeten und in den 80er Jahren zu den angesagten Underground-Kapellen der DDR gehörten. Auch nach der sogenannten Wende ging es mit der Band weiter, es gab Höhen und Tiefen, und im Jahr 2001 war Schluß.

Die Mischung aus Punk und Rock und Gothic, die jahrelang eine große Fan-Schar begeisterte, ging allerdings ziemlich an mir vorüber. So sehr, daß auch das Buch »Dunkle Rebellen« von Volly Tanner einige Jahre bei mir im Bücherstapel vergammelte, bis ich es endlich lesen konnte. (Mittlerweile dürfte es verlagsvergriffen sein, seufz.)

Es ist in der kleinen Edition 42 erschienen, umfasst rund 100 Seiten und ist ein schick gestaltetes Paperback mit vielen Fotos, Textauszügen, Interviews und einem subjektiven Rückblick auf die Geschichte der Band. Volly Tanner ist kein seriöser Sachbuchautor, will das auch gar nicht sein, sondern erzählt die Geschichte der Band aus einer subjektiven Perspektive nach – leider enthält diese subjektive Wahrnehmung viele Anspielungen, die ich als Außenseiter nicht verstand.

Trotzdem blieb der Eindruck einer Band, die etwas zu sagen hatte und deren Auflösung viele bedauerten. Vielleicht muß ich doch mal gucken, daß ich mir Platten von Die Art besorge.

11 November 2009

Trubel in der Blogosphäre

Robert Basic ist ein sogenannter Alpha-Blogger, also einer von denen, die in der sogenannten Blogosphäre wichtig sind. Jetzt bekomme ich normalerweise von der Blogosphäre eh nichts mit, weil mich weder interessiert, wie man mit einem Blog Geld verdienen kann, noch der Illusion unterliege, ein Blog sein irgendwie journalistisch bedeutsam.

Unter der Headline »Was ist aus den Blogs geworden?« schreibt Robert Basic über den angeblichen Hype um die Blogs, der seiner Ansicht nach »gelaufen« scheint.

Wenn der Hype vorüber ist, so Basic, seien Blogs womöglich »nicht mehr so wichtig«. Gründe könnten sein, weil »nur ganz wenige bis gar keine Blogs wirtschaftlich« seien oder weil es »kein Blog mit der FAZ aufnehmen« könne. Interessante Argumentation, die Blogs tatsächlich einen Stellenwert zuweist, den sie zumeist doch nicht haben.

Der Artikel ist interessant, und er ist als Kommentar lesenswert. Er hat allerdings mit meiner »Blog-Realität« nichts zu tun. Von daher kann ich auch die nächsten Jahre die sogenannten Alpha-Blogger in ihrer anspruchsvollen Blogosphäre ignorieren; die dürfen dort gern Journalist spielen.

10 November 2009

Bald Jubiläum

Wenn ich's mir richtig überlege, gibt es meine Radiosendung jetzt schon bald 15 Jahre. Das genaue Jubiläum wird sich mangels eigener Hirnleistung wohl nie genau ermitteln lassen.

Im Juni 1995 ging Querfunk auf Sendung, seit damals gibt es die Radiosendung so richtig regelmäßig. Aber dass ich ENPUNKT-Radio machen wollte und wie das alles heißen sollte, muss sich irgendwann mal Ende 1994 herauskristallisiert haben. Wahrscheinlich bei einem der vielen Plena im »Felshof« oder im »Tempel«.

Die erste Radiosendung wurde in einem Raum aufgenommen, der nicht viel größer war als die Kabine im öffentlichen WC. Ausgestrahlt wurde sie dann ausschließlich in den Räumen des Gewerbehofs, konnte also von maximal 25 Leuten gehört werden. Trotzdem gab es hinterher Kritik und Lob – das fand ich stark.

Dass es aber superschwer war, so eine Sendung journalistisch sauber zu machen und dabei abwechslungsreich zu bleiben, merkte ich früh genug. Aus diesem Grund verzichtete ich früh auf ernsthafte Polit-Sendungen und spielte lieber meinen Musik-Kram. Das war letztlich doch einfacher ...

09 November 2009

Twitter und Co.

Der Mann ist mit persönlich bekannt als jemand, der im weitesten Sinne mit Computern zu tun hat. Täglich sitzt er vor seinem PC, und er ist in dem Unternehmen, für das er arbeitet, unter anderem für die Verwaltung von Homepages und so verantwortlich.

Irgendwann kamen wir aufs Thema Twitter. Ich erzählte nicht, dass ich einen eigenen Twitter-Account habe, auf dem ich aber nicht sooo viel schreibe, sondern berichtete von den PERRY RHODAN-Aktivitäten unter anderem bei Twitter.

Das fand er sehr interessant. Und dann fragte er: »Bei Twitter kriege ich dann immer, wenn da jemand was schreibt, eine SMS aufs Handy, oder?«

So kam ich in den Genuss, jemandem in Kurzform zu erläutern, was Twitter ist und was man damit mehr oder weniger sinnvolles machen kann. (Nach dem wirklichen Sinn suche ich auch noch; es kann allerdings durchaus unterhaltsam sein.) Ich kam mir vor wie ein Teenager, der einem Erwachsenen die neuesten technischen Wunderdinge vor Augen hält ...

08 November 2009

Don Carlos und ich

Es war ein zugleich faszinierendes wie verstörendes Bild: Rechts und links der Bühne zeigten die Leinwände riesige Schwarzweiß-Bilder mit den Konterfeis berühmter Diktatoren des zwanzigsten Jahrhunderts; auf der Bühne strahlte ein gigantisches Kreuz, hinter dem ebenfalls mal Stalin, mal Hitler, mal Khomeini, mal Mao, mal Pinochet und so weiter zu sehen waren. Und auf der kargen Bühne tanzten verkleidete Menschen mit den Masken der Diktatoren einen Reigen, während auf Monitoren eine Explosion nach der anderen, eine marschierende Armee oder sterbende Menschen zu sehen waren.

Ich war in der Oper. Genauer gesagt: im Karlsruher Opernhaus. Es wurde »Don Carlos« gegeben, die Verdi-Oper, die nach dem gleichnamigen Theaterstück von Schiller entstanden ist. Und ich fand's saugut.

Manchmal ging mir das Gesinge ein wenig auf die Nerven; die beeindruckende Inszenierung mit modernen Einsprengseln, mit einer absolut karten Bühne und teilweise sehr statisch funktionierenden Figuren fand ich aber absolut stark. Das war kein leichtfüßiges Musical (und natürlich kein hektisch-dynamisches Punk-Konzert), sondern das war anspruchsvolle Kunst.

Opern-Fan werde ich sicher nicht werden. Aber die »Don Carlos«-Inszenierung im Opernhaus wird mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.

07 November 2009

Helles Bier in Belgien

Reise-Erinnerung ans Jahr 2005

Der Wind pfiff vom Meer her, als wir durch De Haan spazierten. Die kleine belgische Stadt, nicht viel mehr als ein Dorf mit einigen Hotels, vielen kleinen Häusern und einigen Pensionen – in einer davon hatten wir uns einquartiert – machte im September 2005 keinen besonders gemütlichen Eindruck. Auch wenn noch nicht die Jahreszeit dafür war, hatte ich doch das Gefühl, der Herbst wollte bald in einen eisig-kalten Winter übergehen.

Wir hatten Hunger und Durst, und irgendwie konnten wir uns nicht so recht entscheiden. Überall gab es Restaurants, die frische Muscheln anboten, überall saßen Touristen, und in manchen Restaurants schreckten die Preise ab. Wir entschieden uns nach einigem Hin und Her dann doch für die »Brasserie Carnac«, ohne dass ich heute noch sagen könnte, welchen Grund es dafür gab.

Der Raum war zugig: Ich saß mit dem Rücken zu einer Fensterfront, durch die unaufhörlich die Kälte hereindrang. Das ganze hatte einen durchaus rustikalen Charme, nicht übermäßig schick, aber nett, kein feines Lokal, sondern im Prinzip ein etwas gehobener Imbiss. Und damit es passte, trank ich rasch hintereinander ein Jupiler und ein Leffe, zwei blonde Biere also.

Wir bekamen ein anständiges Essen hingestellt; sowohl der Fisch als auch das vegetarische Essen schmeckten. Die Musik war dezent, die lärmenden Touristen am Nachbarisch gehörten zur Folklore dazu. Es war weiß Gott kein Lokal, das in irgendeinem seriösen Reiseführer einen prominenten Platz verdient hätte – aber wir waren zufrieden und gesättigt, und als ich leicht torkelnd hinaus ins Freie trat, die Nase wieder in den Wind haltend, wurde mir erst wieder bewusst, wie warm es trotz Zugluft gewesen war.

Belgien im September 2005, das war eine sehr schöne Reise, und De Haan sowie die Brasserie Carnac passten gut dazu.

06 November 2009

Chaostage jetzt auch als Soundtrack

Den »Chaostage«-Film habe ich noch nicht gesehen, was mir nur wenig peinlich ist: Immerhin muß ich nur die Augen zumachen, um die Szenen von früher in Erinnerung zu rufen, ob das nun Hannover oder Bremen oder Düsseldorf oder sonst wo ist. Die Chaostage sind zumindest für mich Vergangenheit.

Jetzt habe ich aber den Soundtrack des Filmes zum Besprechen erhalten, was dann schon ein bißchen seltsam ist. Bands wie Steakknife oder Kassierer, Molotow Soda, Slime oder Toxoplasma sorgen für klare Akzente und machen den Soundtrack eigentlich schon zu etwas gutem.

Die Zusammenstellung mutet trotzdem seltsam an, denn dazwischen ist halt auch viel Kram, den man nicht braucht. Ich bin ehrlich: Die CD braucht man nur als beinharter Fan des Films, sonst garantiert nicht. Ansonsten gibt's weitaus bessere Gelegenheiten, sich knalligen Deutschpunk auf Platte zusammenzutun.

05 November 2009

Autorentreffen und Erinnerungen

In meiner Rubrik »Der Redakteur erinnert sich«, die eine Art Vergangenheitsbewältigung auf Egotrip-Ebene darstellt, habe ich auf der PERRY RHODAN-Homepage jetzt dreimal über den März 1998 berichtet. Die ersten zwei Texte erschienen im August 2009, der letzte Text erst im November 2009 – zwischendurch verließ mich die Freude an diesem Thema ...

Dabei hatten die beiden Autoren Ernst Vlcek und Robert Feldhoff sowie ich bei unseren Besprechungen immer viel Spaß. Klar ging es um die Arbeit, aber das war eben nicht alles. Und darüber schrieb ich zuletzt eben dreimal.

Unter der Überschrift »Eine Zeitschleuse und ein neuer Mutant« ging es um die Exposé-Besprechung in Karlsruhe; am 8. März 1998 saßen wir unter anderem in der Bar des Hotels »Ambassador« und im »Krokodil« und dachten uns beispielsweise seltsame Mutanten aus.

Unter dem Titel »Wie Mondra und Perry zusammenkamen« ging es weiter; wir dachten uns eine Liebesbeziehung für den Terraner aus und machten uns Gedanken über Außerirdische, die Wasserstoff einatmen. Hübsches Thema.

Es schloß sich eine Autorenkonferenz an, die wir in einem Hotel in Ettlingen veranstalteten. Davon leitet sich dann der Titel des Textes ab: »Konferenz am ›Runden Plom‹« klingt gut und stimmt. Dabei ging's unter anderem um Sonnenwürmber und Buckyball-Systeme.

04 November 2009

Influenza-Fanzine


Die Zeiten, in denen ich haufenweise Punkrock-Fanzines gelesen habe, sind lange vorbei. Im ZAP hatte ich sogar eine eigene Fanzine-Rubrik. Irgendwie schrumpfte in den letzten Jahren die Zeit zusammen, und das ist echt frustrierend.

Dabei gibt es immer wieder gute Hefte, so zuletzt das Fanzine Influenza, von dem mir die Nummer 3 vorliegt. Mit dem wunderbaren Logo von »Punx and Dogs United« und der gelungenen Unterzeile »Von Hundetrainern für Hundetrainer« gibt's gleich einen satirischen Seitenhieb auf die Köter-Manie in manchen Teilen der Szene.

Ansonsten ist das Heft eine gute Mischung aus persönlichen Betrachtungen (über die Szene an sich und die Gema, aber auch über alte Männer, die über Punk schreiben) und Konzertberichten (man fährt nach Flensburg und Kiel, besucht das Ruhrpott-Rodeo oder ein Konzert in Aachen), das alles im klassischen Schnipsel-Layout. Kein Computer-Schnickschnack, keine Pseudo-Professionalität.

Beeindruckend wie eh und je sind die seitenlangen, ohne Absatz auskommenden und dennoch unterhaltsam zu lesenden Texte von Mikro, der sein Fanzine Entkettet vor Jahren zwar eingestellt hat, es jetzt aber in Form eigener Beiträge im Influenza weiterführt. Er plaudert über Punks und Crusties, über Bands und Personen, über Politik und Alkohol - und vor allem über Griechenland, wo er sich in den letzten Jahren ein paarmal rumgetrieben hat.

Natürlich gibt es Fanzine-Besprechungen, meist recht kritisch; Band-Interviews und so Kram habe ich nicht gefunden. Insgesamt eine gut lesbare Mischung voller »Punk-Spirit«. Das Heft hat 60 Seiten Umfang, kommt im A5-Format und kostet 1,50 Euro. Man kriegt es bei diversen Versänden, etwa dem Plastic Bomb, aber auch direkt bei der Herausgeberin - die Adresse steht im Kommentarbereich.

03 November 2009

Lese-Onkel und Disco-Star

Ich arbeite in Rastatt, und eigentlich kenne ich außer dem Verlag, dem Bahnhof, der Apotheke und zwei, drei Kneipen nicht so viel. Eine Ausnahme: das famose Jugendzentrum «Art Canrobert«, das ich sehr mag, wenngleich ich doch nicht so oft dort bin. Aber die aktiven Leute, die dort Konzerte organisieren und haufenweise Zeugs auf die Beine stellen, finde ich ebenso sympathisch wie ihren Laden.

Am Freitag, 4. Dezember 2009, und Samstag, 5. Dezember 2009, gibt es dort das diesjährige Twisted Chords Festival, an dem haufenweise Bands auftreten werden. Schönes Zitat aus dem Info: Das Karlsruher Label Twisted Chords kehrt nach dem letztjährigen Frankfurt-Ausflug mit seinem Festival zurück in die Heimat und veranstaltet in Rastatt ein zweitägiges Festival mit einem Querschnitt durch das komplette musikalische Programm des Labels.

Mit dabei: meine Nase. Der Freitag gehört dem Punkrock und dem Hardcore, da wird der Sound sicher wuchtig und heftig sein. Am Samstag gibt's HipHop und Ska - und mich. Ich lese aus meinen Büchern (keine Ahnung, welches Thema), und nachts lege ich noch irgendwelche Musik aus. Und weil es so schön klingt, zitiere ich völlig stolz aus dem Info des Labels:

»Die Allzweckwaffe: vor dem Konzert Lesung aus seinen Erfolgsromanen, dem ENPUNKT-Fanzine und weitere Veröffentlichungen aus 25 Jahren Punkrock, hinterher an den Plattentellern mit allerlei tanzbaren 80er und 90er Pop-und Disco-Hits.« Ich freu' mich schon jetzt.

02 November 2009

Tanzende Mädels und dicke Burgers

Ich war noch nicht im »Hooters« in Karlsruhe, und ich werde das sicher so schnell nicht tun. Mir reichen schon die Bilder auf der Homepage des sogenannten Restaurants, und ich weiß, daß ich da fehl am Platz wäre. Wobei da sicher auch nette Leute hingehen; ich frage mich dennoch nach der eigentlichen Motivation: Will man da sehen, wie sich manche junge Frauen öffentlich blamieren, oder will man denen auf knappe Oberteile und noch knappere Höschen schauen?

Hin wie her - es gibt ja glücklicherweise Menschen, die sich für mich opfern. Im »gelb-rot-gelb«-Blog ist ein sehr schöner Bericht dazu zu finden. Lohnt sich!

Spanien als Schwerpunkt

Wieder mal hatte ich eine Radiosendung, in der ich mit hoher Wahrscheinlichkeit vor allem durch miese Sprachkenntnisse glänzte: Ich spielte am Sonntag abend, 1. November 2009, allerlei Musik aus Spanien, und spanisch hatte ich zwar mal in der Schule, aber das ist mehr als ein Vierteljahrhundert hert. Nun denn ...

Immerhin war die Sendung musikalisch sehr gut, finde ich: Skapunk von den Locos oder Skalariak und Streetpunk von Skarmento, dazu IndieRock von The Unfinished Sympathy. Klassischen Punkrock lieferten dann noch Extension 333.

Wo ich eine Band wie Insomnio einordnen soll, weiß ich eh nicht; irgendwie zwischen IndieRock und Punk. Egal, Hauptsache, die Gitarre rockt gut.

Für die Geschichtsstunde spielte ich Ultimo Resorte, eine der ersten spanischen Punk-Bands ausm Jahr 1981, die Decibelios, die wohl beste spanische Oi!-Band der 80er Jahre, und als knalligen Abschluss noch die Subterranean Kids aus Barcelona, die mich 1988 ziemlich begeisterten.

01 November 2009

Doom und Hardcore und verrückte Affen

Neblig und kalt war's, als ich mit dem Rad losfuhr; Samstag abend, 31. Oktober 2009, und haufenweise Halloween-Deppen unterwegs. Zuerst über die Brücke über die Bahn, dann durch die stockfinstere Grünanlage (ich sah keine zwei Meter weit), dann über die endlos erscheinende Fußgängerbrücke, die die vierspurige Bundesstraße überquert, und ich stand im Hof des »Crazy Kong«.

Ich halte das »Crazy Kong« für eine sehr gute Einrichtung; daß ich dort eher selten aufschlage, liegt an der merkwürdigen Art und Weise der Veranstalter, für ihre Konzerte so gut wie keine Werbung zu machen. Vom Samstag-Konzert hatte ich auch nur von den Bands erfahren. Kein Wunder, daß sich im schönen Konzertraum, der locker 150 bis 200 Leute fassen dürfte, gerade mal fünfzig Besucher aufhielten.

Nach einiger Wartezeit, die mit viel Gerede und dem einen oder anderen Bier verbracht wurde, spielten auch schon Bone Idles, die aktuelle Hardcore-Hoffnung aus Karlsruhe: mittelschneller und ziemlich geil gespielter Hardcore-Punk in der Tradition der späten 80er Jahre, kein Metal und kein Emo. Am Gesang Gunnar, der in den 80er und frühen 90er Jahren mit Kafka Proses und So Much Hate schon Maßstäbe für knalligen Sound und großartige Konzerte gesetzt hatte.

Es war das zweite Konzert der Band, das Repertoire ist noch nicht so groß - aber ich war sehr davon angetan. Saugut! Das Publikum johlte und applaudierte eifrig, und nach einem viel zu kurzen Auftritt war's schon wieder rum.

Danach Tomen, die ihren Sound als »Doom« bezeichnen. So klang es auch: schleppender, langsamer Sound, tief und düster gespielt, mit einem Sänger, der ein bißchen zu brav klang. In den besten Momenten klang die Band fast wie Gore (auch so eine Band aus den 80er Jahren), aber recht schnell wurde es mir zu langweilig.

Man kann an einem Samstag abend ja auch nicht alles haben. (Und im Nachhinein war ich eh froh, daß ich mit dem Rad wieder gut nach Hause kam ...)

31 Oktober 2009

Immerhin schmutzige Finger

Als wir den Film hinter uns hatten und im Freien standen, drückte sich jeder - so hatte ich den Eindruck - um eine klare Beurteilung. »Ganz scheiße war er nicht«, sagte dann jemand in der Runde. Kein schlechtes Fazit für »Die Päpstin«, den ich mir dieser Tage anschaute.

Immerhin hatte der Historienstreifen ein gewisses Star-Aufgebot: Johanna Wokalek (die ich ja sau-hübsch finde) spielte das aus der Pfalz stammende Mädchen Johanna, das sich als Johannes aus dem Elend der Frauen im frühen Mittelalter dadurch befreien kann, daß es bis nach Rom und dort irgendwann auf den Thron des Papstes kommt. Das ganze ist höchst dramatisch bebildert, es gibt Gemetzel und eine Vergewaltigung, viel christliches Gerede und eine lange Liebesgeschichte.

Das ganze läuft dann doch recht spannungsarm ab. Auch wer - wie ich - das Buch nie gelesen hat, kann sich in etwa vorstellen, was passieren wird. Von daher gibt es keine ungewöhnlichen Wendungen, sondern höchstens so Fragen wie »was passiert mit Johanna, wenn die Wikinger angreifen?« und dergleichen. Unterm Strich ist das nicht sehr befriedigend.

Dafür ist der Film schön bebildert; vieles ist unterm Strich recht glaubhaft. Am besten fand ich, daß die Helden vor allem am Anfang ständig schmutzig sind. Auch Frau Wokalek als die Heldin hat dreckige Fingernägel und ein verschmiertes Gesicht; so viel Realitätsnähe sieht man normalerweise weder in Historien- noch in Fantasy-Streifen.

Unterm Strich ein Streifen, den man im Fernsehen sicher nicht mit Genuß gucken kann: Da fällt die Langeweile zu sehr ins Gewicht. Im Kino machen die großen Bilder teilweise richtig Eindruck, und das hielt mich gut bei der Stange. Ich unterhielt mich also gut, und das ist für so einen Mittwoch abend nicht das dümmste.

30 Oktober 2009

Power und Energie

Als ich am Donnerstag, 29. Oktober 2009, in die »Alte Hackerei« kam, hatte ich bereits die erste Band verpasst: Biestig, die Lokalmatadorinnen aus Karlsruhe, die ich unlängst ja erst in diesem Blog abgefeiert habe. Nun denn, also verbrachte ich viel Zeit damit, alte Bekannte zu begrüßen, die an diesem Abend sogar aus Stuttgart und anderen auswärtigen Regionen angereist waren.

La Fraction sollten spielen, und die Sängerin entschuldigte sich gleich zu Beginn des Konzerts dafür, daß sie keinen Ton rausbringe. Deshalb würde es nur ein kurzes Konzert werden. Wie ich hinterher erfuhr, gab es einen profanen Grund für den Stimmausfall: Das Konzert am Vorabend in Zürich war bis in die frühen Morgenstunden nachgefeiert worden ...

Keine Gehässigkeit an dieser Stelle; die Band war klasse. Ich hatte sie in früheren Jahren in Stuttgart im Fasanenhof und in Karlsruhe in der Ex-Steffi gesehen, und jedesmal hatten sie mich begeistert. Auch in Karlsruhe rockten die zwei Frauen und zwei Männer, daß mir vor Freude der Mund offenstehen blieb.

Wobei man fairerweise sagen muß, daß die Band ohne die Sängerin sicher gut wäre, aber eben nicht so durchschlagend. Ein T-Shirt mit der Aufschrift »Kill«, eine schwarze Jeans und schwarze Stiefel, dazu diese hammerharte Stimme, die »richtig singen« kann - das war einfach klasse.

Und sie schaffte es tatsächlich, gut eine Dreiviertelstunde lang durchzuhalten und ein Stück nach dem anderen in das frenetisch jubelnde Volk zu pfeffern. Danach stand ich noch ewig lang herum, laberte mit den zahlreichen Bekannten und trank ein bißchen Bier. Wunderbarer Konzertabend!

Wer übrigens mal reinhören will, was die Band so macht, dem empfehle die Seite des deutschen Labels, wo La Fraction rauskommt, und dort das coole Stück »tu le sais«.

29 Oktober 2009

Badische Geschichten

Ich tu' mich ein wenig schwer damit, eine Anthologie vorzustellen oder zu besprechen, an der ich beteiligt bin und war. Ich meine damit »Phantastischer Oberrhein«, eine Geschichtensammlung, die Jörg Weigand zusammengestellt hat und in der ich mit einer Story vertreten bin. Darüber schrieb ich schon mal, jetzt habe ich das Buch endlich gelesen.

Das Problem ist nämlich: Manche Texte gefallen mir gut, manche weniger, und allen hätte eine gründliche Überarbeitung gut getan. Das geht leider los bei vermeidbaren Rechtschreib- und Grammatikfehlern und endet nicht bei mancherlei nicht geglückten Story-Entwicklungen.

Dabei ist die Idee der Anthologie eine gute: Man nehme Autoren aus der Region und lasse sie Geschichten mit phantastischem Inhalt erzählen – was dabei herauskommt, veröffentlicht man in einem Verlag, in diesem Fall bei Schillinger in Freiburg. Das Hardcover ist dann 186 Seiten stark und sieht echt gut aus.

Mit Manfred Borchard und Helmut Ehls sind Autoren vertreten, die in den späten 70er Jahren das Freiburger Fanzine PHALANX herausgeben, mit Frank Borsch und mir sind Leute drin, die mittlerweile eher auf das PERRY RHODAN-Umfeld bezogen werden, und dazu kommen Karla und Jörg Weigand oder die schon in den 80er Jahren aktiven Fans Rainer Schorm und Markus Kastenholz.

Das ist echt eine gelungene Mischung, bei der ich nur schade finde, daß sie nicht hundertprozentig zündet. Eine Kaufempfehlung spreche ich natürlich dennoch aus, weil ich Anthologien mit deutschsprachigen Autoren generell unterstützenswert finde und das Buch unterm Strich ja einen guten Eindruck hinterläßt.

28 Oktober 2009

Fotografien gesammelt und präsentiert

Ich kenne die Kollegin vom Radio her: Immer wenn ich meine Punkrock-Sendung im freien Radio Querfunk in Karlsruhe mache, kommt hinterher der »Jazz zur Nacht«. Verantwortlich dafür ist Katharina Lohmann, die mit einer ziemlich frechen Schnauze die Musik so präsentiert, daß ich schon oftmals aus purem Interesse wegen der Moderation stehenblieb und einen Teil ihrer Sendung anhörte.

Seitdem weiß ich, daß Jazz nicht nur was für alternde Männer mit Halbglatze, Tweed-Jacke und schlechtem Bart ist.

Daß die Kollegin auch fotografiert, hat sie mir zwar irgendwann mal gesagt. Aber wie das in solchen Fällen so ist: Ich habe die Information vergessen. Das kleine Hirn kann nicht alles fassen.

Dafür gibt es ja jetzt Internet: Ich habe den Link zu ihrer Homepage erhalten, und die will ich hier empfehlen. Die Leser dieses Blogs sind sicher nicht unbedingt die Zielgruppe – aber die Frau kann saugut fotografieren, und das zeigt ihre Homepage sehr schön.

Natürlich gibt es klassische Fotos von Jazz-Musikern zu sehen, das bietet sich ja an; alles in schönem Schwarzweiß. Dazu kommen aber Gesichter, Körper und Körperteile (inklusive Schwänzen, also nix für moralisch verschüchterte Menschen), diverse Szenen (quasi ausm Leben gegriffen) und rein künstlerische Aufnahmen. Es macht Spaß, sich durch die Seite zu klicken – eine respektable Zusammenstellung!

27 Oktober 2009

Biestig als Punkrock-Hoffnung


Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten zwei Jahren die Band Biestig aus Karlsruhe gesehen habe. Meist spielten die zwei Mädchen (angesichts des Alters ist der Begriff noch völlig angemessen) als Vorgruppe vor Bands wie Bambix – und errangen dabei längst mehr als nur Achtungserfolge.

Jetzt gibt's mit »Nebenan« den ersten offiziellen Tonträger (das Demo, das 2008 rauskam, habe ich irgendwie zu kaufen vergessen), für den Rookie Records verantwortlich ist. Die LP habe ich noch nicht in den Händen gehalten, werde ich mir aber noch kaufen; die CD sieht aber schon mal gut aus. Und sie steckt seit Wochen im CD-Fach meines Büro-Computers und läuft hier ziemlich oft. Weil sie einfach gut ist.

Musikalisch ist es schon Punkrock, wenngleich auf Schlagzeug und Gitarre sowie Gesang »beschränkt«; ich vermisse bei den Stücken aber keinen Bass oder irgendwie aufgemotztes Zeug. Die Melodien stimmen, es ist stets ein Stück »Rotzigkeit« enthalten, auch in den Stücken, in denen es poppig zugeht, die eher »plänkeln« und nicht unbedingt heftig losrocken. Manchmal drängt sich bei mir glatt ein Vergleich zu Hans-A-Plast auf; wobei Biestig-Sängerin Jule die bessere Stimme hat.

Inhaltlich spielen Teenagerthemen und Liebesleid eine große Rolle; bei »I Hate You« wird sogar gebrüllt. Texte wie »Null Bock« oder »Warum sich erst verstehen« greifen aktuelle persönliche Themen auf, während auf politische Inhalte oder irgendwelche Parolen verzichtet wird.

Insgesamt eine überdurchschnittliche Platte, die ich mit Lob überschütten kann, ohne eine Sekunde lang irritiert zu sein. Rundum sympathisch und gelungen.

26 Oktober 2009

Trommeln in der Scheune

Unter der Band Palitos konnte ich mir nicht viel vorstellen; ich kannte nur einen der vier Bandmitglieder, und so entschlossen wir uns, auf »Rhythmen aus Brasilien, Lateinamerika und Westafrika« einzulassen. Das ganze fand in Ettlingen statt, in einer örtlichkeit, die sich »Kultur in der Scheune« nannte und zum Diakonischen Werk gehörte.

Ich fand das Publikum ein wenig langweilig: ein paar Dutzend Leute, die an Tischen saßen und die sehr brav aussahen. Dafür war die Band umso besser: eine Frau und drei Männer in weißen Anzügen, die hinter einer Unzahl von Trommeln und anderen Schlaginstrumenten standen.

Und dann taten sie das, was im Programm angekündigt war: Sie trommelten Rhythmen aus Afrika und Lateinamerika, was jetzt vielleicht nicht besonders ausgefallen klingt, live aber echt Spaß machte. Abwechslungsreich war's, schnell zeitweise, und originelle Instrumente gab's zuhauf zu bewundern.

Dazu kam die Moderation – oder wie immer ich das nennen soll – der coolen Frau in der Band, die in teilweise breitem Schwäbisch die einzelnen Stücke erklärte. Ich hatte vorher nicht gewußt, wie abwechslungsreich das Trommeln sein kann.

Alles in allem ein Kultur-Abend, und zwar einer, der richtig Spaß machte. Das muß ich nicht oft haben, aber ab und zu empfinde ich das als echte Bereicherung.

25 Oktober 2009

Bierbeben und Schnapsgespritze

Eigentlich wollte ich am Freitag, 23. Oktober 2009, mal wieder nach Mannheim fahren; dort stand ein Punk-Konzert mit mehreren Bands auf dem Programm, und es hätte mich inhaltlich gereizt. Aber irgendwie übermannte mich an diesem Abend nach einer anstrengenden Arbeitswoche die Faulheit, und bis ich mich endlich aufraffte, war es für Mannheim zu spät.

Ich radelte in die Oststadt, mal wieder in die »Alte Hackerei«. Dort stand Elektropunk mit Bands wie Bierbeben auf dem Programm. Das zeigte sich prompt auch daran, daß das Publikum weitaus jünger wirkte als sonst: Viele Leute um die zwanzig waren da – fand ich gut.

Von den Bands bekam ich nicht so viel mit: Ich strandete mit Bier im Vorraum, wo ich an der kleinen Theke stand, weiter Bier trank und viel redete. Elektro-Gewummer und schräges Gesinge hörte ich, zuordnen konnte ich nicht viel.

Später bollerte abwechslungsreiche Musik aus den Boxen: Wave der 80er Jahre, Deutschpunk, Hardcore, ein bisschen Metal und viel Punkrock. Es wurde tatsächlich getanzt, ich trank weiter Bier, und irgendwann wurde Schnaps spendiert.

Gegen drei Uhr nachts fuhr ich nach Hause. In solchen Nächten entwickelt mein Fahrrad, so glaube ich langsam, ein eigenes Bewußtsein mit Beschützer-Instinkt ...

24 Oktober 2009

Vergangenheitsblick auf Squandered Message

Ab Mitte der 80er Jahre setzte sich in Berlin immer mehr der Hardcore-Punk durch, zumindest musikalisch. Zu einer der beliebtesten Bands gehörten damals Squandered Message, die ich Ende der 80er Jahre auch einmal in Waiblingen live zu Gesicht bekam. Es war ein rasant gespieltes Konzert, bei dem schlacksige Jungmänner in zu kurzen Hosen, Turnschuhen und zerfetzten T-Shirts sowie mit langen struppigen Haare, die von Stirnbändern gebändigt wurden, über die Bühne tobten.

Das merkt man auch an der Platte »Getting Blunt«, die im Jahr 2009 schon ziemlich unmodern klingt, die aber 1987 – als sie erschien – den aktuellen Stand im amerikanisch beeinflussten Hardcore markierte. Für mich war's damals ganz schön metallisch und trashig; die Töne splittern geradezu aus den Lautsprechern, und alles klang schnell und hektisch.

Inhaltlich distanzierte sich die Band aber immer vom Metal und setzte sich in ihren englischen Texten sowohl mit aktueller Politik (»Fourth Reich«) als auch mit der Szene (»Linus von Skateboard«) auseinander. Wie international die Hardcore-Szene schon zu jener Zeit aufgestellt war, zeigt sich übrigens daran, dass die Platte in Holland aufgenommen wurde.

»Getting Blunt« ist keine von den Platten, die man haben muss. Aber sie ist ein Zeitdokument, anders kann ich's nicht nennen, das ein Schlaglicht aufs Jahr 1987 wirft.

23 Oktober 2009

Comic-Vortrag zum Anschauen


Unter dem Titel »Faszination PERRY RHODAN: die Comics zur erfolgreichsten Science-Fiction-Serie der Welt« gab es auf der Frankfurter Buchmesse einen Vortrag, der am Freitag nachmittag im Comic-Zentrum stattfand. Selbstverständlich war das schon wieder eine Gelegenheit für mich, meinen schon elf Jahre alten Anzug und eine Krawatte spazierenzutragen.

Kai Hirdt von der Alligator-Farm (übrigens eine Gründung von Karl Nagel), verantwortlich für die neuen PERRY-Comics, und ich sprachen über die bisherigen Versuche, die größte SF-Serie der Welt in die Welt des Comics zu überführen. Ich gab mir redlich Mühe, gelegentlich ein wenig witzig zu sein, habe aber nicht die geringste Ahnung, ob das klappte: Der Lärmpegel, der von hinten auf mich eindrang, war so hoch, daß ich meine eigene Stimme zeitweise kaum hörte.

Insgesamt waren wohl manche Comic- und Perry Leser recht unglücklich, daß der Vortrag am Freitag war – also an einem der Fachbesuchertage, wo normales Publikum nicht so leicht in die Messe kommt. Aus diesem Grund kann nun bei splashpages.de der komplette Vortrag angeschaut werden. Insgesamt ist das eine halbe Stunde - auch mal nett.

22 Oktober 2009

Rollenspiel-Heft auf hohem Niveau

In edler Bescheidenheit schreibt der Herausgeber in seinem Vorwort: »Wir sind kein professioneller Verlag.« Gemeint ist der Verlag, der die famose Zeitschrift Mephisto herausgibt. Von der trudelte dieser Tage die Nummer 46 ein; offiziell müßte sie in den nächsten Tagen erscheinen.

Dabei ist jegliche falsche Bescheidenheit hier fehl am Platz: Das Magazin hat sich im Verlauf der letzten Jahre richtig gut entwickelt und gehört längst zu den erfreulichsten Erscheinungen im Bereich der Science Fiction und Fantasy. Okay, Rollenspiele stehen hier hoch im Kurs, aber es gibt dennoch ausreichend Buchbesprechungen und Autoren-Interviews (diesmal mit Heide Solveig Göttner und Alexander Lohmann), so daß auch Leute wie ich auf ihre Kosten kommen.

Das ganze wird mit einem professionellen Layout garniert, in dem es keine Peinlichkeiten zu bewundern gibt, sondern immer wieder schöne Grafiken den Text auflockern; größtenteils exklusiv fürs Magazin gemacht. Natürlich gehen Spielberichte und Rollenspiel-Szenarien vor, aber wenn die so ansprechend gemacht sind wie hier, liest man die selbst als Nicht-Spieler gern.

Und nach einem entsprechenden Artikel weiß ich jetzt besser über die legendäre Schlacht von Agincourt im Jahr 1415 Bescheid. Soll keiner sagen, daß Lesen und Spielen nicht bilden.

Alles in allem empfinde ich die 84 Seiten im A4-Format als ziemlich klasse. Das Ding kostet 5,95 Euro, man sollte es in jedem guten Spieleladen erhalten. Ansonsten eben direkt über den Verlag. Wer sich für phantastische Genres und die begleitenden Spiele interessiert, kann da getrost mal einen Blick reinwerfen.

Breschdleng – soll wohl witzig sein

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis irgend jemand auf die naheliegende Idee kommen würde. Wir nehmen Hardcore und mixen das mit – jajajajaja, das ist soooooo luschdig! – schwäbischen Texten. Mit Spätzledreck gibt's ja auch schon eine Band, die schwäbischen Dialekt mit Deutschpunk mischt, das ganze aber ironisch meint.

Bei Breschdleng, was auf gut deutsch so viel wie »Erdbeere« heißt, scheint das ganze ernst gemeint zu sein. Zumindest behauptet man im Info, ernsthafte Texte zu haben. Musikalisch ist das ganze ein stumpfer Mix aus 90er-Jahre-Crossover-Grütze, Numetal und metallischem Hardcore.

Wer schon immer mal superlustigen Hardcore hören wollte, ist hier richtig. Ich fürchte, man wird mich für einen humorlosen alten Deppen halten. Aber da muß ich durch: Bei so einem Scheiß muß ich kotzen.

21 Oktober 2009

Süßer Marzipan in den Buchläden

»Welche Literatur in den Ladenregalen steht und beworben wird, das liegt immer seltener in der Hand der Verlage.« Mit diesem Satz beginnt ein durchaus lesenswerter Artikel der »Süddeutschen Zeitung«, dessen Lektüre ich nur empfehlen kann.

Er zeigt in eindrucksvoller Art und Weise, wie sehr eine Buchhandlungskette wie die »Thalia« immer stärkeren Einfluß auf den Buchhandel gewinnt. In Karlsruhe kann ich mich davon selbst überzeugen: Der »Buch-Kaiser«, ehemals meine Lieblingsbuchhandlung, ist so gut wie weg.

Ich kann also jetzt in die normalen Buchhandlungen gehen, wo ich auf teilweise sehr versnobt wirkende Händler stoße, die sich wundern, wenn unsereins Trivialliteratur kauft, oder ich gehe gleich zur »Thalia«. Zumindest die Auswahl an Bestsellern ist da riesig ...

Daß die Branche an ihrem Niedergang zumindest teilweis selbst schuld ist, belegt unabsichtlich der vorliegende Artikel. Wer allen Ernstes davon ausgeht, man müsste als ein »in der Literaturbranche tätiger« Namen wie Hans Henny Jahnn und Warlam Schalamow kennen (ich habe die noch nie gehört, ähm), steht zumindest auf einem sehr großen Podest.

Mein liebster Vergleich in dem Artikel ist allerdings der, wenn Paulo Coelho mit »süßestem Marzipan« verglichen wird. Schöner hätte ich es selbst nie sagen können. Manchmal sind die intellektuellen Feuilleton-Redakteure doch für einen guten Vergleich zu haben.

20 Oktober 2009

Mein Messe-Highlight


Sicher werde ich dazu noch einen ausführlichen Text schreiben - hier und an dieser Stelle möchte ich mich nur öffentlich über das Foto freuen: Ich in Schlips und Anzug am Stand der »tageszeitung«. So muß das sein!

Am Stand der »taz« bekam die PERRY RHODAN-Serie am Samstag auf der Buchmesse den Preis für den diesjährigen Wahrheit-Unterbring-Wettbewerb verliehen. Unter der reizenden Überschrift »Perry und Pingpong« berichtete das Blatt über den famosen Preis, den ich in Empfang nehmen konnte.

Das Bizarre dabei waren die Medienvertreter. Nicht nur ein Fotograf der »taz« war anwesend, sondern auch ein Kamerateam, das derzeit an einer Dokumentation über die PERRY RHODAN-Serie arbeitet. Alles in allem ein ungewohntes Gefühl und zugleich eine amüsante Auszeichnung, über die ich mich sehr freute.

19 Oktober 2009

Bestes Messe-Fanzine

Jeden Tag gab es auf der Frankfurter Buchmesse ein spezielles Fanzine. Das hieß natürlich nicht so, sondern nannte sich »Frankfurter Allgemeine - Zeitung zur Buchmesse«, wurde von der FAZ-Redaktion herausgegeben und gratis verteilt.

Wann immer ich die Chance hatte, holte ich mir eine von den Ausgaben, nahm sie nach Hause und las sie dort durch; auf der Messe selbst fehlten Zeit und Muße. Und die Lektüre lohnte sich auf jeden Fall.

Was die FAZ-Kollegen machten, war eine typische Fanzine-Mischung: Party- statt Konzertberichte, viele Fotos (nur eben von Autoren und Verlagsmenschen und nicht von Bands), einige längere Texte und Interviews, viel Tratsch und Klatsch. Das ganze wurde sehr humorvoll und mit einem fetten Augenzwinkern präsentiert - so eine Mischung aus Plastic Bomb und Entkettet also und das für eine andere Szene.

Ich genoß die Lektüre sehr, stecke die Exemplare allerdings trotzdem nicht in die Fanzine-Sammlung, sondern in den Papierkorb. Man verzeihe mir, aber es ist dann eben doch »nur« eine Zeitung. Die FAZ hat sich für mich damit aber endgültig aus der Klischee-Falle konservative Männer befreit ...

17 Oktober 2009

Drängel-Experten

Im Verlauf einer solchen Buchmesse entwickle ich Instinkte, die sind geradezu atavistisch. Ich werde vor allem immer besser damit, mich buchstäblich durch die Menge zu drängeln.

Rechts mal einen schlendernden Studienrat mit dem Ellbogen touchiert, links mal durch eine Gruppe kichernder Manga-Mädels gedrückt; das ist schweißtreibend und anstrengend, und ich überlege mir, das als Olympische Disziplin voranzutreiben. Auch nicht besser als Bungee-Springen oder dergleichen; der Adrenalin-Kick ist ja da.

Wobei mich manche Leute toppen, und zwar locker: Wer es schafft, einen Kinderwagen durch dieses Getümmel zu schieben (die armen Kinder), oder wer allen Ernstes einen Rollkoffer hinter sich herzieht, hat ein Herz für schweißtreibende Aktionen. Sportlich und nervig zugleich.

Ein Bierlein zu viel

Gibt man mir einmal die Chance, auf der Buchmesse nicht mit dem Firmenwagen, sondern per Taxi unterwegs zu sein, nutze ich das gleich aus. So auch gestern: Galaktisches Forum war, sprich, die von uns veranstaltete Party für Autoren, Übersetzer, Zeichner und Verlagsleute aus den Bereichen Science Fiction, Fantasy und ein bisschen Horror, dazu Freunde und Bekannte aus anderen Verlagsbereichen oder aus »verwandten« Firmen wie Hörspiel, Hörbuch, Akademie oder Börsenverein.

Ich startete mit einem Gimlet, was vielleicht ein Fehler war, und sattelte dann recht schnell auf Bier um. Bis ich meine Rede halten konnte, hatte ich schon einige Biere intus; danach bremste ich mich erst einmal.

Ausfällig wurde ich nicht, es gab keinen Grund dazu. Ich unterhielt mich bombig mit einer Runde von populären Schriftsteller-Kollegen (Markus Heitz, Christoph Hardebusch und Bernhard Hennen; allesamt schon auf die SPIEGEL-Bestsellerlisten abonniert), ich freute mich über die Kollegen aus anderen Verlagen, und ich hatte viel Vergnügen dabei, die vielen Gäste zu begrüßen und später auch zu verabschieden.

Spät war's wieder. Nach einem kleinen Absacker im Hotel war's dann halb drei Uhr in der Früh'. Na ja, früher hätten wir bis fünf Uhr weitermacht, aber das mit dem Partyfeiern auf der Buchmesse läßt wohl so langsam nach ...

16 Oktober 2009

Dritter Messetag 2009

Seit heute morgen bin ich praktisch ohne Beschwerden; Xusal blockiert erfolgreich meine Allergie. Na super, und ich dachte, ich stecke mal ausnahmsweise als Seuchenherd auf zwei Beinen die halbe Buchmesse an ...

Nachdem ich gestern abend auf der Autobahn schlechten Deutschpunk ausm Jahr 2009 hören mußte (weil ich dummerweise die falsche CD eingelegt hatte), so daß ich fast auf der Autobahn einschlief, ging ich heute morgen auf Nummer sicher: Die Terrorgruppe geht immer.

Ungelogen: Zu »Hey du kleiner Kalikumpel, wie geht's denn deiner Kalifrau?« rollte ich heute morgen aufs Messegelände. Da fühlt man sich gleich besser, und da stört es mich keinen Millimeter, wenn der Himmel grau und das Wetter beschissen ist.

15 Oktober 2009

Gerotze zum Zweiten

Heute mittag in der Messehalle: Ich verrotzte einen ganzen Termin. Niesanfälle, eine Packung Tempo-Taschentücher aufgebraucht. Was für ein Frust, und das alles ist so unnötig.

Bis ich die Erleuchtung erlange: Das könnte ja alles nur ein fieser Allergieschub sein. Ich fühle mich schließlich fit, und rote Augen sowie Nies-Attacken könnten schlicht auch von der schlechten Luft kommen - unter anderem bin ich gegen Hausstaub und Schimmel allergisch.

Tatsächlich habe ich ein Xusal dabei und schlucke es. Besserung bisher: Fehlanzeige. Aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf ...

Wider die Piraterie

Ein wenig hilflos muten die Versuche an, auf der Buchmesse gegen die Internet-Piraterie zu argumentieren. Auf dem Freigelände stehen Displays im Design der 70er Jahre, über die in großer Flimmerschrift Aussagen von Schriftstellern wie Amelie Fried laufen.

Die Aussagen haben alle einen Tenor: Wer unsere Bücher digital klaut, trägt dazu bei, daß wir pleite gehen. Diese Aussagen sind berechtigt, kein Zweifel, und der Kampf gegen die Internet-Piraterie ist nachvollziehbar.

Ich fürchte aber, daß diejenigen, die Bücher »tauschen«, sprich zum Diebstahl anbieten und klauen, entweder nicht zur Buchmesse kommen und deshalb die Kampagne nicht mitkriegen oder sie gleich antiquiert, altbacken und lächerlich finden. Aber das ganze ist wahrscheinlich eh eine Kunst-Kampagne und von daher anders zu beurteilen.

Die Leute auf der Buchmesse wollen offensichtlich noch Bücher in die Hand nehmen. Man redet über e-Books, es gibt haufenweise Vorträge und Konferenzen dazu, und bei uns ist es auch ein Thema - aber was die Leute vor Ort angucken und anfassen, sind nach wie vor »echte« Bücher.

14 Oktober 2009

Pendeln nach Karlsruhe

Nach einem Tag auf der Frankfurter Buchmesse brummt der Kopf buchstäblich vor lauter Stimmen; man sehnt sich nach frischer Luft. Ich gehe mit dem Auto auf die Autobahn, quäle mich durch den Verkehr rings um Frankfurt und komme erfolgreich auf die A5.

Welcher Horst auf die Idee kam, die A5 ausgerechnet zum Messestart zu einer Baustelle von gut zwanzig Kilometern auszubauen, würde mich mal interessieren. Aber wahrscheinlich ging's nicht anders, weil in Frankfurt ja dauernd Messe ist. Und wer sich durch den stockenden Verkehr quält, hat immerhin einen andauernd schönen Blick auf die dolle Skyline.

Immerhin läßt sich die Rückfahrt gut überstehen, wenn man laute Musik hört. Nur ernüchtert das manchmal: Youth Tribe fand ich 1996 live in Neuss saugut - im Oktober 2009 schlafe ich bei ihrer CD fast ein. Und wer zum Teufel hat mir die Sublime-CD gebrannt und geschenkt und meinte, das müsse mir doch gefallen? Grausige Kiffer-Kacke.

Dann doch lieber die Spermbirds: Alte Männer sind immer wieder überzeugend.

Nebelfahrt

Mittwoch morgen in Nordbaden: Um dem üblichen Baustellen-Stau auf der Autobahn zwischen Karlsruhe und Bruchsal zu entgehen, nehme ich die Landstraße, zuerst B 36, dann B 35, klapot eigentlich immer.

Es klappte auch ganz gut; zwar war viel Verkehr unterwegs, weil ich selbstverständlich nicht der einzige mit dieser famosen Idee war, aber ich kam gut voran. Zwischen Graben-Neudorf und Bruchsal dann der Effekt: Nebel hüllte die Landschaft ein, es herrschten drei Grad plus, und die Sonne stach durch die Wolken.

Ich fuhr auf einer Art Straßendamm, rechts und links von mir ein unendlich erscheinendes Nebelmeer, am Hintergrund jeweils der Wald, der alles einsäumte; darüber der Himmel und eine Sonnee, die gelb flimmerte. Im Auto bolzte Lee Hollis mit Steakknife gerade »Parallel Universe of the Dead« aus den Boxen, und irgendwie schien alles zu passen.

Perfekter Start in die Buchmesse!

13 Oktober 2009

Echt harte Rock-Musik

In der »Heiligen Sophie«, einem Lokal in der westlichen Innenstadt von Karlsruhe, läßt es sich im Keller bei Kerzenschein und dezenter Musik sehr schön sitzen. Das Essen ist neuerdings klasse, die Weinkarte war schon immer gut, und die Atmosphäre hält die Balance zwischen gediegen und trotzdem modern.

Das dachte wohl auch das Paar am Nachbartisch. Beide um die dreißig, er mit weißem Hemd und dunkler Krawatte, sie im dunklen Kostümchen. Sie unterhielten sich in einer Lautstärke, die dazu führte, daß ich am Nebentisch genug mitbekam.

Was sie denn für Musik höre, fragte er. Es klang, als hätten sie ihr erstes Rendezvous. Na immerhin: Sie waren bereits beim »Du«.

»Rock-Musik«, gab sie zur Auskunft.

Da war er glatt verwundert. »So was wie Rammstein?«, fragte er.

»Nein, nicht so hartes Zeugs«, gab sie zurück. Es gäbe bei der Rock-Musik ja viel mehr, es gäbe ja sogar »Pop-Rock«, und sie stünde eher auf die ruhigeren Klänge.

Welche Bands sie denn meinte, fragte er investigativ weiter.

Ihr fielen keine ein. Nach beharrlichem Nachfragen kam sie auf Kings Of Leon, und als er Bon Jovi vorschlug, kannte sie die auch.

Das war der Zeitpunkt, wo ich mich geistig aus dem Lauschen des Gesprächs ausklinkte und mich lieber um meinen Tisch, meinen Wein und meine Tapas kümmerte. War wohl auch besser so.

12 Oktober 2009

Im Unterbring-Wettbewerb

Ich weiß nicht, wann ich zum ersten Mal die »taz« gelesen habe - das schrieb ich unlängst schon mal in diesem Blog. Wenn ich sie heute lese, gucke ich mir die Titelseite an, drehe dann die Zeitung um und lese die letzte Seite zuerst.

Das ist die »Wahrheit«, eine satirische Seite, die mit dem täglichen »tom« einen großartigen Tages-Cartoon hat und bei der es zwischen gelungenem Irrsinn und blödsinnigem Wahnsinn alle möglichen Abstufungen gibt. Oft finde ich es albern, oft muß ich aber auch lachen; hängt wohl von meiner Tagesform ebenso ab wie von der Form der Satiriker.

Seit einiger Zeit veranstaltet die »Wahrheit« den sogenannten Unterbring-Wettbewerb. Da geht's letztlich darum, einen Nonsens-Satz in einer Zeitung oder Zeitschrift unterzubringen. In früheren Jahren gewannen durchaus relevante Blätter wie die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« oder das Berliner Stadtmagazin »Zitty«. Dieses Jahr lautete der Satz: »Was für Konfuzius Konfetti, sind für Chinesen die Spaghetti.«

Da ich auch mal so einen Preis kassieren wollte, bequatschte ich den armen Hubert Haensel, den Satz sinnvoll in seinem aktuellen Roman unterzubringen. Und deshalb erschien vor zwei Wochen der Roman »Schatten im Paradies« (PERRY RHODAN-Band 2511) mit genau diesem Satz.

Dafür erhalten wir jetzt den sogenannten Jieper-Preis, sprich, es gibt eine Flasche mit Allohool für die PERRY RHODAN-Redaktion. Die hole ich mir dann am Samstag nachmittag ab - auf der Buchmesse. Das wird sicher mein wichtigster Messetermin, na ja, vielleicht der lustigste.

11 Oktober 2009

Red Dust und Comanche


Wenn's ein Genre gibt, das hoffnungslos veraltet anmutet, dann ist es wohl der Western. Buchstäblich seit Jahrzehnten fristet dieses zeitweise sehr erfolgreiche Unterhaltungssegment ein Schattendasein. Zwar gibt es noch Romane, Filme und Comics, aber sie bewegen nicht mehr die Massen.

Dabei halte ich den Western für eine ziemlich coole Sache. Das ist meist abenteuerlich und spannend, er zeigt grandiose Natur und starke Emotionen - alles Dinge, die man in guter Science Fiction und Fantasy auch findet. Kein Wunder, daß man anno dunnemals aus der »Horse Opera« des Westerns irgendwann mal die »Soap Opera« der Science Fiction ableitete.

Zu meinen absoluten Western-Favoriten bei den Comics gehörte schon in den 70er Jahren die Serie »Comanche«: spannend geschrieben von Greg, faszinierend gezeichnet von Hermann - die Abenteuer des Cowboys Red Dust hatten stets auch eine literarische Qualität, die höchstens von »Blueberry« übertroffen wurde.

Nur schade, daß die Serie hierzulande nie ordentlich erschienen ist. Bei Ehapa gab's sogar echte Zensur, weil man den jugendlichen Lesern - so dachte man wohl - eben nicht einen Helden zumuten wollte, der in Selbstjustiz einen Unbewaffneten tötet, oder eben auch nicht zeigen wollte, wie ein gehenkter Mann aussieht.

Umso besser, daß mein Lieblings-Comicverlag, nämlich Splitter, jetzt auch wieder »Comanche« rausbringt. Natürlich in der Qualität, für die Splitter durch Science Fiction und Fantasy bekannt geworden ist: saugute Druckqualität, hervorragend gestaltete Hardcover, redaktionelle Ergänzungen und sogar beigelegte Kunstdrucke.

Raus ist jetzt »Red Dust« (Leseprobe gibt's im Netz), folgen werden neun weitere Alben. Ich freue mich schon jetzt; ein Platz im Regal ist freigeräumt!

10 Oktober 2009

Schon wieder Peter


Die aktuelle PETER PANK-Folge erschien in der OX-Ausgabe 86; diesmal nur ein kurzer Hinweis, weil ich das neue Heft bislang nur geblättert habe. Zum x-ten Mal geht es um die Abenteuer des Punkrockers Peter Meißner, den alle nur Peter Pank nennen und der im Januar 1987 versucht, sein Leben auf die Reihe zu bekommen.

Das Festival in Ludwigshafen ist in dieser Folge vorüber, es geht jetzt um die Heimreise. Die ist selbstverständlich mit Hindernissen verbunden; unter anderem muß ja erst einmal der richtige Zug gefunden werden. Und wer dann in aller Herrgottsfrühe in einem schwäbischen Dorf auf den Bus wartet, kann dort durchaus Probleme bekommen.

Ich bin selbst gespannt, wie es mit Peter weitergeht: Die aktuelle Punkrock- und Konzert-Phase ist vorüber, jetzt geht es erst mal wiederum Polit-Kram, Dorf-Nazis und andere Themen. Mein Konzept ist ja nicht so detailliert ausgearbeitet, als daß ich genau wüßte, wann was in diesem Roman passiert.

Nur das Ende steht schon fest, zumindest in der bisherigen Planung. Bis wir das erreichen, dauert es aber sicher noch Jahre.

09 Oktober 2009

Herta wer?

Ich gehöre nicht zu den Lesern, die nach den Büchern von Literaturnobelpreisträgern schauen und diese bevorzugt kaufen. Meine Erfahrung ist ja doch eher davon geprägt, daß ich vieles von dem preisgekrönten Zeugs einfach langweilig fand. Wenn also jetzt eine deutschsprachige Autorin den Nobelpreis für Literatur kassiert, bewegt mich das nicht gerade zu grenzenlosem Jubel.

Immerhin war mir Herta Müller ein Begriff, eher sogar unter positiven Vorzeichen. Ich kannte ihren Namen aus jahre- und jahrzehntelanger Lektüre von Fachzeitschriften im Politik- und Literatur-Umfeld. Von ihr selbst hatte ich bislang nie etwas gelesen.

Glaubte ich.

Das stimmt aber nicht. In der »taz« von heute (und auch in der Online-Ausgabe) war ein Text veröffentlicht, der 1987 schon einmal in der sogenannten Literaten-»taz« publiziert worden war. Und an diese Zeitungsausgabe erinnerte ich mich gut, wenngleich ich selbstverständlich alle Inhalte vergessen hatte.

Der Herta-Müller-Text ist für meine Begriffe rein stilistisch keine große Literatur. Die unterkühlte Sprache in Verbindung mit den unglaublichen Schilderungen hat mich allerdings fast umgeblasen. Lesenswert, absolut lesenswert - wenngleich keine »leichte« Unterhaltung.

Vielleicht sollte ich mich nach meinem gescheiterten Versuch, mich an das Werk Elfriede Jelineks heranzutasten. doch noch einmal mit einer deutschsprachigen Literaturnobelpreisträgerin versuchen.