19 Mai 2012
Hornsignale zum Fest
Irgendwann in den sehr späten 70er-Jahren trat ich in den Ersten Deutschen Fantasy-Club e.V. ein; das ist so lange her, dass sich nur noch »Alt-Fans« an die damaligen Strukturen erinnern. Es war damals der erste, älteste und größte Verein für die Handvoll Fantasy-Fans, die es damals im deutschsprachigen Raum gab.
Das ist lange her, und ich bin immer noch dabei. Allerdings bin ich in FOLLOW so gut wie gar nicht mehr aktiv: FOLLOW ist die Simulation einer Fantasy-Welt, um es grob zu sagen, gewissermaßen das, was damals der spaßige Teil des Fantasy-Clubs war und auch heute noch bei seiner Nachfolge-Organisation ist. Einer der Untergliederungen von FOLLOW ist der Einhorn-Clan, der das mittelalterliche Reich Clanthon simuliert.
Wer das jetzt nicht kapiert hat, möge sich nicht grämen. Für Außenstehende ist das ein wenig kompliziert. Wer sich darauf einlässt, kann auf jeden Fall viel Spaß haben.
Ich habe zuletzt die »Hornsignale«-Ausgabe 301 gelesen, eine aktuelle Ausgabe des Clan-Fanzines. Darin geht es ausschließlich um das letztjährige Fest der Fantasie mit all seinen Details: schöne Farbfotos, ein launiger Text, viele Insider-Gags - ein sehr unterhaltsamer und gelungener Bericht für Leute, die dabei waren, oder Leute wie mich, die wieder einmal fehlten.
Solche Fanzines liebe ich immer noch: streng subjektiv, mit einem augenzwinkernden Humor, voller Details und sehr liebevoll gemacht. Da bekomme ich glatt Lust, mal wieder auf einen Fantasy-Con zu gehen. Kirsten Scholz hat das Heft zusammengestellt, und wer sich dafür interessiert, kann es über Hermann Ritter bestellen. (hermann.ritter-at-homomagi.de)
Das ist lange her, und ich bin immer noch dabei. Allerdings bin ich in FOLLOW so gut wie gar nicht mehr aktiv: FOLLOW ist die Simulation einer Fantasy-Welt, um es grob zu sagen, gewissermaßen das, was damals der spaßige Teil des Fantasy-Clubs war und auch heute noch bei seiner Nachfolge-Organisation ist. Einer der Untergliederungen von FOLLOW ist der Einhorn-Clan, der das mittelalterliche Reich Clanthon simuliert.
Wer das jetzt nicht kapiert hat, möge sich nicht grämen. Für Außenstehende ist das ein wenig kompliziert. Wer sich darauf einlässt, kann auf jeden Fall viel Spaß haben.
Ich habe zuletzt die »Hornsignale«-Ausgabe 301 gelesen, eine aktuelle Ausgabe des Clan-Fanzines. Darin geht es ausschließlich um das letztjährige Fest der Fantasie mit all seinen Details: schöne Farbfotos, ein launiger Text, viele Insider-Gags - ein sehr unterhaltsamer und gelungener Bericht für Leute, die dabei waren, oder Leute wie mich, die wieder einmal fehlten.
Solche Fanzines liebe ich immer noch: streng subjektiv, mit einem augenzwinkernden Humor, voller Details und sehr liebevoll gemacht. Da bekomme ich glatt Lust, mal wieder auf einen Fantasy-Con zu gehen. Kirsten Scholz hat das Heft zusammengestellt, und wer sich dafür interessiert, kann es über Hermann Ritter bestellen. (hermann.ritter-at-homomagi.de)
Labels: Fantasy, Fanzine, Rezension
18 Mai 2012
Ich war in der SBZ
Zu den amüsanten Ideen der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschland (APPD) gehörte anno dunnemals die Einteilung von Deutschland in drei Zonen: Eine davon war die SBZ, die »Spießer-Besetzte Zone«, wo sich eben alle Spießer ansiedeln sollten. Die würden dann nicht von den »Asozialen Parasiten« gestört, die in ihrer Zone nach Herzenslust Krachmusik hören und Dosenbier trinken könnten.
Es gab genug Leute, die das blutig ernst genommen haben. Und als ich gestern mit dem Fahrrad unterwegs war, kam ich in ein Viertel, das genauso aussah, wie ich es mir vor 15 Jahren mit der APPD zusammengesponnen hatte.
Es war ein Neubaugebiet: weiße Häuser, meist in Reihen angeordnet, mal hübsche Wohnblocks mit Flachdach, manchmal ebenso hübsche Häuslein mit Giebeldächern. Bewohnt waren sie von jungen Paaren mit Kindern, die ihre Autos ordnungsgemäß vor dem Haus geparkt hatten, ihre Gärtlein sauber pflegten und auch sonst so aussahen, wie in den 70er-Jahren die Leute in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen war.
Ich kam mir vor wie in einer Zeitmaschine, zurück in meine Jugend. Okay, einige sahen subkulturell aus, die Autos trugen »Böhse Onkelz«-Aufkleber oder auch Aufkleber von »coolen« Urlaubsgebieten wie Sylt oder Korsika. Aber ansonsten kam ich mir vor wie in einem Mitteklasse-Alptraum: brave Bürger überall, alles sauber und geordnet, der Zukunft zugewandt.
Als ich wieder aus dem Wohngebiet herauswar, steuerte ich den Ortskern an. Da gab es wenigstens einige ältere Häuser, einige nicht so schicke Menschen auf den Straßen und auch ein wenig Geschmuddel. War das lebendig! Und ich sehnte mich zurück nach »meinem« Wohnblock.
Es gab genug Leute, die das blutig ernst genommen haben. Und als ich gestern mit dem Fahrrad unterwegs war, kam ich in ein Viertel, das genauso aussah, wie ich es mir vor 15 Jahren mit der APPD zusammengesponnen hatte.
Es war ein Neubaugebiet: weiße Häuser, meist in Reihen angeordnet, mal hübsche Wohnblocks mit Flachdach, manchmal ebenso hübsche Häuslein mit Giebeldächern. Bewohnt waren sie von jungen Paaren mit Kindern, die ihre Autos ordnungsgemäß vor dem Haus geparkt hatten, ihre Gärtlein sauber pflegten und auch sonst so aussahen, wie in den 70er-Jahren die Leute in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen war.
Ich kam mir vor wie in einer Zeitmaschine, zurück in meine Jugend. Okay, einige sahen subkulturell aus, die Autos trugen »Böhse Onkelz«-Aufkleber oder auch Aufkleber von »coolen« Urlaubsgebieten wie Sylt oder Korsika. Aber ansonsten kam ich mir vor wie in einem Mitteklasse-Alptraum: brave Bürger überall, alles sauber und geordnet, der Zukunft zugewandt.
Als ich wieder aus dem Wohngebiet herauswar, steuerte ich den Ortskern an. Da gab es wenigstens einige ältere Häuser, einige nicht so schicke Menschen auf den Straßen und auch ein wenig Geschmuddel. War das lebendig! Und ich sehnte mich zurück nach »meinem« Wohnblock.
17 Mai 2012
Science Fiction vom Krimi-Spezialisten
Wenn ein Autor gut geschriebener Kriminalromane, dessen Werk ich sehr mag, ein Science-Fiction-Buch veröffentlicht, ist das für mich Pflichtlektüre. Es dauerte trotzdem einige Zeit, bis ich dazu kam, »Chez Max« zu lesen. Der Roman erschien bereits 2006 im Diogenes-Verlag, verfasst wurde er von Jakob Arjouni, dessen in Frankfurt spielenden Krimis viel an spannender und lebensnaher Milieubeschreibung vermitteln.
Das Milieu in »Chez Max« ist stimmig genug: Der Roman spielt im Jahr 2064, das Europa dieser Zukunft sowie die anderen Länder der wohlhabenden Welt haben sich durch Zäune und andere Anlagen von den armen Ländern getrennt. Weltmächte sind Europa und China – und die Helden des Romans sind zwei Geheimpolizisten namens Max Schwarzwald und Chen Wu.
Als Mitglieder der Geheimpolizei sollen der Deutsche und der Chinese gemeinsam gegen Verbrecher vorgehen, aber auch gegen Menschen, die am herrschenden Regime zweifeln. Beide haben sich in ihren Tarnexistenzen eingerichtet, Max hat mit »Chez Max« sogar ein Restaurant eröffnet. Und beide können sich auf den Tod nicht ausstehen, was Max dazu bringt, gegen seinen Kollegen ein Komplott zu schmieden.
Jakob Arjouni schildert seine Hauptfigur als miesen Charakter, als einen Antihelden, der nichts anderes vorhat, als sich durchzuschummeln und andere Leute anzuschwärzen. Er hat sich im System eingerichtet, hinterfragt auch nicht dessen absurden Entwicklungen und betreibt unmoralische Spielchen.
Seien wir ehrlich: Der Roman ist ganz unterhaltsam, aber nicht besonders gut. Seitenweise versucht der Autor, seine Zukunftswelt zu erklären. Er liefert Hintergründe, die als Überlegungen der Hauptfigur eher schlecht kaschiert werden, und er schafft es nicht, aus den Intrigen einen packenden Krimi zu entwickeln. Ich fand seine Darstellung der Zukunftswelt in mancherlei Hinsicht immerhin glaubhaft, wenngleich die technische Entwicklung sehr zurückhaltend geschildert wird.
Immerhin sind die Dialoge gut, und natürlich sind die knappen Beschreibungen des Autors eine echte Freude; das alles kann der Autor. Trotzdem bleibt unterm Strich das Fazit, dass er mit dem Science-Fiction-Stoff seine Probleme hatte: Die Krimi-Handlung wirkt wie an den Rand geschoben und die Science Fiction wirkt manchmal wie eine Aneinanderreihung von möglichst originellen Fakten.
Kein mieser Roman, natürlich nicht, aber weder für Krimi- noch für Science-Fiction-Fans ein Leckerbissen. Dass ich in beiden Genres schon weitaus schlechteres gelesen habe, dürfte jetzt aber nicht überraschen ...
16 Mai 2012
Punk für den Bahnhof
Der Satz »Ich kotz' in deinen V-Ausschnitt« ist schon mal ziemlich klasse, und auch so wirkt das Cover der »Punkrock!«-Ausgabe schon ziemlich gut. Das Heft ist noch nicht da, aber ich bin schon mal sehr gespannt, was die Crew aus Mannheimern und Ex-Mannheimern zusammengezimmert hat. Der Grund: Das Heft geht jetzt in die Läden, ab 1. Juni 2012 soll die Nummer 15 in den Vertrieb gehen.
Ja!, noch ein Punkrock-Heft im Bahnhofsbuchhandel, neben »OX« und »Plastic Bomb« und »Trust«; zeitweise gab es ja sogar den »Taugenix« in den Buden zu kaufen. Mit Slime und Toxoplasma und Anti-Flag setzt die Redaktion auf Namen, die allgemein bekannt sind – das ist so weit in Ordnung. Und dass man keine CD beilegen will, finde ich erfrischend.
Wie es sich für heutige Medien gehört, gibt es natürlich einen Internet-Auftritt und eine Facebook-Seite. Richtig nett finde ich das Video, das auf Youtube steht: dynamisch-knalliger Punkrock, dazu Aufnahmen von einem Konzert – das ist Werbung, die mir gefällt.
Jetzt stellt sich bei mir bei all dem Jubel über das bald erscheinende neue Heft nur eine Frage: Wie kriege ich es eigentlich hin, da drin wieder mit einem Beitrag vertreten zu sein?
Zwei Pop-Singles auf einmal
Wieder einmal ging ich musikalisch auf Abwege: Ich hörte zwei aktuelle Singles von Bands an, die im weitesten Sinne Popmusik machen. Dass Singles heutzutage auch auf CD kommen (oder man sie eh gleich downloaden kann), ist eine Tatsache, die man bedauern oder einfach nur akzeptieren kann.
Die Schweizer Band Penta-Tonic habe ich unlängst erst besprochen; mit »Heartbreak Hotel« liegt mir ein zweiter Tonträger vor: drei Versionen des Titelstücks sowie ein zusätzliches Stück.
Musikalisch ist das ganze wieder gelungen; auf Dauer ist mir der nette Pop mit den flotten Melodien dann doch zu glatt und zu wenig kratzig. Wer auf radiotaugliche Popmusik steht, die es aber nie ins Radio schaffen dürfte, ist bei der Band gut beraten.
Eigentlich ist Dietmar Schmeil der Sänger und Gitarrist der Band Bleibende Schaeden – unter seinem Namen Fin Gren nimmt er eigene Stücke auf. Dabei unterstützen ihn teilweise seine Band-Kollegen; warum man das dann nicht zusammenwirft, erschließt sich mir dabei nicht – aber egal.
Ich habe die erste Single vorliegen, und gleich bei »Schattenmann«, dem ersten Stück, gibt der Sänger eine Art Statusbericht: »Ich hab' die Hamburger Schule geschwänzt«, singt er, lästert ein wenig über die Art und Weise, wie heutzutage auch sogenannte Indie-Musiker durch die Medien geheizt werden. Das ist vor allem für Menschen witzig, die sich in der Indie-Szene auskennen.
Beim zweiten Stück der Single geht's in die Richtung Folk-Pop, die Texte sind eher nachdenklich. Insgesamt ausgesprochen gelungener Liedermacher-Pop mit deutschen Texten; ich bin kein Fan dieser Art von Musik, kann sie aber immer wieder gut und gern anhören. Und wer eher ruhige deutschsprachige Lieder mag, ist hier sicher nicht falsch.
Labels: Review
15 Mai 2012
Sex und Sinclair
Es ist immer wieder ein großer Spaß für mich: Die Anfänge der Romane, die von den Kollegen in anderen Verlagen veröffentlicht werden. Das aktuelle Beispiel von heute erfreut meinen pubertären Humor.
»Gina wusste nicht, wann sie kam, aber sie wusste, dass sie kommen würde.« Das ist kein Anfang eines Textes aus der aktuellen »Sexwoche«, sondern das ist der Vorspann von »Teufelsmädchen«, dem »John Sinclair«-Roman 1767. Klingt schon ziemlich spannend.
Beruhigend ist dann aber die Vorankündigung für den nächsten Band: »Es tauchte in einem kleinen Ort in Franken auf. Es war plötzlich da, und Menschen waren die idealen Opfer.« Da einer meiner Arbeitskollegen aus Franken kommt, gibt so ein Zitat natürlich Anlass für weitere pubertäre Späße.
»Gina wusste nicht, wann sie kam, aber sie wusste, dass sie kommen würde.« Das ist kein Anfang eines Textes aus der aktuellen »Sexwoche«, sondern das ist der Vorspann von »Teufelsmädchen«, dem »John Sinclair«-Roman 1767. Klingt schon ziemlich spannend.
Beruhigend ist dann aber die Vorankündigung für den nächsten Band: »Es tauchte in einem kleinen Ort in Franken auf. Es war plötzlich da, und Menschen waren die idealen Opfer.« Da einer meiner Arbeitskollegen aus Franken kommt, gibt so ein Zitat natürlich Anlass für weitere pubertäre Späße.
14 Mai 2012
Stage Crawling im Saarland
Es war ein Plan, der viel Ähnlichkeit mit Punkrock-Ausflügen in den 80er-Jahren hatte: Am Samstag abend, 12. Mai 2012, fuhren wir nach St. Wendel im Saarland – eine ganz schöne Entfernung ... –, um uns dort eine Handvoll Bands anzuschauen. Das Festival wurde in einer Halle mitten in der Kleinstadt veranstaltet; als wir gegen 20 Uhr eintrafen, waren die Straßen voll mit Punks, Hardcore-Kinds und anderem Jung-Volk.
Wir hatten die ersten vier Bands des Festivals bereits verpasst, was in gewisser Weise auch geplant war. Als arrogante olle Säcke wollten wir erst zu den Bands anreisen, von denen wir wussten, dass sie uns gefallen würden.
Es war schon ein seltsames Gefühl, Conmoto auf einer großen Bühne zu sehen; bisher hatte ich die Band nur einmal in der »Alten Hackerei« erlebt. Auf der großen Bühne mit all dem Geflacker der Disco-Beleuchtung gaben die drei jungen Männer und die junge Frau aber alles: Was die machen, ist meilenweit vom üblich punkigen Sound entfernt, wäre in den 80er-Jahren womöglich in eine Postpunk- oder Postcore-Ecke gesteckt worden, ist aber vor allem live echt überzeugend – aber es ist natürlich nicht die Musik, die Hunderte von Kids ausflippen lässt.
Danach spielten Captain Planet, die ich live enttäuschend fand. Die Musik ist okay, die Texte kann man sich ebenfalls anhören; auf der Bühne war der Emopunk zu schlapp für mich. Wir gingen in den Vorraum, wo es veganes Essen gab, wo man Bier kaufen konnte, wo aber vor allem ein Fernseher stand – und dort guckten wir das Pokalfinale zwischen Dortmund und Bayern. Das war ein spannendes Kontrastprogramm.
Die Band des Abends war Pascow: Die Jungs kommen aus dem Saarland, und für sie war es sichtlich ein Heimspiel. Das Publikum war textsicher bis in die letzte Reihe und sang lauthals mit; es gab richtig viel Pogo, und die Stimmung war ständig am Kochen. Großartig!
Wir sahen die Band in diesem Jahr zum zweiten Mal – und sie waren noch viel besser als im Februar in Solingen. Kein Scheiß: Deutschsprachiger Punkrock in diesem Jahrzehnt kriegt wohl keine Band besser hin als die Burschen aus dem Saarland – das knallt und rockt und rotzt, mit schlauen Texten, einem guten Humor und einer sauguten Präsenz auf der Bühne.
Lustiges Verhalten mancher Jungmänner: Sie rannten auf die Bühne, fuchtelten dann herum, deuteten also an, dass sie gleich ins Publikum springen würde. Wie man das halt beim Stage Diving so macht. Dann aber beugten sie sich nach vorne und krochen gewissermaßen auf die hochgehaltenen Hände hinaus. Das war dann eher Stage Crawling, sah zeitweise schauderhauft peinlich aus, störte aber auch niemanden.
Zuletzt kamen die Spermbirds, eine Band, die ich im Verlauf des letzten Vierteljahrhunderts bestimmt vierzig Mal gesehen habe. Das Publikum schien sich bei Pascow verausgabt zu haben; es war deutlich weniger los.
Und der Mixer schien die Band zu hassen: Der Sound war richtig scheiße, es war auf einmal unglaublich viel Hall auf der Stimme und den Instrumenten, und das schien der Stimmung zu schaden. Die Band war trotzdem gut, Lee Hollis und seine Mannen können's immer noch – aber es war keines der Konzerte, von dem ich noch in Jahren schwärmen werde.
Um halb ein Uhr nachts verließen wir St. Wendel; es hatte fünf Grad plus. Als wir gut zwei Stunden später in Karlsruhe ankamen, nach einer eigentlich guten Fahrt über die nächtliche Landstraße und Autobahn, hatte es siebeneinhalb Grad. Immerhin.
Wir hatten die ersten vier Bands des Festivals bereits verpasst, was in gewisser Weise auch geplant war. Als arrogante olle Säcke wollten wir erst zu den Bands anreisen, von denen wir wussten, dass sie uns gefallen würden.
Es war schon ein seltsames Gefühl, Conmoto auf einer großen Bühne zu sehen; bisher hatte ich die Band nur einmal in der »Alten Hackerei« erlebt. Auf der großen Bühne mit all dem Geflacker der Disco-Beleuchtung gaben die drei jungen Männer und die junge Frau aber alles: Was die machen, ist meilenweit vom üblich punkigen Sound entfernt, wäre in den 80er-Jahren womöglich in eine Postpunk- oder Postcore-Ecke gesteckt worden, ist aber vor allem live echt überzeugend – aber es ist natürlich nicht die Musik, die Hunderte von Kids ausflippen lässt.
Danach spielten Captain Planet, die ich live enttäuschend fand. Die Musik ist okay, die Texte kann man sich ebenfalls anhören; auf der Bühne war der Emopunk zu schlapp für mich. Wir gingen in den Vorraum, wo es veganes Essen gab, wo man Bier kaufen konnte, wo aber vor allem ein Fernseher stand – und dort guckten wir das Pokalfinale zwischen Dortmund und Bayern. Das war ein spannendes Kontrastprogramm.
Die Band des Abends war Pascow: Die Jungs kommen aus dem Saarland, und für sie war es sichtlich ein Heimspiel. Das Publikum war textsicher bis in die letzte Reihe und sang lauthals mit; es gab richtig viel Pogo, und die Stimmung war ständig am Kochen. Großartig!
Wir sahen die Band in diesem Jahr zum zweiten Mal – und sie waren noch viel besser als im Februar in Solingen. Kein Scheiß: Deutschsprachiger Punkrock in diesem Jahrzehnt kriegt wohl keine Band besser hin als die Burschen aus dem Saarland – das knallt und rockt und rotzt, mit schlauen Texten, einem guten Humor und einer sauguten Präsenz auf der Bühne.
Lustiges Verhalten mancher Jungmänner: Sie rannten auf die Bühne, fuchtelten dann herum, deuteten also an, dass sie gleich ins Publikum springen würde. Wie man das halt beim Stage Diving so macht. Dann aber beugten sie sich nach vorne und krochen gewissermaßen auf die hochgehaltenen Hände hinaus. Das war dann eher Stage Crawling, sah zeitweise schauderhauft peinlich aus, störte aber auch niemanden.
Zuletzt kamen die Spermbirds, eine Band, die ich im Verlauf des letzten Vierteljahrhunderts bestimmt vierzig Mal gesehen habe. Das Publikum schien sich bei Pascow verausgabt zu haben; es war deutlich weniger los.
Und der Mixer schien die Band zu hassen: Der Sound war richtig scheiße, es war auf einmal unglaublich viel Hall auf der Stimme und den Instrumenten, und das schien der Stimmung zu schaden. Die Band war trotzdem gut, Lee Hollis und seine Mannen können's immer noch – aber es war keines der Konzerte, von dem ich noch in Jahren schwärmen werde.
Um halb ein Uhr nachts verließen wir St. Wendel; es hatte fünf Grad plus. Als wir gut zwei Stunden später in Karlsruhe ankamen, nach einer eigentlich guten Fahrt über die nächtliche Landstraße und Autobahn, hatte es siebeneinhalb Grad. Immerhin.
13 Mai 2012
Fünf Jahre Hackerei
Die Rückfahrt von Mainz war am späten Freitag abend, 11. Mai 2012, kein sonderlich großer Spaß. Ich fuhr mitten durch die Gewitterfront hindurch: Das sah zwar teilweise richtig klasse aus, mit all dem flackernden Licht am Horizont, war aber zugleich mit starkem Regen verbunden, der die Autobahn in ein Schwimmbecken zu verwandeln schien.
Als ich in Karlsruhe ankam, war es kühl und regnerisch. Ich stellte mein Auto auf dem Schlachthofgelände ab und ging zu Fuß die letzten hundert Meter durch den fiesen Nieselregen.
Vor dem Eingang zur »Alten Hackerei« hatten die Veranstalter einen riesigen Pavillon aufgestellt, unter dem sich die Leute drängten, die keinen Platz im Konzertraum gefunden hatten oder in Ruhe rauchen, labern und saufen wollten. Ich begrüßte einige Leute und besorgte mir ein Bier.
Im Innern der »Hackerei« herrschten tropische Temperaturen. Auf der Bühne standen Steakknife, die gerade bei den letzten Stücken ihres Auftrittes waren; vor der Bühne tobte, schrie und hüpfte der Mob. Mit einem Bier in der Hand ging ich hinaus an die frische Luft – das war mir im Augenblick zu viel.
So verpasste ich den größten Teil des Schnitzelmesser-Konzertes, weil ich mit Reden, Trinken und Leute begrüßen beschäftigt war. Erst zur letzten Band ging ich wieder hinein – ich hatte von Dangerman bislang noch nie etwas gehört.
Die Norweger lieferten eine furiose Mischung aus Hardcore und Punk, die mich schwer an die späten 80er-Jahre erinnerte. Ein Packen von Energie auf der Bühne, ein Sänger, der keine Sekunde still halten konnte, ein Sound, der gut bollerte und voller knalliger Melodien war – das war ziemlich große Klasse, und ich muss mir von der Band unbedingt eine Platte besorgen.
Danach stand ich wieder im Freien, während im Innern der Kneipe auf Disco-Betrieb umgeschaltet wurde. Ich war nüchtern und trank nach zwei Bieren nur noch Bionade und so Zeugs; schließlich musste ich mein Auto noch sicher heimbringen.
Irgendwann ging es einfach nicht mehr, als nüchterner Mensch in einem Mob von Besoffenen unterwegs zu sein; gegen drei Uhr nachts schlich ich die Segel. Auf die nächsten fünf Jahre »Alte Hackerei«!
12 Mai 2012
Im Regen-Zelt
Es war eine denkwürdige Lesung, die ich am Freitag abend, 11. Mai 2012, in Mainz hielt. Im Rahmen der »Krili Campus Invasion«, eines Veranstaltungs-Wochenendes der Kritischen Linken, war ich als Vortragender anwesend - als ich direkt von der Arbeit los fuhr, zeigte das Thermometer lockere 32 Grad Plus an, und die Sonne knallte vom Himmel.
Eineinhalb Stunden später war ich in Mainz, wo bereits der erste Regen über die Stadt hinweg gezogen war. Im Uni-Gelände fand ich die »Geowiese« recht schnell: In einem Zelt fanden die Vorträge statt, es gab einen alten Bauwagen, aus dem heraus Getränke verkauft wurden, und unter freiem Himmel futterten die Besucher der Veranstaltung gerade das, was die Volksküche gekocht hatte.
Die sympathische Atmosphäre hielt auch an, als ich mit der Lesung begann: superpünktlich sogar, weil die Veranstalter wegen des Ordnungsamtes aufs Tempo drücken mussten. Knapp zwanzig Leute saßen auf Bierbänken im Zelt, und ich las diverse Texte vor.
Bis der Regen anfing: Es prasselte wie blöd auf das Zeltdach herunter, Böen schüttelten das ganze. Glücklicherweise hatte man mir ein Mikro und Lautsprecher gegeben; so verstanden mich immerhin die Zuhörer, während ich selbst wegen des Geprassels meine eigene Stimme kaum hören konnte.
Klatschnasse Leute kamen ins Zelt, um sich zu trocknen; damit füllte sich die Bude zwar, aber deren Interessen hatten dann doch weniger mit der Lesung zu tun ... Das beste war sowieso: Als ich mit der Lesung fertig war, hörte auch gerade der Prasselregen auf.
Danach gab's Punkrock von der Bühne, Open-Air und unter grauem Himmel. Von Überdosis Grau bekam ich nicht viel mit, weil ich mit Besuchern der Lesung sprach: Ich hörte die Band und ihren eher nachdenklich-düsteren Punkrock, sah sie aber nicht.
Danach Zosch aus Köln. Eine der zwei Sängerinnen erklärte, sie wüssten jetzt, dass sie »Bullen und schlechtes Wetter« hassten, spielten aber unverdrossen vom Wagen herunter gegen kühlen Wind und immer wieder leichten Nieselregen an. Pogo-Stimmung kam da keine auf, aber die paar Dutzend Zuschauer freuten sich.
Gegen 22 Uhr fuhr ich wieder los. Das Thermometer im Auto zeigte 16 Grad an. Und der Rest des Abends ist eine andere Geschichte ...
Eineinhalb Stunden später war ich in Mainz, wo bereits der erste Regen über die Stadt hinweg gezogen war. Im Uni-Gelände fand ich die »Geowiese« recht schnell: In einem Zelt fanden die Vorträge statt, es gab einen alten Bauwagen, aus dem heraus Getränke verkauft wurden, und unter freiem Himmel futterten die Besucher der Veranstaltung gerade das, was die Volksküche gekocht hatte.
Die sympathische Atmosphäre hielt auch an, als ich mit der Lesung begann: superpünktlich sogar, weil die Veranstalter wegen des Ordnungsamtes aufs Tempo drücken mussten. Knapp zwanzig Leute saßen auf Bierbänken im Zelt, und ich las diverse Texte vor.
Bis der Regen anfing: Es prasselte wie blöd auf das Zeltdach herunter, Böen schüttelten das ganze. Glücklicherweise hatte man mir ein Mikro und Lautsprecher gegeben; so verstanden mich immerhin die Zuhörer, während ich selbst wegen des Geprassels meine eigene Stimme kaum hören konnte.
Klatschnasse Leute kamen ins Zelt, um sich zu trocknen; damit füllte sich die Bude zwar, aber deren Interessen hatten dann doch weniger mit der Lesung zu tun ... Das beste war sowieso: Als ich mit der Lesung fertig war, hörte auch gerade der Prasselregen auf.
Danach gab's Punkrock von der Bühne, Open-Air und unter grauem Himmel. Von Überdosis Grau bekam ich nicht viel mit, weil ich mit Besuchern der Lesung sprach: Ich hörte die Band und ihren eher nachdenklich-düsteren Punkrock, sah sie aber nicht.
Danach Zosch aus Köln. Eine der zwei Sängerinnen erklärte, sie wüssten jetzt, dass sie »Bullen und schlechtes Wetter« hassten, spielten aber unverdrossen vom Wagen herunter gegen kühlen Wind und immer wieder leichten Nieselregen an. Pogo-Stimmung kam da keine auf, aber die paar Dutzend Zuschauer freuten sich.
Gegen 22 Uhr fuhr ich wieder los. Das Thermometer im Auto zeigte 16 Grad an. Und der Rest des Abends ist eine andere Geschichte ...
11 Mai 2012
Kalt auf der Friedhofsinsel
Erinnerung an den Venedig-Trip im April 2012
Es gibt kein ideales Wetter für einen Besuch auf dem Friedhof; da bin ich mir sicher. Insofern durfte ich nicht jammern, als wir am Montag, 9. April 2012, die Friedhofsinsel San Michele besuchten. Die Insel liegt nördlich der venezianischen Altstadt, gehört aber im Prinzip noch zum Stadtkern hinzu.
Wir betraten die Insel an der offiziellen Anlegestelle. Das Vaporetto hielt an einem Kai, wir gingen hindurch und standen im Innern einer Insel, die komplett von einer Mauer umschlossen war. Es war ein sehr windiger Tag, eigentlich schon richtig kalt, aber ich war entschlossen, mir nicht viel anmerken zu lassen; dennoch kam ich auf dieser Insel nicht aus dem Frieren heraus.
Die Insel ist in einzelne Bereiche gegliedert, die im großen und ganzen wie Quadrate angelegt sind. Die jeweiligen Quadrate wiederum widmen sich einzelnen Themen – etwa den Gräbern kleiner Kinder – oder sind optisch gegliedert: So gibt es flache Gräber ebenso wie ganze Gänge mit Urnengräbern.
Wir spazierten dazwischen herum; recht schnell bekam unser Spaziergang den Charakter einer Andacht. Ich hatte das Gefühl, zwischen Hunderten und Tausenden von Toten zu bummeln; immer wieder gaben Aufschriften auf den Urnen, an Wänden oder vor Grüften genauen Aufschluss darüber, wer hier eigentlich beerdigt war.
Die Begräbnisstätten von berühmten Menschen besuchte ich erst gar nicht; so spannend fand ich das nicht. Stattdessen ließ ich den Charakter des Ortes auf mich wirken, die wuchtigen Mauern aus Urnen, die Familiengrüfte mit ihren alten Bildern, der Kies, der unter unseren Füßen knirschte.
Da passte das Wetter dann doch: Es war so kalt und windig, dass wir die halbe Zeit mit gesenktem Kopf gingen, um dem Wind zu trotzen. Hätten wir wegen sommerlicher Temperaturen nur leichte Kleidung getragen, hätten wir einen anderen Eindruck von der Insel mitgenommen.
So blieb in meiner Erinnerung zweierlei: Es war kalt. Und ich bekam einen Eindruck von katholisch-christlicher Strenge, die über den Tod hinaus wirkt.
10 Mai 2012
Süßes aufm Lido
Erinnerung an den Venedig-Trip im April 2012
Der Wind pfiff immer noch über Lido hinweg, obwohl wir uns bereits zwischen den Häusern bewegten und die Sonne am Himmel stand. Vom Strand her ließen wir uns von der kalten Luft über die Gran Viale treiben, beschlossen spontan, einen Kaffee zu trinken, und gingen ebenso spontan in die Bar Pasticceria Garbisa hinein.
Das Café war nicht besonders groß; sie wurde rein optisch von der Theke beherrscht, die vor Glas und Silber glitzerte. Die Stühle und Sesselchen bestanden aus billigem Metallgestänge, wie man es im Sommer auch im Freien verwenden konnte; einige zähe Raucher hatten sich im Freien auf Stühlen derselben Machart niedergelassen.
Ein Tisch vor der Theke war frei, wir nahmen ihn. In der Ecke saßen zwei ältere rundliche Damen, die sich je ein Stück Kuchen schmecken ließen; einige junge Leute redeten am großen Fenster wild durcheinander, von dem aus man einen schönen Blick auf die Straße hatte. Direkt neben dem Eingang saß ein einzelner Mann mit kräftigem Körper und ebenfalls kräftigem Schnauzbart.
Wir bestellten Café Coretto – also ein kleiner Espresso mit einem kräftigen Schuss Grappa –, um uns aufzuwärmen, dazu kamen zwei leckere süße Stückchen. Die Atmosphäre in dem kleinen Café war nicht sehr geruhsam: Ständig kamen Leute, ständig gingen Leute, an der Theke wurden Kuchen und Süßgebäck gekauft.
Und dann kam die italienische Großfamilie. Schätzungsweise 15 Menschen drängten in das kleine Café, verteilten sich auf alle freien Stühle. Was nicht zusammengeschoben werden konnte, blieb am vorherigen Standort – und dann wurde eben einfach kreuz und quer durch das kleine Café geplaudert.
Ich fand das lustig, auch wenn ich kein Wort verstand. Es wurde viel gelacht und gealbert, alle hatten sichtlich Spaß. Und als wir unseren Tisch räumten und das Café verließen, löste das sichtliche Erleichterung aus: Jetzt konnte die Großfamilie zusammenrücken ...
09 Mai 2012
Die Thatcher und ihre Punks
Irgendwann in diesem Frühjahr 2012 erzählte ich allen nur erdenklichen Leuten, wie schlapp ich die U.K. Subs in den 80er-Jahren gefunden hätte, zumindest zeitweise. Bewusst hörte ich mir jetzt noch einmal die Langspielplatte »Flood Of Lies« aus dem Jahr 1983 an – und ich kann nachvollziehen, warum ich das damals behauptete.
Auf dem gezeichneten Cover ist eine Karikatur von Margaret Thatcher zu sehen, dazu irgendwelche Monster und haufenweise Totenköpfe; ein Titelbild, das man sicher schön analysieren müsste, um zu erkennen, was damit 1983 eigentlich gemeint war. In den Texten wird das bevorstehende Jahr 1984 besungen, es geht um Krieg und Frieden – und all das ist schön punkig und korrekt.
Musikalisch kann die Platte nicht mitreißen, wenngleich sie nicht mies ist. Einige gute Stücke sind enthalten, häufig versackt das ganze aber in einem seltsamen Mittelmaß. Wobei es durchaus interessant wäre, einige der schnelleren Stücke mit den heutigen Mitteln noch einmal zu hören – im Jahr 2012 haben Charlie Harpers Auftritte erstaunlicherweise mehr »Wumms« als vor dreißig Jahren ...
Auf dem gezeichneten Cover ist eine Karikatur von Margaret Thatcher zu sehen, dazu irgendwelche Monster und haufenweise Totenköpfe; ein Titelbild, das man sicher schön analysieren müsste, um zu erkennen, was damit 1983 eigentlich gemeint war. In den Texten wird das bevorstehende Jahr 1984 besungen, es geht um Krieg und Frieden – und all das ist schön punkig und korrekt.
Musikalisch kann die Platte nicht mitreißen, wenngleich sie nicht mies ist. Einige gute Stücke sind enthalten, häufig versackt das ganze aber in einem seltsamen Mittelmaß. Wobei es durchaus interessant wäre, einige der schnelleren Stücke mit den heutigen Mitteln noch einmal zu hören – im Jahr 2012 haben Charlie Harpers Auftritte erstaunlicherweise mehr »Wumms« als vor dreißig Jahren ...
Literarische Miniaturen
Um mich auf meinen Aufenthalt in Venedig einzustimmen, las ich unter anderem das Buch »Venedig – Salon der Welt«, verfasst von Eva Demski. Die Autorin hat mehrere Bücher veröffentlicht, sie bekam Preise, und ich hatte von ihr bis dato nichts gelesen. Vielleicht sollte ich das nach dieser Lektüre nachholen.
Das Buch ist alles andere als ein Reiseführer – es ist eine Sammlung von kurzen Texten, die die Stadt aus der Sicht der Autorin sowie eines mehr oder weniger prominenten Menschen betrachten. So gibt es beispielsweise das Kapitel »Mit Peggy Guggenheim«, in dessen Verlauf man einiges über das bekannte Guggenheim-Museum für moderne Kunst erfährt, das am Canale Grande steht.
In anderen Kapiteln nimmt die Autorin verstorbene Schriftsteller wie Lord Byron (ich wusste nicht, dass der Mann so sexhungrig war ...), Komponisten (natürlich Giuseppe Verdi) oder auch fiktive Personen wie die Familie Käsebier als »Partner« mit zu ihren Streifzügen. Es sind im Prinzip jeweils Essays, die unterschiedliche Aspekte behandeln und so die Insel mit all ihren Facetten präsentieren.
Das ist alles toll geschrieben, super-unterhaltsam und von einer Leichtigkeit, die nichts von der Korrektheit eines Reiseführers hat, sondern eher wie die einer unterhaltsamen Kurzgeschichte. Die Autorin serviert in diesem Buch eine Liebeserklärung an die Stadt, die ich gerne noch einmal lesen werde.
Das Buch gibt's als Hardcover und als Taschenbuch, es ist mit 114 Seiten superdünn, aber rundum gelungen. Ich habe keine Sekunde bereut, die ich mit seiner Lektüre verbracht habe.
Labels: Italien, Literatur, Rezension
08 Mai 2012
Die Kellerbar mit mir
Direkt aus der Druckerei kam heute ein neues Buch auf meinen Tisch: »Geschichten aus der Asimov-Kellerbar« von Klaus Marion. Es enthält, wie der Untertitel schon nahelegt, allerlei Satiren, die sich mit Science-Fiction-Fans beschäftigen; viele dieser Texte sind in den 80er-Jahren verortet oder spielen auf diese an.
Von mir stammt immerhin das Vorwort, und ich freue mich sehr darüber, für dieses Buch einen Beitrag beigesteuert zu haben. Es ist ein schönes Buch geworden, mit 145 Textseiten eher schmal - aber es sieht gut aus, und ich freue mich schon darauf, die einzelnen Satiren noch einmal zu lesen.
(Wer sich für das Buch interessiert: Es hat die ISBN 978-3-8482-0400-7, kostet 10,80 Euro und ist über die üblichen Versender zu erhalten; ebenfalls natürlich in jeder Buchhandlung zu bestellen.)
Von mir stammt immerhin das Vorwort, und ich freue mich sehr darüber, für dieses Buch einen Beitrag beigesteuert zu haben. Es ist ein schönes Buch geworden, mit 145 Textseiten eher schmal - aber es sieht gut aus, und ich freue mich schon darauf, die einzelnen Satiren noch einmal zu lesen.
(Wer sich für das Buch interessiert: Es hat die ISBN 978-3-8482-0400-7, kostet 10,80 Euro und ist über die üblichen Versender zu erhalten; ebenfalls natürlich in jeder Buchhandlung zu bestellen.)
Labels: SF, Veröffentlichungen
07 Mai 2012
Mal poppig, mal krachend
Das große Thema im ENPUNKT-Radio im örtlichen Radio Querfunk war am Sonntag abend, 6. Mai 2012, diesmal sehr einfach: Punk aus Nordrhein-Westfalen gab's, und das auch noch mit einem Schwerpunkt bei Deutschpunk. Da zählte nicht alles dazu, aber immerhin.
So spielte ich die Band Schließmuskel aus der Weltstadt Hamminkeln, die ich in den 80er-Jahren gern gehört hatte, von der es seit 2008 eine CD mit den ersten Platten darauf gibt, gefolgt von Massendefekt aus Meerbusch, die heute einen Deutschpunk spielen, der eher nach den Toten Hosen klingt.
Nicht fehlen dürfen in so einem Zusammenhang dann aber Pöbel & Gesocks und – von der anderen Seite der deutschsprachigen Punkrock-Szene – die guten alten EA 80 aus Mönchengladbach. Damit's nicht so deutschpunklastig war, spielte ich hochmelodisches von den Revolvers und den Cheeks.
Was noch? Ach ja: Immer gehen die Gee Strings aus Aachen mit ihrem 77er-Punk oder Muff Potter aus Rheine mit gutem Emopunk. Weniger bekannt, aber gut krachig sind Funeral March – alles in allem eine bunte Mischung mal wieder.
So spielte ich die Band Schließmuskel aus der Weltstadt Hamminkeln, die ich in den 80er-Jahren gern gehört hatte, von der es seit 2008 eine CD mit den ersten Platten darauf gibt, gefolgt von Massendefekt aus Meerbusch, die heute einen Deutschpunk spielen, der eher nach den Toten Hosen klingt.
Nicht fehlen dürfen in so einem Zusammenhang dann aber Pöbel & Gesocks und – von der anderen Seite der deutschsprachigen Punkrock-Szene – die guten alten EA 80 aus Mönchengladbach. Damit's nicht so deutschpunklastig war, spielte ich hochmelodisches von den Revolvers und den Cheeks.
Was noch? Ach ja: Immer gehen die Gee Strings aus Aachen mit ihrem 77er-Punk oder Muff Potter aus Rheine mit gutem Emopunk. Weniger bekannt, aber gut krachig sind Funeral March – alles in allem eine bunte Mischung mal wieder.
06 Mai 2012
»Exodus« im »Reload«
Ich fand »Exodus« schon immer ziemlich klasse, und die Neuauflage des Magazins hat sich derart gesteigert, dass ich derzeit keine bessere Publikation für deutschsprachige Science-Fiction-Kurzgeschichten zu nennen wüsste. Die einzelnen Ausgaben überzeugen auch von der Optik her, und die Nummer 26 war eine besondere Ausgabe.
Sie kam zum Anfang des Jahres 2010 heraus und präsentierte auf wunderbaren Farbseiten die Bilder des Malers Helmut Wenske. Die hatten mich in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren so begeistert, dass ich mir sogar Poster kaufte und an die Wand pinnte. »Exodus« 26 war eine tolle Ausgabe, die mir sehr gut gefiel.
Super finde ich, dass es das Heft jetzt wieder gibt. Die Redaktion hat eine »Reloaded«-Ausgabe publiziert, die dieser Tage verschickt wurde. Die Galerie wurde erweitert, es gibt mehr Farbseiten – das ganze sieht jetzt noch besser aus als vorher.
Die 108 Seiten gibt's für 9,90 Euro. Wer sich für Science Fiction interessiert und nicht nur davon redet, dass er Kurzgeschichten mag, der muss dieses Magazin haben. Ernsthaft.
Sie kam zum Anfang des Jahres 2010 heraus und präsentierte auf wunderbaren Farbseiten die Bilder des Malers Helmut Wenske. Die hatten mich in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren so begeistert, dass ich mir sogar Poster kaufte und an die Wand pinnte. »Exodus« 26 war eine tolle Ausgabe, die mir sehr gut gefiel.
Super finde ich, dass es das Heft jetzt wieder gibt. Die Redaktion hat eine »Reloaded«-Ausgabe publiziert, die dieser Tage verschickt wurde. Die Galerie wurde erweitert, es gibt mehr Farbseiten – das ganze sieht jetzt noch besser aus als vorher.
Die 108 Seiten gibt's für 9,90 Euro. Wer sich für Science Fiction interessiert und nicht nur davon redet, dass er Kurzgeschichten mag, der muss dieses Magazin haben. Ernsthaft.
05 Mai 2012
Turnschuh-Punk aus Vancouver
Als in den 90er-Jahren ein Haufen neuer Punk-Bands aus Amerika und Kanada über den Teich herüberschwappte, bekam ich das anfangs gar nicht richtig mit. Ich war von Hardcore-Punk besessen und sprang lieber wie ein Irrer zum rsanten Sound von So Much Hate oder Negazione durch die Slamdance-Mobs. Kein Wunder, dass auch die McRackins an mir vorüber gingen.
Die drei Burschen stammten aus dem Großraum Vancouver, also aus Kanada. Wie die deutlich bekannteren und auch schnelleren Hanson Brothers waren sie vom Eishockey beeinflusst, machten Ramones-Punkrock, traten in albernen Kostümen auf und hatten sichtlich viel Spaß bei ihren Aufnahmen und Auftritten. Die drei Typen gaben sich Namen wie Bil, Fil und Spot und sahen ziemlich albern aus.
Ihre Platte »Back To The Crack« kam 1996 heraus und ging im Meer der ähnlichen Bands ein wenig unter. Zur selben Zeit sorgten Green Day oder auch Screeching Weasel dafür, dass dieser Sound populär wurde, auch außerhalb der Szene – und da interessierte das Trio aus Vancouver kaum jemanden.
Das ist fast schon unfair: Wenn man Lust darauf hat, fröhlichen Hüpfmusik-Punk zu hören, sind die drei Kanadier eine richtig gute Adresse. Die achtzehn Stücke auf der Platte gehen flott ins Ohr, machen Laune und sind unterm Strich – logisch! – ein wenig unwichtig. Gegen schlechte Laune helfen sie allemal ...
Die drei Burschen stammten aus dem Großraum Vancouver, also aus Kanada. Wie die deutlich bekannteren und auch schnelleren Hanson Brothers waren sie vom Eishockey beeinflusst, machten Ramones-Punkrock, traten in albernen Kostümen auf und hatten sichtlich viel Spaß bei ihren Aufnahmen und Auftritten. Die drei Typen gaben sich Namen wie Bil, Fil und Spot und sahen ziemlich albern aus.
Ihre Platte »Back To The Crack« kam 1996 heraus und ging im Meer der ähnlichen Bands ein wenig unter. Zur selben Zeit sorgten Green Day oder auch Screeching Weasel dafür, dass dieser Sound populär wurde, auch außerhalb der Szene – und da interessierte das Trio aus Vancouver kaum jemanden.
Das ist fast schon unfair: Wenn man Lust darauf hat, fröhlichen Hüpfmusik-Punk zu hören, sind die drei Kanadier eine richtig gute Adresse. Die achtzehn Stücke auf der Platte gehen flott ins Ohr, machen Laune und sind unterm Strich – logisch! – ein wenig unwichtig. Gegen schlechte Laune helfen sie allemal ...
Vierzig Seiten Langgedicht – und andere Texte
Den Schriftsteller und Übersetzer Matthias Falke lernte ich im 2011 kennen, als wir gemeinsam bei einer Lesung des Künstlernetzwerkes in Karlsruhe auftraten. Dabei erzählte er mir, dass er die Gedichte des amerikanischen Lyrikers Robinson Jeffers verlegt – und ich ließ mir von ihm ein Paket mit den einzelnen Bänden »liefern«. Jetzt erst kam ich dazu, einen dieser Gedichtsbände zu lesen: Ich begann mit »So war euer Rat«, das Matthias Falke 2009 veröffentlicht hat.
Kernstück des gerade mal 90 Seiten umfassenden Bandes ist das gleichnamige Langgedicht, das in Kapitel unterteilt ist und sich über vierzig Seiten zieht. Es schildert die Geschichte eines Sohnes, der nach langen Jahren zurück auf die elterliche Farm kommt und dort mit Vater und Mutter »abrechnet«.
Leichte Lektüre ist es nicht, zumindest nicht für mich. Ich benötigte einige Zeit, bis ich mich an die Sprache gewöhnt hatte, an die langen Zeilen, den fast schon prosaischen Stil; dann aber packte mich das Gedicht mit seiner inhaltlichen Wucht.
Die kürzeren Texte des Buches lagen mir eher. Sie sind lakonisch und knapp, dann aber wieder wälzen sich Sprachungetüme über den Leser, die einem den Atem rauben. Die Natur und die Menschen, der Blick zu den Sternen – das alles findet in Jeffers' Texten immer wieder statt. Wenn man sich darauf einlässt, bleibt einem der Mund vor Staunen offenstehen.
Veröffentlicht wurden die Gedichte im Jahr 1937, der Zweite Weltkrieg lag noch in der Zukunft, aber der Mann, den man zu Lebzeiten ganz schön abfeierte, wusste offensichtlich, was auf die Welt zukam:
»Die Zeit verdunkelt sich. Europa mischt die Todeskrüge, die / kleinen Caesars zappeln auf den Thronen. / Die alte Wunde öffnet den verschorften Mund und fragt nach neuen Wunden. / Die Menschen werden sich durchkämpfen, Menschen haben harte Herzen.«
Erschienen ist das Paperback bei »Books On Demand«; im BOD-Shop ist es leider nicht mehr verzeichnet, und die Homepage des Übersetzers liegt derzeit lahm. Wer sich dafür massiv interessiert, dem stelle ich aber den direkten Kontakt her.
04 Mai 2012
Rezensionen im Rückblick
Bekanntlich bespreche ich auf der PERRY RHODAN-Homepage immer wieder Bücher, Comics und Hörspiele. Ab und zu schreibe ich in diesem Blog darüber - so auch heute. Wobei ich mich auf die Bücher beschränke; als guter Redakteur weiß ich ja, dass Beschränkung nicht immer negativ sein muss ...
Top-aktuell ist eine Besprechung, die unter dem Titel »Gelungene Fantasy für Kinder und Jugendliche« erschienen ist. Es geht um die Fantasy-Kinderbuchreihe »Drachengasse 13«, die von den Autoren Bernd Perplies und Christian Humberg verfasst worden ist. Ich las die ersten zwei Romane und mochte sie sehr.
Im vergangenen Herbst machte der Roman »Gegen die Welt« auf sich aufmerksam, ein über 900 Seiten umfassendes Werk, mit dem der junge Autor Jan Brandt es echt krachen ließ. Im Urlaub in Venedig hatte ich Zeit, es zu lesen - die Besprechung unter dem Titel »Romanhefte, Krachmusik und der Horror eines Dorfes« fällt sehr euphorisch aus.
Viel dünner ist das Buch »Astronaut in Gefahr«, das von Christoph Dittert verfasst wurde: Es ist ein kleinformatiges Taschenbuch, etwa so groß wie ein Vokabelheft, und gerade einmal 96 Seiten stark. Es gehört zur Reihe »Die drei ??? Kids«; ich habe mich sehr gut bei der Lektüre unterhalten. Meine Rezension erschien unter dem Titel »Flott erzählter Mini-Krimi mit SF-Touch«.
Ein echter Kracher: der sehr kurze Roman »Ultra Fuckers« des amerikanischen Schriftstellers Carlton Mellick III, erschienen im Festa-Verlag, der sich sonst auf Horror spezialisiert hat. Das Ding ist schon Science Fiction, aber von der besonderen Art. Kein Wunder, dass ich meine Rezension dann »Der abgefahrenste Science-Fiction-Roman seit langem« betitelte.
Von Pan, dem Jugendbuch-Ableger des Verlages Droemer-Knaur, kam der Roman »Gefährliche Lügen«, der erste Band der »Sternenfeuer«-Trilogie. Das ist schon eher mädchen-orientiert, aber sehr spannend zu lesen. Der Titel der Rezension, nämlich »Auftakt zu einer SF-Trilogie«, war hier schon sehr eindeutig gewählt.
Top-aktuell ist eine Besprechung, die unter dem Titel »Gelungene Fantasy für Kinder und Jugendliche« erschienen ist. Es geht um die Fantasy-Kinderbuchreihe »Drachengasse 13«, die von den Autoren Bernd Perplies und Christian Humberg verfasst worden ist. Ich las die ersten zwei Romane und mochte sie sehr.
Im vergangenen Herbst machte der Roman »Gegen die Welt« auf sich aufmerksam, ein über 900 Seiten umfassendes Werk, mit dem der junge Autor Jan Brandt es echt krachen ließ. Im Urlaub in Venedig hatte ich Zeit, es zu lesen - die Besprechung unter dem Titel »Romanhefte, Krachmusik und der Horror eines Dorfes« fällt sehr euphorisch aus.
Viel dünner ist das Buch »Astronaut in Gefahr«, das von Christoph Dittert verfasst wurde: Es ist ein kleinformatiges Taschenbuch, etwa so groß wie ein Vokabelheft, und gerade einmal 96 Seiten stark. Es gehört zur Reihe »Die drei ??? Kids«; ich habe mich sehr gut bei der Lektüre unterhalten. Meine Rezension erschien unter dem Titel »Flott erzählter Mini-Krimi mit SF-Touch«.
Ein echter Kracher: der sehr kurze Roman »Ultra Fuckers« des amerikanischen Schriftstellers Carlton Mellick III, erschienen im Festa-Verlag, der sich sonst auf Horror spezialisiert hat. Das Ding ist schon Science Fiction, aber von der besonderen Art. Kein Wunder, dass ich meine Rezension dann »Der abgefahrenste Science-Fiction-Roman seit langem« betitelte.
Von Pan, dem Jugendbuch-Ableger des Verlages Droemer-Knaur, kam der Roman »Gefährliche Lügen«, der erste Band der »Sternenfeuer«-Trilogie. Das ist schon eher mädchen-orientiert, aber sehr spannend zu lesen. Der Titel der Rezension, nämlich »Auftakt zu einer SF-Trilogie«, war hier schon sehr eindeutig gewählt.
Labels: Rezension
03 Mai 2012
Derbe Mischung aus Western und Horror
Der amerikanische Autor Jack Ketchum ist durch seine knallharten Romane bekannt geworden. Als ich vor mehreren Jahren sein »Evil« las, bescherte mir der Roman buchstäblich Alpträume – unter anderem deshalb, weil der Autor es schaffte, die Realität so direkt zu schildern, dass ich mich nicht vor irgendwelchen Monstern gruselte, sondern vor den allzunormalen Menschen, die er schilderte.
Bei seiner Novelle »Die Schwestern« ist das ein wenig anders. Der Kurzroman, der 2003 in den USA veröffentlicht wurde, liegt seit eineinhalb Jahren in deutscher Übersetzung im Atlantis-Verlag vor: als Taschenbuch und Hardcover, mittlerweile auch als E-Book. Das Buch ist gerade mal 97 Seiten stark, von denen über ein Dutzend Seiten durch ein Nachwort über und ein Interview mit dem Autor eingenommen werden.
Ketchum verlagert in diesem Roman die Handlung in den sogenannten Wilden Westen, genauer gesagt ins Grenzgebiet zu Mexiko und ins Jahr 1848. Sein Held ist ein versoffener Journalist, der mit zwei anderen Männern in eine fürchterliche Geschichte verwickelt wird: Im Grenzgebiet gibt es ein Lager, in dem junge Frauen gefoltert, vergewaltigt und zur Zwangsarbeit herangezogen werden.
Die drei Männer entschließen sich, die Frauen zu befreien, und nehmen den Kampf gegen die drei Schwestern auf, die das Lager beherrschen. Das Ganze endet – wie kaum anders zu erwarten – ziemlich blutig.
Streng genommen ist das ganze ein Italowestern; die Horror-Elemente kommen dazu und haben praktisch nichts mit übernatürlichen Elementen zu tun. Ketchum schreibt in klaren, knappen Sätzen; die Dialoge sitzen alle, und Beschreibungen ufern nie aus, sparen aber auch nicht an Details. Vom Stil her schreibt der Mann eigentlich Krimis.
»Die Schwestern« las ich in einem Rutsch, fiebernd vor Spannung, obwohl mir eigentlich klar war, wie der kurze Roman ausgehen musste. Es ist harte Kost, aber die Brutalität wirkt nie aufgesetzt, sondern schockt ziemlich. Whow.
Labels: Rezension
02 Mai 2012
Die Gugel und ich
Manchmal komme ich mir reichlich alt vor. Da lese ich in einer Übersicht zu den 90er-Jahren: 1998 wurde Google gegründet. Wie? 1998? Man könnte meinen, diese Firma gäbe es schon ewig ... Aber wenn ich darüber nachdenke, erinnere ich mich noch gut an den Augenblick, in dem ich Google entdeckte. Genauer: als es für mich entdeckt wurde.
Ich saß in meinem Büro – übrigens exakt das Büro, in dem ich immer noch tagsüber sitze – und arbeitete irgend etwas. Der Kollege vom Buchverlag stand auf einmal in der Tür, den genauen Grund weiß ich nicht mehr.
Wir plauderten etwas, und er fragte. »Herr Frick, haben Sie schon etwas von Google gehört?« Im ersten Momant kapierte ich nicht einmal, was er meinte, dann erläuterte er: Das sei eine neue Suchmaschine, die sei viel einfacher als die anderen. Man habe ganz kurze Ladezeiten, weil nicht so viel Drumherum aufzurufen sei, und im Prinzip handle es sich um eine einzige Zeile ohne viel Krimskrams.
Ich war beeindruckt. Dann testete ich dieses ominöse Google, und es funktionierte völlig anders als MetaGer, das ich bisher benutzt hatte. Sehr schnell gewöhnte ich mich daran, so sehr, dass ich mir eine Zeit ohne Google längst nicht mehr vorstellen kann.
Seit gut zehn Jahren benutze ich Google Maps, seit vielen Jahren blogge ich auf einer Plattform, die zu Google gehört, und ich habe sogar ein Profil bei Google plus. Die haben mich also gekriegt ...
Im Büro benutze ich übrigens immer häufiger die Suchmaschine Bing – aber das eher aus sportlichem Ehrgeiz, um herauszufinden, was da für Ergebnisse auftauchen. Aber das ist dann wieder eine andere Geschichte.
01 Mai 2012
Spritz am Rialto
Die Sonne ging langsam unter, es sah wieder nach Regen aus. Bald würde es dämmern, dann würde das Licht der Restaurants entlang des Kanals eine besondere Stimmung aus Urlaubslust und Gelöstheit verbreiten.
Wir ließen uns an einem freien Tisch nieder, direkt neben dem Kanal, keine zehn Meter von der Vaporetto-Haltestelle und keine fünfzig Meter von der Rialtobrücke entfernt. Und dort tranken wir Spritz, der Mix aus Aperol und anderem Zeugs, der in den letzten Jahren auch in deutschen Landen zu einem Sommer-Hitgetränk geworden war.
Die orangerote Flüssigkeit schmeckte lecker, der Preis war übrigens völlig normal, und wir genossen die Stimmung am frühen Abend. Noch waren viele Touristen am Ufer des Canale Grande unterwegs, noch tummelten sich Schulklassen und Gruppen von Busreisenden auf der steinernen Brücke, aber es war schon deutlich weniger los als am Nachmittag.
Es war eine richtig schöne Stunde: leckeres Getränk, gute Gesellschaft, entspannte Stimmung. So ließ es sich in Venedig sehr gut aushalten. Als ein leichter Nieselregen einsetzte, gingen wir – aber zu diesem Zeitpunkt lag bereits Dunkelheit über der Stadt.
30 April 2012
Expedition in die Pfalz
»Übernimm dich nicht gleich«, lautete der gutgemeinte Rat. »Jaja, nur ein Stündchen«, versprach ich und meinte es ernst. Trotz Allergie und zugestopfter Nase konnte ich am Samstag nicht daheim bleiben; die frische Luft zerrte mich aus der Wohnung und auf mein Fahrrad.
Im vergangenen Jahr war ich so gut wie nicht gefahren. Der Grund dafür beginnt mit »Per« und hört mit »ltcon« auf; das Jahr 2011 hatte für mich zeitweise nur noch aus dem Dreiklang »Arbeit Arbeit Arbeit« bestanden. In diesem Jahr soll das anders werden, und dazu gehört ein wenig Bewegung in der Natur.
Wobei die Natur entlang der mehrspurigen Bundesstraße, die aus Karlsruhe hinaus, über die Rheinbrücke und hinüber in die Pfalz führt, ja auch nicht so natürlich riecht, sondern einen unangenehmen Beigeschmack von Benzin verströmt. Dann aber erreichte ich die freie Fläche, entschied mich spontan und dummerweise, nicht gleich wieder umzukehren, und fuhr nach Norden.
Um es kurz zu machen: Der kleine Ort Jockgrim hat einen wunderhübschen Ortskern, den ich noch nie zuvor gesehen hatte, manche Altrheinarme sind ebenfalls sehr hübsch. Nur fühlte sich mein Hintern nach gut zweieinhalb Stunden überhaupt nicht mehr hübsch an.
Der Start in die diesjährige Fahrrad-Saison war also ein Erfolg. Allerdings sollte ich es künftig wirklich einfacher angehen – so völlig untrainiert ...
29 April 2012
Spaß allein genügt nicht mehr
Heimatglück gehören zu den Bands, die ich noch nicht gesehen habe. Eigentlich peinlich: Die Hamburger Band ist schon seit 15 Jahren unterwegs. Immerhin kaufe ich brav die Tonträger und finde sie – ebenso brav – bislang immer außergewöhnlich, interessant und wirklich gut.
Das sehe ich auch bei »Spaß allein genügt nicht mehr«, der aktuellen Platte, die im Herbst 2011 veröffentlicht wurde. (Ich habe natürlich die Vinylscheibe, die es mit beigelegtem Download-Code gibt; ich bin mir aber sicher, dass es ebenso eine CD gibt.) Die kann ich stundenlang anhören – sie hat zwar ihre beabsichtigten Ecken und Kanten, läuft aber gut durch.
Heimatglück machen im Prinzip die Mixtur aus Neue Deutsche Welle und Punkrock, die Ende der 70er-Jahre so Bands wie Ideal oder Hans-A-Plast auszeichnete; mal sind die Stücke mehr teenager-mäßig und rotzig, mal knallen sie punkig. Das ist abwechslungsreich und cool, hat aber mit Deutschpunk oder dergleichen gar nichts zu tun.
Die Sängerin bringt die lakonischen Texte mit ihrer unterkühlten Stimme sehr gut zur Geltung: »Meine Haut besteht aus Eis / die Zeit aus Cellophan / In einer Welt aus Helium / die leicht ist und doch schwer wie Blei« heißt es in dem Stück »Quark und Cornflakes«. Das ist zeitweise richtig abgefahrene Lyrik – toll gemacht!
Da passt halt alles zusammen, schon der Titel ist eine Anspielung (auf die Deutschpunk-Band Hass und ihre Platte »Hass allein genügt nicht mehr«), der Bandname ist eine zynische Replik auf den Heimatwahn hierzulande – und das ganze wird mit einem rotzigen Sound und großartigen Texten gemischt. Verdammt noch mal: Ich will Heimatglück endlich mal live sehen!
Das sehe ich auch bei »Spaß allein genügt nicht mehr«, der aktuellen Platte, die im Herbst 2011 veröffentlicht wurde. (Ich habe natürlich die Vinylscheibe, die es mit beigelegtem Download-Code gibt; ich bin mir aber sicher, dass es ebenso eine CD gibt.) Die kann ich stundenlang anhören – sie hat zwar ihre beabsichtigten Ecken und Kanten, läuft aber gut durch.
Heimatglück machen im Prinzip die Mixtur aus Neue Deutsche Welle und Punkrock, die Ende der 70er-Jahre so Bands wie Ideal oder Hans-A-Plast auszeichnete; mal sind die Stücke mehr teenager-mäßig und rotzig, mal knallen sie punkig. Das ist abwechslungsreich und cool, hat aber mit Deutschpunk oder dergleichen gar nichts zu tun.
Die Sängerin bringt die lakonischen Texte mit ihrer unterkühlten Stimme sehr gut zur Geltung: »Meine Haut besteht aus Eis / die Zeit aus Cellophan / In einer Welt aus Helium / die leicht ist und doch schwer wie Blei« heißt es in dem Stück »Quark und Cornflakes«. Das ist zeitweise richtig abgefahrene Lyrik – toll gemacht!
Da passt halt alles zusammen, schon der Titel ist eine Anspielung (auf die Deutschpunk-Band Hass und ihre Platte »Hass allein genügt nicht mehr«), der Bandname ist eine zynische Replik auf den Heimatwahn hierzulande – und das ganze wird mit einem rotzigen Sound und großartigen Texten gemischt. Verdammt noch mal: Ich will Heimatglück endlich mal live sehen!
27 April 2012
Lesung in Köln
Vor gut dreißig Jahren besuchte ich meinen ersten ColoniaCon - also eines der gefürchteten Science-Fiction-Treffen in Köln. Seither war ich oft in der Stadt und oft auch im »Jugendpark«, wo der Con stattfindet. Eine Fantasy-Lesung hatte ich allerdings noch nie.
Ende Mai ist der diesjährige ColoniaCon, und am Samstag, 26. Mai 2012, habe ich zwei offizielle Programmpunkte. Der eine hat etwas mit meinem Beruf zu tun, was niemand sonderlich überraschen dürfte; der andere ist dann privat.
Ich lese Fantasy-Texte vor, die Details muss ich mir noch ausdenken. Aber ich bin tatsächlich ein wenig nervös: Kommt da überhaupt jemand zu meiner Lesung? Interessiert das überhaupt jemanden? Und wie sehr werde ich mich versprechen?
26 April 2012
Ich will ins »Thalia-Magazin«
Es ist unter Menschen mit Kulturbewusstsein ja ein wenig verpönt, die »Thalia«-Buchhandlungen anzusteuern: zu groß, zu viel Krimskrams, zu viel Marktorientierung und so weiter - alles in allem eben der böse Kapitalismus, der die kleinen Läden verdrängt. Das stimmt teilweise, und darum soll's hier gar nicht gehen.
Als ich beim letzten Mal in der »Thalia«-Filiale stöberte (ich suchte ein Geburtstagsgeschenk, und dazu muss ich Bücher anfassen können, und das mache ich gern bei einer großen Auswahl und in einem Laden, wo ich mich hinterher nicht vor dem kulturbeflissenen Buchhändler für meinen Kauf rechtfertigen muss), nahm ich die aktuelle Ausgabe des »Thalia-Magazins« mit. Es enthält auf 60 illustrierten, farbigen Seiten viel Werbung und eine Reihe von redaktionellen Hinweisen - nicht uninteressant.
Schön ist ein Artikel über den »Deutschen Phantastik Preis«, der alljährlich auf dem BuchmesseCon verliehen wird. Irgendjemand im Umfeld der Veranstalter hat einen Draht zu dem Magazin; das finde ich gut. So kommt eine Fan-Aktion, und das war und ist es unterm Strich ja immer noch, endlich auch mal in der breiten Öffentlichkeit zu ihrem Recht.
Vermerkt wird, dass ich den Preis für die beste Serie »persönlich in Empfang« genommen habe. Stimmt, normalerweise nehmen Autoren den Preis in Empfang, was ich grundsätzlich auch besser finde: Die verfassen schließlich die Romane, während ich für den Redaktionskram verantwortlich bin. Aber so kam ich mal in den Genuss, in diesem auflagenstarken Magazin erwähnt zu werden.
Es bringt mich sowieso bloß dazu, mir ein ehrgeiziges Ziel zu setzen: Ich will mal wieder im »Thalia-Magazin« erwähnt werden. Dann aber bitteschön nicht mehr als Redakteur, sondern als Autor. Dafür sollte ich aber endlich mal ein Thalia-taugliches, massenkompatibles Buch verfassen ...
Als ich beim letzten Mal in der »Thalia«-Filiale stöberte (ich suchte ein Geburtstagsgeschenk, und dazu muss ich Bücher anfassen können, und das mache ich gern bei einer großen Auswahl und in einem Laden, wo ich mich hinterher nicht vor dem kulturbeflissenen Buchhändler für meinen Kauf rechtfertigen muss), nahm ich die aktuelle Ausgabe des »Thalia-Magazins« mit. Es enthält auf 60 illustrierten, farbigen Seiten viel Werbung und eine Reihe von redaktionellen Hinweisen - nicht uninteressant.
Schön ist ein Artikel über den »Deutschen Phantastik Preis«, der alljährlich auf dem BuchmesseCon verliehen wird. Irgendjemand im Umfeld der Veranstalter hat einen Draht zu dem Magazin; das finde ich gut. So kommt eine Fan-Aktion, und das war und ist es unterm Strich ja immer noch, endlich auch mal in der breiten Öffentlichkeit zu ihrem Recht.
Vermerkt wird, dass ich den Preis für die beste Serie »persönlich in Empfang« genommen habe. Stimmt, normalerweise nehmen Autoren den Preis in Empfang, was ich grundsätzlich auch besser finde: Die verfassen schließlich die Romane, während ich für den Redaktionskram verantwortlich bin. Aber so kam ich mal in den Genuss, in diesem auflagenstarken Magazin erwähnt zu werden.
Es bringt mich sowieso bloß dazu, mir ein ehrgeiziges Ziel zu setzen: Ich will mal wieder im »Thalia-Magazin« erwähnt werden. Dann aber bitteschön nicht mehr als Redakteur, sondern als Autor. Dafür sollte ich aber endlich mal ein Thalia-taugliches, massenkompatibles Buch verfassen ...
Labels: Literatur
25 April 2012
Kurzer, fieser Horror-Roman
Im Atlantis-Verlag erschienen in vergangenen Monaten immer mehr Titel, die ich in dem kleinen Verlag zuvor nicht vermutet hatte: unter anderem Lizenzausgaben amerikanischer Autoren . Von denen besorgte ich mir prompt einige Titel. Zuletzt las ich »Eingesperrt« von Brian Keene, der in Horror-Kreisen längst einen guten Namen hat, von dem ich aber bislang keinen Roman in der Hand hatte.
Die Handlung beginnt in einem kleinen Elektronikladen irgendwo in den USA. Nur eine Handvoll von Angestellten ist anwesend, als ein bewaffneter Mann auftritt und sie alle in den Lagerraum treibt. Dort werden sie in einen Käfig gesperrt, in dem sie die Nacht verbringen müssen. Auf jeden von ihnen wartet ein schreckliches Schicksal, das wird ihnen recht schnell klar – aber sie können nichts tun. In ihrem Käfig müssen sie darauf warten, was der Fremde mit ihnen vorhat ...
Die Sprache in diesem Roman ist klar, fast lakonisch; sie erinnert an Thriller oder klassische Detektivgeschichten. Spannung wird über trockene Dialoge vermittelt, Beschreibungen sind eindeutig und ufern nie aus. Wenn die Personen sprechen, »klingt« das stets sehr lebensnah.
Sehr glaubwürdig vermittelt Keene die Angst seiner Helden: Die Männer zittern vor Angst, sie streiten sich, sie wissen nicht, was auf sie zukommt. Der Gerucht in der Abstellkammer, die Enge der Situation, die Auswegslosigkeit – der Autor schildert das Geschehen fast ruhig und verzichtet auf überzogene Schock-Effekte.
Die Angst entsteht im Kopf des Lesers, der nie mehr weiß als die jeweilige Hauptperson. »Eingesperrt« ist richtig fies, der Kurzroman entfaltet beim Lesen einen echten Sog. Als ich das Buch zuklappte, war ich erst einmal eine Weile sehr ruhig und ließ einige Szenen nachwirken: stark gemacht!
Kritiker könnten einwenden, dass der Roman kein Meisterwerk sei. Das mag sein – aber er ist spannend, und er lässt einen bei der Lektüre nicht los. Bei gerade mal 80 Seiten ist das auch das Wichtigste.
Der Roman ist als Paperback erschienen und kann über diverse Versender oder direkt über den Atlantis-Verlag bestellt werden. Für E-Book-Fans gib's eine Kindle-Edition, für Sammler wie ich eine Hardcover-Version – die liefert aber nur der Verlag direkt aus.
Labels: Rezension
24 April 2012
Beim Majer-Bäcker
Warum wir in Venedig so lange brauchten, um herauszukriegen, dass es eine Kette namens Panificio Majer gibt, ist mir im Nachhinein schleierhaft. Nachdem wir es aber kapiert hatten, gingen wir mehrmals zum »Majer-Bäcker«, um dort beispielsweise zu frühstücken oder nachmittags eine Kleinigkeit zu uns zu nehmen.
Die Auswahl fand ich ziemlich klasse, wenngleich sie von der Größe der Bäckerei und ihrer Lage abhängig war: War die Örtlichkeit an einem großen Platz, konnte sie naturgemäß andere Dimensionen haben als am Rand einer schmalen Gasse. Aber überall eröffnete sich die Möglichkeit, einen »schnellen Kaffee« – also einen Espresso – für kleines Geld an der Theke zu trinken.
Und es gab überall leckere Backwaren: süße Stückchen, pikantes Gebäck, belegte Brote und so weiter. Sogar als Vegetarier kam ich auf meine Kosten.
Zu vergleichen ist »Majer« nicht gerade mit einer der hochwertigen Konditoreien, von denen es in Venedig selbstverständlich auch mehrere gibt. Und die jüdische Bäckerei im ehemaligen Ghetto bot ihrerseits besondere Spezialitäten an. Aber für ein Standard-Frühstück und ein gelegentliches »Zwischendurch« erwies sich die Bäckerei als hervorragend geeignet.
Labels: Essen/Trinken, Italien, Urlaub
23 April 2012
Die Frarikirche
Am zweiten Tag unseres Venedig-Aufenanthaltes standen wir auf einmal vor einem riesigen Sakralbau. Ein Blick in den Reiseführer belehrte uns, dass es sich um die Frarikirche handelte, genauer gesagt, die Santa Maria Gloriosa dei Frari. Es kostete drei Euro Eintritt, das Gebäude wurde empfohlen – also gingen wir hinein.
Ich war gebührend beeindruckt. Schon die Architektur ist faszinierend: hohe Decken, eine strenge und zugleich verwirrende Gliederung, Altäre und Seitenschiffe. Dazu kommen haufenweise Bilder und Statuen, die allesamt Jahrhunderte alt sind.
Künstler wie Tizian, dessen Name sogar mir etwas sagte, oder Bellini sind vertreten: Die Bilder sind riesengroß, die Statuen geradezu lebensecht – sieht man von den Dimensionen ab. Ich verbrachte viel Zeit damit, mir diese Kunstwerke anzuschauen, und fand das alles ziemlich klasse.
Die Vorstellung, in einem Gebäude zu stehen, dessen Kunst vor Jahrhunderten erschaffen wurde, und so quasi eine Zeitmaschine zu betreten, fand ich faszinierend. Ich kam mir vor wie in einem historischen Roman. Als ich Stunden später wieder an das Sonnenlicht trat, wirkten die Bilder und Statuen geradezu nach.
22 April 2012
Fans und ihr Engagement
Einen Einblick in die Denkweise dieser Hardcore-Fans gibt das Buch »Backstreet Girl« von Jennie Hermann. So richtig aktuell ist das nicht: Es erschien bereits 2009 im Verlag des Archivs der Jugendkulturen; gelesen habe ich es allerdings jetzt erst. Unterhalten habe ich mich dabei bestens.
Der Untertitel stellt klar, worum es geht: »Projektionsfläche Popstar – Wenn der Fan zum Schriftsteller wird«. Was bringt Musik-Fans dazu, sich mit ihrer Lieblingsmusik so stark auseinanderzusetzen, dass sie literarisch tätig werden?
Im Prinzip sind's drei Bücher: Der erste Teil ist das Tagebuch der Autorin, die als begeisterter Fan der Backstreet Boys dieser Band hinterher reiste, in einen der Sänger heftig verliebt war und sich jahrelang nicht davon lösen konnte.
Darüber schrieb sie ein Buch, das hier enthalten ist. Der Text ist teilweise richtig bitter zu lesen, andererseits im Abstand von 15 Jahren auch mit einer gewissen Selbstironie unterlegt – und es gibt lesenswerte Eindrücke in die Denkweise eines hartgesottenen Fans.
Im zweiten Teil schildert die studierte Musikwissenschaftlerin dann das Fantum aus einer wissenschaftlichen Distanz. Sie will herausfinden, warum vor allem Frauen über Stars schreiben – sowohl Tagebücher als auch Romane und Erzählungen. Dieser Teil ist der schwächste des Buches: Man merkt zu deutlich, dass die Auswahl an Texten, auf die sich Jennie Hermann beruft, unterm Strich zu dünn ist.
Der dritte Teil besteht aus Interviews, wobei hier die Partner sehr unterschiedlich sind. Kompetente Musikjournalisten wie Christian Gasser, Kerstin Grether und Frank Schäfer haben naturgemäß einen anderen Zugang zur Musik und zu ihren Texten als beispielsweise eine Frau, die jahrelang dort Urlaub machte, wo der Musiker Peter Maffay wohnt.
Das Buch erschien als sehr schön gestalteter Hardcover-Band mit 219 Seiten Umfang und zahlreichen Abbildungen. Es kostet 28 Euro, die ISBN ist 978-3-940213-50-1 – und wer sich dafür interessiert, kriegt das lesenswerte, unterhaltsame Werk in jeder Buchhandlung oder direkt beim Archiv der Jugendkulturen.
Labels: Rezension
Pop aus Österreich und der Schweiz
Gleich zwei Mini-CDs oder CD-Singles – oder wie immer man das nennen mag – hörte ich mir in den letzten Tagen an. Die eine Band war mir durchaus bekannt; sie stammt aus Österreich. Von der anderen hatte ich vorher noch nie gehört.
Jellybeat gefallen mir auch mit ihrer neuen Single – und das bezieht sich ausdrücklich auf ihre Promo-CD, auf der sich drei Versionen desselben Stücks finden. "Burundi", ein Stück aus den 70er-Jahren, das mir nicht einmal bekannt war, wird von den Österreichern in mitreißender Art modernisiert und aufgefrischt.
Packende Trommelrhytmen, dazu ein wenig Elektro-Mix – das alles vereint sich zu einer Mixtur, die schon beim ersten Anhören in die Beine geht. Ich schwinge mit, ich wackle mit dem Kopf, ich mache im Auto den Sound sofort lauter: Der gelungene Mix elektrisiert und begeistert. Saugute Popmusik!
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Band Penta-Tonic stammt aus der Schweiz, singt aber in lupenreinem Hochdeutsch, ohne jeglichen Anflug von Dialekt oder eigener Färbung. Ihre CD »Auf und davon« ist im Prinzip eine Single: zwei Versionen des Titelstücks sowie das gelegentlich krachige »Leuchten«.
Die Musik ist angenehm, im Prinzip moderne Popmusik mit einem Hang zum Pompösen, sauber instrumentiert, mit einigen aufgesetzten Effekten; die Melodien stimmen. Nach dem zweiten und dritten Mal flutschen einem die gehörten Stücke übrigens ins Ohr – gegen solche Musik im Radio hätte ich nichts. Auf Dauer wäre es mir zu schlapp, zu ruhig und zu brav; wer aber gerne poprockige Musik mit deutschen Texten mag, sollte der Band mal eine Chance geben.
Ach ja, die Texte nochmal. Eigentlich ist das Emo. Es geht um Gefühle, es geht um die Zeit, die um einen verstreicht, und um Menschen, die man verloren hat – alles in allem ein wenig pathetisch, aber nicht schlechter als beispielsweise Kettcar.
Jellybeat gefallen mir auch mit ihrer neuen Single – und das bezieht sich ausdrücklich auf ihre Promo-CD, auf der sich drei Versionen desselben Stücks finden. "Burundi", ein Stück aus den 70er-Jahren, das mir nicht einmal bekannt war, wird von den Österreichern in mitreißender Art modernisiert und aufgefrischt.
Packende Trommelrhytmen, dazu ein wenig Elektro-Mix – das alles vereint sich zu einer Mixtur, die schon beim ersten Anhören in die Beine geht. Ich schwinge mit, ich wackle mit dem Kopf, ich mache im Auto den Sound sofort lauter: Der gelungene Mix elektrisiert und begeistert. Saugute Popmusik!
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Band Penta-Tonic stammt aus der Schweiz, singt aber in lupenreinem Hochdeutsch, ohne jeglichen Anflug von Dialekt oder eigener Färbung. Ihre CD »Auf und davon« ist im Prinzip eine Single: zwei Versionen des Titelstücks sowie das gelegentlich krachige »Leuchten«.
Die Musik ist angenehm, im Prinzip moderne Popmusik mit einem Hang zum Pompösen, sauber instrumentiert, mit einigen aufgesetzten Effekten; die Melodien stimmen. Nach dem zweiten und dritten Mal flutschen einem die gehörten Stücke übrigens ins Ohr – gegen solche Musik im Radio hätte ich nichts. Auf Dauer wäre es mir zu schlapp, zu ruhig und zu brav; wer aber gerne poprockige Musik mit deutschen Texten mag, sollte der Band mal eine Chance geben.
Ach ja, die Texte nochmal. Eigentlich ist das Emo. Es geht um Gefühle, es geht um die Zeit, die um einen verstreicht, und um Menschen, die man verloren hat – alles in allem ein wenig pathetisch, aber nicht schlechter als beispielsweise Kettcar.
Labels: Review
21 April 2012
Drei Punkrock-Kracher aus der Schweiz
Der Freitag abend, 20. April 2012, stand in Karlsruhe im Zeichen der Schweiz. Zumindest in der »Alten Hackerei«, der »gepflegten Punkrock-Bar«, wo an diesem Abend gleich drei Bands aufspielten.
Um es vorwegzunehmen: Noch einen Tag danach bekam ich das Brummen nicht aus den Ohren heraus; entweder habe ich jetzt einen fiesen Tinnitus, oder die Anlage in der »Hackerei« war ziemlich übersteuert. Vielleicht sollte man sich in meinem Alter auch nicht mehr vorne aufhalten ...
Ich kam ein wenig zu spät, um den Anfang der Seniles noch mitzukriegen. Aber was ich sah und hörte, war ziemlich klasse: knalliger Punkrock, wie man ihn anfangs der 80er-Jahre in England spielte, meinetwegen darf man auch Streetpunk dazu sagen; in die Menge gebrüllt von einem Sänger, der im Lauf der Jahrzehnte ordentlich an Bauch und grauen Haaren zugelegt hat, aber immer noch den Punkrock-Spirit glaubhaft verköperte. Das ganze rumpelte und krachte ordentlich – sehr schön!
Das Highlight des Abends waren Wicked: Die Ansagen waren in Züridütsch, die Musik knalliger Punkrock, der schwer nach 1977 roch, aber komplett überzeugte. Die Stücke waren zackig und schnell, sie knallten, und sie waren voller Melodie und Schmackes. Obwohl ich eigentlich nur faul herumstehen wollte, kam ich nicht umhin, meinen faulen Hintern ein wenig auf- und ab zu bewegen. Super-Band!
Zwischendrin kam auf einmal eine junge Frau in Motorrad-Klamotten auf die Bühne, die sie dann – Überraschung! – auszog. So wurde ich endlich einmal Zeuge einer Burlesque-Show, oder wie immer man das jetzt nennt, und war hinterher nicht viel schlauer: Was zum Teufel hat das jetzt mit Punkrock zu tun?
Den Abschluss bildeten Transporter: zwei Schweizer und ein Schlagzeuger aus Karlsruhe, dem im wirklichen Leben auch die »Hackerei« gehört. Der Sound war knallig, eher Marke '82 aus den USA, dazu ein Gesang in Schwyzerdütsch – die Band brachte erneut gute Bewegung in den mittlerweile sehr anständig gefüllten Saal.
Ein sehr gelungener Abend!
20 April 2012
Blaues Glas und Haare
Gestern abend habe ich endlich die Sammlung »Ihr Haar zersprang wie blaues Glas« zu Ende gelesen. Ich habe für das 52 Seiten umfassende Heft richtig lange gebraucht, was mir ja ein wenig peinlich ist – aber wenn ich immer mal wieder einen Text lese, dann wieder eine Pause einlege, dann wieder lese, dauert das einfach seine Zeit.
Wer sich über den seltsamen Titel wundert: Für ein Symposium an der Phantastischen Bibliothek Wetzlar sollten ungewöhnliche Texte verfasst werden. Sie sollten zweierlei gemeinsam haben: eine vorgegebene Länge – oder eher Kürze – sowie einen Satz. Dieser Satz wurde dann zum Titel der Geschichtensammlung.
Entstanden ist eine ungewöhnliche Mischung aus Science Fiction und Fantasy, allgemeiner Phantastik und »normaler« Literatur, zwischen richtig guten Texten und eher durchschnittlichem Material. Bei einer Sammlung von 22 Geschichten kann auch nichts anderes herauskommen; letztlich hat eh jeder Leser seinen eigenen Geschmack.
Herausgegeben wurde das Heft, das wie ein Fanzine daherkommt, was ich positiv meine, von Thomas Le Blanc und Falko Löffler. Von Falko Löffler stammt auch einer der Texte; andere wurden von bekannten Autorinnen wie Monika Niehaus und Karla Weigand oder Autoren wie Carsten Steenbergen und Jörg Weigand verfasst, die allesamt schon verschiedene Texte veröffentlicht haben. Kein Text ist länger als zwei Druckseiten.
Die gelungene Sammlung hat eine Auflage von nur 300 Exemplaren und kann für zwei Euro bezogen werden – direkt bei der Phantastischen Bibliothek. Bisher fand sie in der Science-Fiction- und Fantasy-Szene nur eine höchst bescheidene Resonanz, was ich bedauerlich finde. Kürzestgeschichten scheinen es noch schwerer zu haben als »nur« Kurzgeschichten.
19 April 2012
Partymeile Rialto
Wer sich in Venedig aufhält, wer schon mal von der Stadt gehört hat oder wer gerne die einschlägigen Filme guckt oder die bekannten Bücher liest, der kennt die Rialtobrücke: ein steinernes Gebilde, das sich in einem faszinierenden Bogen über den Canale Grande erstreckt. Tagsüber ist es ein Hauptverbindungsstück zwischen zwei Stadtteilen, und im Sommer drücken sich die Touristen auf den Steinen der Brücke fast platt.
Als wir in der ersten Nacht in Venedig durch das Gassengewirr in Richtung der Brücke spazierten, regnete es leicht. Unsere Schritte hallten von den Wänden der schmalen Gassen wieder, und wir bemühten uns, den größten Pfützen auszuweichen.
Während wir uns dem Kanal näherten, hörten wir auf einmal die Musik. Bässe wummerten durch die Nacht, es klang, als hätten Jugendliche einen Ghetto-Blaster aufgestellt. Tatsächlich: Ein Platz, keine hundert Meter von der legendären Brücke entfernt, erwies sich als Treffpunkt für die ortsansässige Jugend.
Unter den Arkaden der umliegenden Häuser, die tagsüber von Andenkenläden belegt waren, schützten sich die Jugendlichen gegen den Nieselregen. Sie standen in Gruppen zusammen, sie redeten lautstark, telefonierten mit ihren Handys, rannten auch mal über den Platz, hörten Musik oder standen vor offenen Bars, wo sie Getränke holten, die sie im Freien tranken.
Es herrschte eine friedliche, geradezu gelassene Stimmung. Man ignorierte uns, als ob es uns nicht gäbe, was ich angesichts der Touristenmassen in der Stadt gut verstand, und schien sich bestens zu amüsieren. Und über alledem wummerte die Musik – es war wie in einer Open-Air-Disko.
Auch an den späteren Abenden – wir kamen ständig an diesem Platz vorbei – herrschte dort dasselbe Treiben. Bei schönem Wetter standen die Jugendlichen auf dem Platz herum; regnete es, suchten sie unter den Arkaden Schutz. Und es war stets eine touristenfreie Zone – wenn wir uns dort bewegten, wurde rings um uns stets nur italienisch gesprochen.
Detonatori aus Serbien
Dass aus Jugoslawien und seinen Nachfolgestaaten richtig guter Punkrock kommt, ist eigentlich seit den späten 70er-Jahren bekannt, geriet aber wegen des dauernden politischen Hickhacks und diverser Kriege in den 90er-Jahren ein wenig in Vergessenheit.
Im Rahmen einer »Collector Series« veröffentlichte das Label Bandworm Records eine Platte mit fünf Stücken einer serbischen Band – und die ist richtig gut. Detonatori stammen aus Novi Sad, also aus Nord-Serbien; es sind drei Männer und eine Frau. Die singt aber nicht, wie das häufig üblich ist, sondern die spielt den großartigen Bass. Die seit 2008 bestehende Band hängt irgendwo zwischen den Stühlen Psychobilly und Punkrock, das macht sie ziemlich gut.
Die Stücke sind schmissig und machen Laune, der ruppige Kontrabass gibt das Tempo vor, darüber knallt die rauhe Stimme des Sängers; zudem gibt's noch gelungene Melodien, die einen unweigerlich dazu bringen, mit dem Kopf zu wackeln und mit den Füßen zu wippen. Textlich ist man auf der sicheren Seite: keine Politik, stattdessen Stücke über schmutzige Herzen, Freunde und verlorene Träume – alles in serbischer Sprache.
Saugut.
Im Rahmen einer »Collector Series« veröffentlichte das Label Bandworm Records eine Platte mit fünf Stücken einer serbischen Band – und die ist richtig gut. Detonatori stammen aus Novi Sad, also aus Nord-Serbien; es sind drei Männer und eine Frau. Die singt aber nicht, wie das häufig üblich ist, sondern die spielt den großartigen Bass. Die seit 2008 bestehende Band hängt irgendwo zwischen den Stühlen Psychobilly und Punkrock, das macht sie ziemlich gut.
Die Stücke sind schmissig und machen Laune, der ruppige Kontrabass gibt das Tempo vor, darüber knallt die rauhe Stimme des Sängers; zudem gibt's noch gelungene Melodien, die einen unweigerlich dazu bringen, mit dem Kopf zu wackeln und mit den Füßen zu wippen. Textlich ist man auf der sicheren Seite: keine Politik, stattdessen Stücke über schmutzige Herzen, Freunde und verlorene Träume – alles in serbischer Sprache.
Saugut.
