21 Januar 2018

Einmal fünfzig, eimmal hundert Jahre

Ich bin ja, was die Gedankenwelt aktueller Politiker angeht, schon seit Jahren der Ansicht, dass ihr intellektueller Horizont zumeist nicht weiter geht als bis zur nächsten Stufe der Karriereleiter. Vor allem historisch und gesellschaftspolitisch wird so wenig wie möglich nachgedacht, man peilt – so scheint es mir – gern den Weg des geringsten Widerstands im Hirnstübl an.

Dieses Jahr stehen zwei Jubiläen an, was das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich angeht. Vor hundert Jahren endete der Erste Weltkrieg, der ein fürchterliches Gemetzel war, dessen Nachwirkungen wir uns heute wohl kaum noch vorstellen können. Der Élysée-Vertrag, der vor fünfzig Jahren geschlossen wurde, sollte aus uralter Feindschaft endlich eine neue Freundschaft schmieden.

Ich lebe an der französischen Grenze. Mit dem Autor brauche ich eine Viertelstunde nach Frankreich, vielleicht auch zwanzig Minuten; mit dem Fahrrad ist es ein wenig mehr. Weil es aber keine Grenzen gibt, kann es einem am Rhein passieren, dass man einfach mit dem Rad durch den Wald strampelt und plötzlich in einem anderen Land steht.

Dass »wir« heute ein so positives Verhältnis zu Frankreich haben, ist ein Erfolg von Verträgen und Freundschaften, die in den fünfziger und sechziger Jahren geschlossen wurden. Die heutige Kaste von Politikern erahnt wahrscheinlich nicht mal, was das bedeutet und wieso das so wichtig ist.

Ich weiß es gut aus meiner eigenen Biografie: Mein Vater war 1943 beim »bewaffneten Reichsarbeitsdienst« in Besancon, bevor er als Soldat an die Ostfront versetzt wurde. Mein Großvater war als Soldat der Reichswehr während des Ersten Weltkriegs in Frankreich und schoss auf Franzosen. Mein Urgroßvater war, wenn ich die Geschichten richtig zusammenbekomme, im Deutsch-Französischen Krieg zumindest in der württembergischen Landwehr.

Anders gesagt: Meine Generation war die erste seit Generationen, die nicht in einen Krieg mit dem Nachbarn ziehen musste. Der Frieden in Europa ist keine Selbstverständlichkeit – aber ob die heutigen Politiker in ihrer Beschränktheit an solche Dinge denken, wage ich zu bezweifeln. Offenbar muss sich unsereins auf die Weitsicht von Monsieur Macron und seiner Regierung verlassen ...

20 Januar 2018

Ichwolke Menschmaschine als Thema

Seit vielen Jahren lese ich die Literaturzeitschrift »Am Erker«; nie schaffe ich es, eine Ausgabe komplett durchzuschmökern. Das ist nicht schlimm – es kann einem einfach nicht der Einstieg in jede Kurzgeschichte und in jedes Gedicht gelingen. Die Ausgabe 73, die bereits im Sommer 2017 veröffentlicht wurde, habe ich aber ziemlich komplett gelesen.

Das lag und liegt am Thema: Auf dem Cover der Ausgabe steht »Ichwolke Menschmaschine«, was ein wenig kryptisch klingt, und im Inhalt gibt es sehr viel Science Fiction zu lesen. Viele Kurzgeschichte beschäftigen sich mit dystopischen oder utopischen Themen, auch die Gedichte haben gelegentlich einen leichten »SF-Touch«. Das macht die Lektüre der Literaturzeitschrift auch für die Freunde des Genres immer interessant.

Sehr gern las ich auch das Interview mit dem Schriftsteller Norbert Stöbe. Der Titel »Wir werden uns schon irgendwie durchwursteln« sagt schon, in welche Richtung es geht: Der Science-Fiction-Autor, von dem ich schon lange nichts mehr gelesen habe, spricht nicht nur über das Genre, sondern auch über die Kultur an sich und die Zukunft der Menschheit. Lesenswert!

(Schön finde ich, dass das Interview zudem auf der Internet-Seite der Zeitschrift zur Verfügung gestellt wird. Da kann es jede/r nachlesen. Empfehlenswert!)

Ich schätze »Am Erker« sehr. Dieser Tage traf schon die Ausgabe 74, auf deren Lektüre ich mich auch freue. Empfehlen möchte ich die Ausgabe vom Sommer 2017 aber vor allem den Science-Fiction-Lesern, die in der Lage sind, über den Tellerrand zu schauen!

19 Januar 2018

Neustart für den Kollegen

Um es klar zu sagen: Ich bin froh, dass es die Heftromanserie »Maddrax« gibt – aus ganz egoistischen Gründen. Auch wenn ich einige Dinge inhaltlich wie optisch eher bedenklich finde; vor allem bei den Titelbildern wird ein schon skurriler 70er-Jahre-Sexismus abgefeiert.

Aber egal: Ohne »Maddrax« wäre die Serie, für die ich tätig bin, als einzige Science-Fiction-Romanserie überhaupt noch im Zeitschriftenhandel. Gemeinsam bilden wir also den »Markt« – das klingt ein wenig absurd, ist aber eine Tatsache.

Deshalb nehme ich erfreut zur Kenntnis, dass die Kollegen bei Bastei eine Neuauflage der Serie angekündigt haben. Das wird nicht im regulären Heftroman geschehen, sondern in Form von Sammelbänden – immer drei Romane in einem Band. (Und ich hoffe, dass die Autoren dann wenigstens ein kleines Nachdruckhonorar erhalten!) Womöglich war die Kalkulation von Einzelbänden zu kniffelig; Sammelbände finde ich persönlich aber auch attraktiv.

Alle vier Wochen soll künftig einer der neuen »Maddrax«-Sammelbände erscheinen. Ich kenne die Serie ja vor allem »vom Blättern« her, habe sie nie komplett oder engagiert gelesen, weiß aber, dass die Romane zwischen »toll« und »na ja« schwanken – das ist bei Serien irgendwie normal. Und aus den eingangs erwähnten Gründen, die ja auch höchst subjektiv sind, hoffe ich, dass diese Neuauflage erfolgreich im Handel bestehen wird.

18 Januar 2018

An der Grenze zu Algerien

Am 17. Dezember 1987 stand ich an der Grenze zwischen Marokko und Algerien. Nicht allein in diesem Fall – wir waren zu dritt und reisten mit einem großen Bus, den wir durch die Sahara nach Westafrika fahren wollten, um ihn dort zu verkaufen. Keine einfache Reise, nicht ohne Strapazen .. Eine echt anstrengende Hürde war die Grenze nach Algerien.

Dazu zählte nicht nur, dass ich als offizieller Besitzer des Busses ein ausführliches Verhör über mich ergehen lassen musste und dass unser Gepäck durchsucht wurde, sondern es gehörte auch dazu, dass wir genau über unsere finanziellen Verhältnisse Auskunft geben mussten. Ich hatte relativ viel Geld dabei, das ich auch für die weitere Reise in Westafrika benötigte. Das meiste deklarierte ich, einen Teil aber verstecke ich in der Wandung des Busses.

Während der Kontrolle schwitzte ich buchstäblich Blut und Wasser. Bis ich das Geschenk herausrückte, das ich extra für solche Fälle eingepackt hatte: Es war ein Wandkalender, einer von diesen billigen Dingern, die man in Apotheken geschenkt bekam, und er hatte schöne Motive des Schwarzwaldes.

Die algerischen Grenzer, die in einer muffigen Bude im Niemandsland saßen, waren völlig begeistert, als sie die Bilder von bewaldeten Hügeln, von kleinen Dörfern und schmalen Bächen sahen, vor allem vom Schnee auf den Bergen und anderen Motiven, die unsereins wie Kitsch vorkamen. Ich erklärte, woher ich kam, konnte ihnen auch ein Bild von Freudenstadt zeigen. Die vorher so strengen Männer wurden richtig freundlich, sie verhielten sich völlig korrekt, und so konnten wir an diesem Abend ohne größere Probleme weiterfahren.

Als Souvenir dieser Grenzkontrolle blieb die »Declaration«. Und im Kopf blieben die Bilder der staunenden Grenzer, die sich über Bilder vom Schwarzwald freuten.

17 Januar 2018

Klassisch werben und sterben?

Hätte man mir vor zwanzig Jahren gesagt, dass ich freiwillig ein Sachbuch über Marketing lesen würde, hätte ich ihn ausgelacht. Marketing, das war für »die anderen«; als Redakteur interessierte ich mich für Inhalte und nicht deren Vermarktung. Da zog ich eine eindeutige Trennlinie.

Aber das Buch »Digitale Marketing-Evolution« bekam ich geschenkt, und mich interessierte der Inhalt tatsächlich. Übrigens auch wegen des Untertitels: »Wer klassisch wirbt, stirbt« – wenngleich ich von dem ganzen Marketing-Kram nicht viel weiß, ist mir klar, dass die bisherigen Gesetze teilweise einfach nicht mehr gelten.

Heute genügt es nicht mehr, Plakatwände mit irgendwelchem Papier zu bekleben, wenn Millionen von Menschen lieber auf das Display ihres Smartphones gucken und einfach keine Augen mehr für die Plakatwand haben. Ob digitale Werbung allein aber genügt, das konnte bislang keiner beantworten. Warum sonst machen Internet-Seiten, mit denen viel Geld verdient wird, immer noch aufwendige Werbung im Fernsehen?

Das Buch der Autoren Felix und Klaus Holzapfel, Sarah Petifourt und Patrick Dörfler ist dabei teilweise hilfreich. Wer sich noch nie mit digitalem Marketing beschäftigt hat, findet viele interessante Dinge – ich kenne Medienunternehmen, in denen die entscheidenden Personen häufig nicht einmal wissen, was Facebook und Twitter eigentlich sind.

Wer sich allerdings schon lange mit digitalen Themen beschäftigt, wird in dem Sachbuch nicht viele neue Dinge finden. Dass man heutzutage Social Media braucht, sollte langsam jeder verstanden haben. Und dieses »neumodische Internet« wird so schnell nicht mehr weggehen.

Das Problem bei Sachbüchern wie diesem ist: Sie versprechen viel, sie geben aber nicht genug. Nach der Lektüre hatte ich bei vielen Punkten das Gefühl, bereits bekannte Thesen auf großzügig bedruckten Seiten gelesen zu haben. Gleichzeitig fehlten mir Punkte, mit denen ich wirklich hätte arbeiten können.

Marketing hat viel mit Show zu tun, das war schon immer so. Das Buch macht keine Ausnahme: Sein Titel ist die Show, und leider kommt dahinter nicht so viel nach. Schade eigentlich. (Wobei ich sicher bin, dass es haufenweise »Entscheider« gibt, denen schon hülfe, wenn sie nur das wüssten, was in diesem Buch steht.)

Der zweite Streich des neuen »Asterix«-Duos

Ich zähle zu jenen, die in ihrer Kindheit mit »Asterix« konfrontiert wurden und die Abenteuer des kleinen Galliers schon früh liebten. Und ich zähle auch zu jenen, die mit Bedauern zusahen, wie die »Asterix«-Geschichten der neueren Zeit in lahmen Geschichten versackten. Deshalb war ich gespannt darauf, wie das neue Kreativ-Duo den Klassiker neu aufleben lässt.

»Der Papyrus des Cäsar« ist ein schöner Beleg dafür, dass Didier Conrad und Jean-Yves Ferri ihr Handwerk verstehen. Die Genialität der frühen Jahre erwarte ich nicht – so etwas lässt sich nie wiederholen –, aber ich erwarte eine Fortsetzung des Klassikers mit Niveau. Das haben die beiden jetzt geliefert; die Folgebände werde ich mir ebenfalls kaufen.

Die Grundidee ist gut, weil sie ein zeitaktuelles Thema aufgreift: Weil Julius Cäsar ein Buch geschrieben hat, das den großkotzigen Titel »Der Gallische Krieg« trägt, sind die gallischen Krieger um Asterix und Obelix in Aufruhr. Warum? Weil der große Imperator und Feldherr offenbar »Fake News« produziert hat und behauptet, ganz Gallien erobert zu haben. Wie alle wissen, ist das eine Lüge; es gibt schließlich das Dorf der Unbeugsamen.

Asterix und Co. wollen das nicht auf sich sitzen lassen, vor allem, nachdem erste Informationen über das Buch – à la Wikileaks – an die Öffentlichkeit gelangt sind. Es beginnt eine hektische Auseinandersetzung um Wahrheit und Lüge, um Literatur und Fakten, die streckenweise sehr witzig ist, manchmal auch ein wenig bemüht wirkt.

Immerhin werden auch Römer verprügelt, die Gallier streiten sich untereinander, der Barde nervt. Alle Eckpunkte erfolgreicher »Asterix«-Alben werden ordentlich abgearbeitet, so dass eine gelungene Geschichte erzählt. Da hat Jean-Yves Ferri als Autor sehr vieles sehr richtig gemacht.

Und der Zeichner? Didier Conrad versteht sein Handwerk, in diesem Fall erinnert es sehr an die Klassiker – er liefert, wenn man gemein sein will, eine astreine Kopie ab. Wer »Asterix« mochte oder mag, wird an »Der Papyrus des Cäsar« seine Freude haben.

Das darauf folgende »Asterix«-Abenteuer, das im Herbst 2017 erschienen ist, hat mir übrigens auch gut gefallen. Besprechung folgt bei Gelegenheit …

16 Januar 2018

Stolz und Heimat

Gehe oder fahre ich durch Karlsruhe, fühle ich mich in dieser Stadt daheim. Zwar wohne ich erst seit 1994 hier, aber ich empfinde die Fächerstadt als meine Heimat. Stolz auf Karlsruhe bin ich nicht – ich wüsste nicht, woher dieses Gefühl kommen sollte.

Stolz war ich, als ich im Oktober 2017 auf der Frankfurter Buchmesse meinen Roman am Messestand von Droemer-Knaur sah. Da glaubte ich es selbst, dass es »Das blutende Land« gab. Ich war so stolz, dass ich fast geplatzt wäre.

Fahre ich eines der Schwarzwaldtäler hoch, fühle ich mich dort immer noch heimelig. Ich sehe die Berge, den dunklen Wald, die schmalen Wege, und ich atme anders. Irgendwie ist der Schwarzwald immer noch meine Heimat – neben Karlsruhe –, obwoh ich vor einem Vierteljahrhundert dort weggezogen bin. Aber stolz auf den Schwarzwald bin ich nicht; ich wüsste nicht, warum ich auf eine Ansammlung von Wald und Berg stolz sein könnte.

Würde ich dieses Jahr in einem Anfall von Wahn beschließen, einen Marathon zu laufen, würde ich fleißig trainieren und es am Ende dann schaffen – dann hätte ich allen Grund, auf diese Leistung stolz zu sein. Ähnliches gilt für andere Leistungen, die man durch Training erreichen kann ...

Aber stolz darauf zu sein, dass man aus einer bestimmten Straße, einem bestimmten Dorf, einem Viertel, einer Stadt, einer Region oder einem Land kommt? Das verstehe ich tatsächlich gar nicht. Ich bin sehr froh darüber, dass ich in einer historisch einmaligen Situation (lange Friedensperiode, wirtschaftlicher Aufschwung und so) aufgewachsen bin und lebe, und ich bin sehr froh darum, dass ich in einer Region lebe, die wirtschaftlich stabil, kulturell reichhaltig (ich gehe in der gleichen Stadt auf Punk-Konzerte, in der ich mich in die Oper schleppen lasse) und landschaftlich schön gelegen ist, zwischen Kraichgau und Pfalz, zwischen Elsass und Rebland, zwischen Vogesen und Schwarzwald.

Ich bin froh, aber nicht stolz. Stolz bin ich auf Dinge, die ich selbst hinbekommen habe. Das sind nicht so viele, aber dafür sind sie eindeutig von mir ...

15 Januar 2018

Eine Portion guter Laune

Es war kalt an diesem Morgen, und ich fühlte mich immer noch nicht richtig fit. Auf dem Weg von der Wohnung zur nächstgelegenen Apotheke – mit kleinem Abstecher zu einem Arzt, um ein entsprechendes Rezept zu erhalten – stapfte ich die Hildapromenade entlang.

Die Bewegung tat mir gut, und weil es so kalt war, hatte ich das Gefühl, die Luft sei gut. (In Karlsruhe ist das ja purer Aberglaube, aber das störte mich in diesem Moment nicht.)

Eine Frau kam mir auf der Straße entgegen. Sie fuhr mit einem Damenrad, sie war »mittleren Alters«, also ein wenig unbestimmt zwischen Mitte vierzig und Ende fünfzig. Sie wirkte ein wenig beleibt und hatte rötliche Locken auf dem Kopf.

Sie fiel mir auf, weil sie beim Strampeln so schaukelte. Es sah als, als ob sie immer noch einmal extra Schwung nehmen müsse. Dadurch erzeugte sie einen Wackeleffekt, den ich sonst in dieser Form selten zu Gesicht bekam. Aber das allein hätte nicht genügt, dass sie mir ins Auge stach.

Sie strahlte vor guter Laune, sie sang vor sich hin, und sie lächelte übers ganze Gesicht. So kam sie mir entgegen, singend, lächelnd und wackelnd, und mir blieb nichts anderes übrig: Ich lächelte auch, wahrscheinlich strahlte ich sogar, weil mich so viel gute Laune an einem grauen Montag einfach begeisterte.

Als sie an mir vorüberstrampelte, winkte sie mir und fuhr weiter, immer noch lächelnd und singend. Das fand ich klasse: eine Person mit positiver Laune, die mich eindeutig ansteckte. Vielleicht konnte aus dieser Woche doch noch etwas werde ...

08 Januar 2018

Demokratie-Informationen im Briefkasten

Seit 1994 wohne ich in Karlsruhe. Ich interessiere mich für Politik, auch wenn ich politikverdrossen bin – das ist bekanntlich kein Gegensatz. Das Aufrechterhalten des Interesses  fällt in Karlsruhe einigermaßen schwer, weil die örtliche Monopolzeitung inhaltlich nicht gerade meine optimale Lektüre darstellt – um es höflich zu sagen. Und die Online-Quellen, die über die Stadt informieren, sind nicht sonderlich zuverlässig.

Man könnte sagen: Ich wohne seit 1994 in einer Stadt, über deren Kommunalpolitik ich nicht viel weiß, über die ich gegebenenfalls aber oft und gern schimpfe. Mir fehlt es am Elan, zu öffentlichen Bürgerversammlungen oder in die ebenfalls öffentliche Gemeinderatssitzung zu gehen – all das trägt dazu bei, dass ich nicht so recht weiß, welche Fraktion im Gemeinderat für welche Themen ist.

(Im »Kurier«, einem der wöchentlichen Gratisblätter, kommen die Gemeinderatsfraktionen zu Wort. Das lese ich dann ab und zu. Immerhin.)

Man könnte sagen, ich habe ein Demokratie-Informations-Defizit, das vor allem durch meine Trägheit ausgelöst wird. Und seit 1994 höre ich von den Parteien eigentlich nur, wenn sie etwas von mir möchten: meine Stimme bei einer Wahl. Dann ist der Briefkasten vollgestopft mit Informationen und politischer Werbung.

Kurz vor dem Jahreswechsel aber steckte eine politische Information im Briefkasten. Zum ersten Mal, seit ich in der Stadt wohne, machte sich eine Gemeinderatsfraktion die Mühe, über ihre ganz normale Arbeit zu informieren. Ich war beeindruckt, damit hatte ich nicht gerechnet.

Ich überflog den weißblauen Zettel, zerriss ihn und warf ihn weg. Die Nasen der örtlichen AfD-Abgeordneten wolte ich nicht länger als nötig betrachten. Aber wir halten fest: Die einzige Partei, die es in Karlsruhe seit 1994 außerhalb von Wahlkämpfen für nötig gehalten hat, mich als Bürger über ihre Arbeit zu informieren, ist die AfD.

Keine Sorge, ich finde die »Alternative für Deutschland« immer noch widerwärtig, daran ändert ihre angebliche Bürgerinformation nichts. Aber dass ausgerechnet die Rechten das machen, was man von den Demokraten eigentlich erwarten sollte, das stimmt mich dann doch nachdenklich ...

07 Januar 2018

Nach über zwanzig Jahren nun ...

Mag ja sein, dass es ein wenig pubertär klingt – aber ich mag den Spruch immer noch, den ich als »Inhaltsbeschreibung« meiner Radiosendung vor über zwanzig Jahren in die Welt setzte: »Punk und Hardcore aus aller Welt, von 1976 bis heute, möglichst unkommerziell und gegen alles, was gut ist.« So umschrieb ich das ENPUNKT-Radio, dessen erste Probesendung im Frühsommer 1995 lief und das nach dem Juni 1995 regelmäßig »on air« war.

Wenn ich mir vorstelle, dass diese Ära zu Ende geht, wird es doch ein wenig traurig für mich. Aber manche Dinge muss man eben beenden, bevor es nur noch Stress ist. Vielleicht schaffe ich es, in diesem Blog immer mal wieder Geschichten aus der ENPUNKT-Ära zu erzählen. Mehr als zwanzig Jahre sind halt doch eine lange Zeit.

Wobei ich anfangs keine Musiksendung machen wollte. Ich wollte politisches Radio machen, hatte die Vorstellung, Sendungen mit journalistischem Inhalt zu machen, wollte damals etwas zu Ruanda machen oder zu Jugoslawien.
 
Ich bereitete eine Sendung zur Scientology Church vor, die damals nur als Probesendung in einem beschränkten Gebiet zu hören war und für die ich viel Lob bekam. Der Aufwand war tierisch, und ich hatte während der Arbeit an der Sendung beschlossen, dass ich das nicht leisten konnte.

So entstand meine Musiksendung. Bei Punkrock kannte ich mich aus. Von 1995 bis 2005 machte ich jede Woche meine Sendung, danach nur noch einmal im Monat. Ich hatte Bands zu Besuch, Schülerzeitungs-Redakteurinnen kamen vorbei, ich holte Punks von der Straße in die Sendung und hatte viele inhaltliche Streitereien mit der teilweise sehr politischen Querfunk-Redaktion.

Aber es machte doch die meiste Zeit sehr viel Spaß. Weitere Berichte lasse ich folgen ...

06 Januar 2018

Mein Schreibprojekt zum Jahresanfang

Ich kann und darf mich beim besten Willen nicht loben: Die Zeit zwischen den Feiertagen nuzte ich nicht dazu, eigene Geschichten zu schreiben. Wenn ich schrieb und arbeitete, bezog sich das immer auf die Raketenheftchenserie, für die ich als Redakteur tätig bin. Eigene Projekte lagen brach, ich musste schließlich endlich einmal ausschlafen und nutzte die Zeit, eine Reihe von Romanen zu lesen, die sich schon seit langem daheim stapelten.

Aber in diesen Tagen geht es wieder los; ich nehme das Projekt in Angriff, das ich eigentlich im Sommer 2017 starten wollte: Die von mir im Verlauf von vielen Jahren veröffentlichten Fantasy-Geschichten, die in der Welt Magira und dort im Land Clanthon spielen, möchte ich zusammentragen und in ein Buch packen. Der Arbeitstitel ist noch nicht klar, derzeit läuft das Ganze bei mir unter »Ghazir-Buch«.

Wieso das? Weil die Hauptfigur den schönen Namen Ghazir en Dnormest trägt. Es ist der Charakter, den ich in der Fantasy-Welt Magira verkörpere – und das erkläre ich an dieser Stelle nicht ausführlich. Dafür brauche ich mehr Platz und Zeit. Aber es gibt eine Reihe von Geschichten mit dieser Figur.

»Die Jenseitsinsel« ist sogar ein Kurzroman, hat etwa die Länge eines Romanheftes; dazu kommen kürzere und längere Erzählungen, die ich zwischen 1994 und 2014 oder so verfasste. Ich möchte darüber hinaus noch mindestens eine neue Geschichte schreiben und hinzufügen. Und ich schaue mir die alten Fantasy-Geschichten von mir an, ob und wie ich diese nutzen kann.

Es ist kein kleines Projekt, aber eines, auf das ich Lust habe. Und es ist ein Projekt, bei dem mit keinerlei kommerziellem Erfolg zu rechnen ist. Aber darum geht's an dieser Stelle auch nicht ...

05 Januar 2018

Was ist denn mit Revolution?

Ein Gespräch im Verlag, mit einer Kollegin, die ich schon seit vielen Jahren kenne, eines von diesen Gesprächen, in denen wir uns beidseitig über blöde Politiker, unfähige Polizisten, rüpelige Autofahrer und die anderen Problemfälle des kleinbürgerlichen Lebens aufregten – wir waren uns meist einig. Bis sie dann sagte, ziemlich zornig: »Eigentlich müsste eine Revolution her, eine Revolution, bei der sich das Volk auflehnt und die da oben wegfegt.«

Ich verkniff mir die Bemerkung, dass ähnlich kluge Sprüche von mir vor dreißig Jahren oder so auch gefallen waren und dass sie damals zurecht von anderen Leuten kritisiert wurden. Relativ geistesgegenwärtig konterte ich: »Eine Revolution? Von wem und mit wem? Und gegen wen?«

»Na ja, wir halt«, sagte sie, immer noch aufgebracht, »wir einfachen Leute, die jeden Tag arbeiten, gegen die da oben, die uns auspressen.« Sie holte Luft. »So irgendwie zumindest«, fügte sie hinzu. Das war wahrscheinlich der Augenblick, in dem ihre Wut verrauchte.

»Gegen das Establishment wollte unlängst schon mal eine Gruppierung sein«, sagte ich, und ich merkte selbst, wie altersmilde und spießig ich mich anhörte. »Was daraus wurde, wissen wir. Und mit solchen Leuten will ich nichts gemeinsam haben.«

»Ich ja auch nicht.« Abwehrend hob sie die Hände. »Du kennst mich ja. Mit solchem Gedankengut habe ich nichts zu tun.«

Frustriert sah ich sie an. »Und wenn die Revolution gesiegt hat, wer kommt dann an die Macht?« Ich schüttelte den Kopf. Ich hatte aufgegeben, ich wusste es.

Die Zeiten, in denen ich die »Graswurzelrevolution« gelesen hatte, waren einfach schon Jahrzehnte her. Und ich erkannte schuldbewusst, dass ich einer Kollegin den Elan ausgetrieben hatte.

Wir gingen beide wieder an unsere Arbeit. Zurück an unsere Stellen im Räderwerk des Kapitalismus. Ich war mir sicher: Wenn die Revolution kommen würde, hätten wir keinen Platz in der ersten Reihe.

04 Januar 2018

Die Stadt der Verbote

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

Ich war seit 2007 nicht mehr in Singapur. Oft denke ich an die Stadt zurück und meinen Aufenthalt dort. Ich erinnere mich an die vielen zehntausend Zeichen, die ich dort schrieb und die nie veröffentlicht worden sind. Und ich erinnere mich an die zahllosen Eindrücke, die ich dort sammeln konnte. Vielleicht schaffe ich es auch, mal wieder nach Singapur zu reisen.

Als ich dieser Tage die Bilder sichtete, die ich in der Stadt gemacht hatte, stach mir ein Motiv besonders ins Auge. Es zeigt ein Plakat, das an einer Wand in der Nähe einer Bahnstation klebte, sorgsam und sauber befestigt. Es machte klar, was in der Bahn alles verboten war.

Dass man in einer Bahn nicht zu rauchen hat, leuchtet ein. Dass man keine brennbaren Güter mit sich herumschleppt, ist ebenfalls nachvollziehbar. Ein Verbot, in der Bahn zu essen und zu trinken, ist etwas, das ich mir gelegentlich in Deutschland auch wünsche – was aber eher an manchen Menschen liegt, die ich hierzulande in der Bahn treffe. Aber nicht jeder dürfte wissen, was das Pauschalverbot »no durians« bedeutet.

Bei der Durian handelt es sich um eine Frucht, die – wenn man sie entsprechend frisch ist – einen durchaus originellen Geschmack hat, den ich gern mal wieder testen würde. Ist sie ein wenig alt, und das geht schnell, stinkt sie bestialisch. Und deshalb ist es strengstens verboten, sie in der Metro von Singapur zu transportieren.

Schöne Erinnerung – ich hab prompt den entsprechenden Eindruck dazu in der Nase!

03 Januar 2018

Cooler Einstieg in eine wundervolle Fantasy-Welt

Warum es so lange dauerte, bis ich den ersten Band der Comic-Serie »Ekhö – Spiegelwelt« las, kann ich nicht erklären. »New York«, so der Titel dieses Bandes, kam bereits 2014 heraus, und seither wurden weitere Bände publiziert – wenn die so gut wie der erste sind, wartet noch ein wunderbares Lesevergnügen auf mich!

Autor der Geschichte ist Christophe Arleston, von dem ich schon viele andere Comics gelesen habe. Bekannt wurde er hierzulande durch seine Geschichten, die auf der phantastischen Welt Troy angesiedelt sind, darüber hinaus wurden verschiedene weitere Comics bei mehreren Verlagen veröffentlicht. »Ekhö – Spiegelwelt« kommt bei Splitter heraus – als schicke Hardcover-Ausgabe, wie es sich für diesen Verlag gehört.

Die Hauptperson der Geschichte ist eine junge Studentin, natürlich sehr attraktiv, die im Flugzeug nach New York unterwegs ist, dann aber in einer seltsamen Welt landet. Das Flugzeug scheint sich in einen Drachen verwandelt zu haben, und New York sieht ebenfalls völlig anders aus: Zwar gibt es viele Details an den Gebäuden, die durchaus Ähnlichkeit zu dem haben, was man schon kennt – die Unterschiede sind aber enorm.

Taxis sind in Wirklichkeit offene Wagen, die von Tieren gezogen werden. Die Bahnen erweisen sich als Wagen auf dem Rücken von Tieren. Die Gebäude werden von Fabelwesen bewohnt, der Central Park ist riesengroß, und überall sind die sogenannten Preshauns unterwegs, die ein wenig wie aufrechtgehende Eichhörnchen aussehen und mit ihrer Bürokratie alles erdrücken.

Wie sich Ludmilla, die Studentin, und ihr unfreiwilliger Begleiter in dieser Welt behaupten, das ist liebevoll erzählt und noch liebevoller illustriert. Alessandro Barbucci ist ein hervorragender Zeichner, der die vielen Details dieser Spiegelwelt so schön in Szene setzt, dass ich mir manche Bilder mehrfach und ausführlich anschaute.

Alles in allem liegt mit dem ersten Band der »Spiegelwelt«-Saga eine wunderbare Geschichte vor, die mich neugierig auf die Fortsetzungen macht. Wer amüsante Fantasy mag und kein Problem mit gelegentlicher Nacktheit im Comic hat, sollte einen Blick auf die Leseprobe werfen. Mich hat der Charme dieser Serie auf jeden Fall gepackt!

02 Januar 2018

Multimediale Rezensionen

Zwei Menschen haben sich im Dezember 2017 mit meinem Roman »Das blutende Land« auseinandergesetzt und dabei nicht einen Blogtext oder eine Fanzine-Rezension geschrieben, sondern sich dem Roman multimedial angenähert. Dass ihnen mein Werk nicht unbedingt so hundertprozentig gefallen hat, damit muss ich klarkommen – über so eine ausführliche Berichterstattung freue ich mich sehr.

»Schriftsonar« ist ein Podcast, der sich ernsthaft und gründlich mit Science Fiction und artverwandten Themen beschäftigt. In der hörenswerten Ausgabe 57, die am 15. Dezember 2017 erschienen ist, geht es um den Klassiker des Genres schlechthin, nämlich H.G. Wells, aber auch um einen aktuellen Autor wie Stephen Baxter. Mein Roman wird ebenfalls kritisch und sachkundig seziert.

Julia Sperfeldt twittert als »Leseritter« und hat einen eigenen Youtube-Kanal. In einer Sendung, die fast neun Minuten lang ist, stellte sie vor Weihnachten meinen Roman vor, fand kritische Worte und machte eine sehr interessante Präsentation daraus. Dankeschön für die Arbeit und die Mühe!

29 Dezember 2017

150 Kolumnen oder Kürzestgeschichten

Humor ist Geschmackssache, diese Binsenweisheit muss ich gleich zu Beginn dieser Rezension loswerden. Aber ich habe bei der Lektüre von »Das Wetter ist doch das Letzte« immer wieder lachen, grinsen oder mir mit der Hand gegen den Kopf schlagen müssen – die Lektüre der 150 Texte empfand ich als abwechslungsreich und sehr witzig. Das wird nicht jeder andere Mensch so sehen, weshalb diese Rezension besonders subjektiv ist.

Veröffentlicht wurden die Texte über Jahre hinweg in der »tageszeitung« aus Berlin. Auf der letzten Seite, die als »Wahrheit« betitelt wird, versammelt die Redaktion jeden Tag den aktuellen Wahnsinn; als Redakteurin der Wahrheitsseite verfasste Corinna Stegemann jeden Tag einen sogenannten Wetterbericht. Dabei ging es weniger um das Wetter als um andere Themen.

Letztlich schuf die Autorin jeden Tag eine Kurzgeschichte, ein Roman im Kleinstformat gewissermaßen. Da ich die »taz« seit vielen Jahren abonniert habe, zählt die »Wetter«-Geschichte schon immer zu den Texten, die ich als erste lese – deshalb freute ich mich sehr über das Buch, das insgesamt 150 Texte zusammenfasst.

Gegliedert ist das Werk in einzelne Abschnitte, die Überschriften wie »Tierisches« oder »Aus Wissenschaft und Technik« tragen. Darunter kommen dann die jeweiligen Texte, alles recht großzügig illustriert. Um was es dabei geht, ist schwer zu erklären: Es gibt irrsinnige Geschichten über Piraten, die lieber ein Tütü tragen wollen, über Außerirdische mit geheimen Missionen, über mysteriöse Detektive und aufmüpfige Satzzeichen.

Nicht jede Geschichte ist ein Kracher, der mir gefällt – das ist eine Sache des Geschmacks. Aber ich finde die Art und Weise, wie Corinna Stegemann diese Kürzestgeschichten erzählt, stets beeindruckend. Da sitzt jedes Wort, da knallt jede Pointe, das ist zwar oft schnell heruntergeschrieben, aber dennoch schlau komponiert.

Das Buch ist rund 336 Seiten stark – davon ist aber nur ein Teil mit Texten bedruckt. Klar: 150 Kolumnen von einer Länge von jeweils einer Seite ... Aber man kann es nötigenfalls auftrennen und die einzelnen Seiten als Geschenke betrachten, sie an die Wand pinnen oder in Briefe legen. Ernsthaft: Wer sich über Platzverschwendung in Büchern aufregen kann, sollte die Finger von diesem Werk lassen.

Mir hat es großen Spaß gemacht. »Das Wetter ist doch das Letzte« zeigt, wie kreativ eine Tageszeitung heute noch sein kann. Es zeigt zudem, dass Komik auch in der verkürzten Form hervorragend funktioniert. Cooles Buch!

28 Dezember 2017

Eine Aktivgruppe für Science Fiction

Als ich Ende der 70er-Jahre meine ersten Kontakte zur organisierten Science-Fiction-Szene knüpfte, war mir recht schnell klar die »Gliederung« der Szene klar: Es gab den Science-Fiction-Club Deutschland e.V., der eher für die spießigen Alt-Fans war – womit man damals Männer zwischen 25 und 40 Jahren meinte –, es gab die Vielzahl an teilweise sehr obskuren PERRY RHODAN-Clubs, es gab den eher links orientierten Science-Fiction-Korrespondenz-Ring (SFKR) und die eher recht stehende Aktivgruppe Science Fiction (AGSF).

Ich trat in den SFKR ein, was ich damals spannend fand. Viele der aktiven Mitglieder – wir waren wohl alle zwischen 15 und 25 Jahre alt – hatten schon erste Veröffentlichungen hinter sich, und ich blickte staunend auf ihre teilweise richtig gut gemachten Fan-Zeitschriften.

Die AGSF hingegen war nicht so »rechts«, wie sie immer dargestellt wurde. Zwar gab es Mitglieder, die kein großes Geheimnis daraus machten, dass sie der NPD nahestanden oder sich noch weiter in die radikale Richtung orientierten. Kein Wunder, eines der prominenten Mitglieder jener Tage war ein gewisser Christian Worch, der sich in der AGSF aber politisch zurückhielt.

Wie zum Ausgleich hatte die Vereinigung aber ebenso Mitglieder, die sich als links verstanden. Manche von ihnen verdienten später ihr Geld als Profi-Autoren und Übersetzer; sie standen nie in der »rechten« Ecke.

Heute wirkt das alles ein wenig seltsam, als ob die späten 70er-Jahre völlig unpolitisch gewesen wären, auch und gerade, wenn man sich ein Informationsblatt anschaut, das wohl von 1979 oder 1980 stammt. »Der letzte Zug im fannischen Armageddon ist noch nicht getan – wir kämpfen weiter!« heißt es ein wenig martialisch. Wobei das natürlich ironisch gemeint war ...

Der Verein hatte seine erste Aktivistenwelle in der Mitte der 70er-Jahre; seine Mitglieder traten bei Treffen von Science-Fiction-Fans durchaus martialisch auf. Die Zweitgründung gegen Ende der 70er-Jahre, die ich mitbekam, hielt sich erstaunlich lang. Es wurden viele Fanzines publiziert, politische Aussagen innerhalb des Clubs wurden höchst zurückhaltend getroffen.

Und irgendwann in den 80er-Jahren war Schluss. Die Zeit für die AGSF war vorüber – wie sie auch für den SFKR vorüber war. Die »Seriösen« unter den Science-Fiction-Fans traten in den seriösen SFCD ein, manche wurden Profis, andere machten weiter mit ihren Fanzines, die meisten verließen die Szene.

Was bleibt, sind Flugblätter und Fanzines. Und die Erinnerung an eine Zeit, in der Science-Fiction-Fans offenbar mit einer gewissen Grundnaivität auf die Welt blickten ...

27 Dezember 2017

Rezensionen von Bekannten

In jüngster Zeit sind einige neue Rezensionen zu meinem Fantasy-Roman »Das blutende Land« erschienen; teilweise positiv, teilweise negativ. Da ich das alles interessant finde, poste ich das gern an dieser Stelle.

Diesmal habe ich zwei Rezensionen von Menschen, die mich persönlich kennen. Das beeinflusst eine Rezension natürlich immer, weil der Rezensent oder die Rezensentin den Inhalt des Buches nicht ohne den Menschen dahinter beurteilen können. Ob und wie sich das letztlich auf die Rezension auswirkt, kann ich nicht beurteilen.

Uwe Bätz geht in seinem Blog »Ansichten« recht ausführlich auf den Inhalt des Buches ein; er bekennt auch, dass er vor allem wegen meines Berufes auf das Buch aufmerksam geworden ist. Er stellt fest: »Der Autor pflegt einen enorm realistischen Stil. Und von diesem Stil, der schonungslosen Beschreibung der Geschehnisse, weicht er nicht ab. Zu keiner Zeit.« Das kann ich dann natürlich nicht weg diskutieren …

Christina Hacker stellt in ihrem Blog »Christinas Multiversum« fest: »Es ist keine schöngefärbte Fantasy-Saga mit Elben und Einhörnern, die unter einem Regenbogen wandeln.« Ihrer Ansicht nach fällt mein Roman aus dem Rahmen. Er besteche »durch realistische Beschreibungen, die alle Sinne ansprechen und damit eine Wirklichkeitsnähe erzeugen«.

22 Dezember 2017

Kick Joneses sind einfach immer gut

Zu den Bands, die ich seit vielen Jahren echt liebe, zählen Kick Joneses – und es stört mich da nicht im geringsten, dass ich da zu einer sehr kleinen Minderheit zähle. Den »echten« Punks war die Band immer zu brav, und den »Pop-Leuten« war sie immer zu sehr Punkrock.

Das wird sich wohl auch mit der aktuellen Platte der Band nicht ändern, wenngleich die musikalisch sehr vielseitig ist. Sie entfernt sich nun mal weit vom klassischen Punkrock, was nicht jedem gefallen dürfte.

Gemeint ist »Unexpected Gift« – der Tonträger erschien als Doppel-LP und als Doppel-CD und sicher auch auf allen möglichen Download-Plattformen. Wer die Vinylversion kauft, erhält auf jeden Fall eine richtig schöne Gestaltung; das halte ich nach wie vor für ein Argument. Musik will nicht nur gehört, sondern auch gesehen werden.

Und was die Band bietet, ist vielschichtig, abwechslungsreich und frisch. Mit Punkrock hat es nicht mehr viel zu tun, wie eingangs erwähnt. Man orientiert sich an den späten 70er-Jahren, bleibt allerdings auf der poppigen Seite. Das schließt beispielsweise ein, dass die Gitarre mal geradezu »funky« klingt – und das meine ich hier positiv.

Kick Joneses beweisen mit dieser Platte, dass es durchaus gut sein kann, unmodern zu sein und auf Trends zu pfeifen. Dann landet man zwar nicht in den »Bravo-Charts« und wird nicht im Radio gespielt, hat aber eine Musik, die sich zwar an den 70er-Jahren orientiert, aber schmissig und originell klingt, die gut in die Füße geht und eigentlich einen riesigen Erfolg haben sollte.

»Unexpected Gift« werde ich sicher noch oft hören! Starke Platte!

21 Dezember 2017

Verrückt oder normal?

»Du willst doch nicht zu den Verrückten gehören?« Diesen Satz hörte ich in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren nicht nur einmal von meiner Mutter, ausgesprochen im groben Schwäbisch meines Heimatdorfes. Ihre größte Furcht war offenbar, dass ihr Sohn als »verrückt« eingestuft werden könnte.

Zum »Verrücktsein« gehörte zu jener Zeit sicher, seltsame Musik zu hören, noch seltsamere Romane zu lesen und sich mit nicht unbedingt mehrheitsfähiger Kleidung auszustaffieren. In dem Dorf, in dem ich aufwuchs, wurden bürgerliche Etikette erstaunlicherweise sehr hochgehalten, gerade auch von den ärmeren Leuten.

Ich brauchte Jahre, bis ich meiner Mutter endlich eine vernünftige Antwort geben konnte: »Es sind nicht die Verrückten, die die Welt so krank machen. Die Normalen sind es, die Kriege auslösen und die Atombomben bauen.« Ich sagte es ihr nicht nur einmal, ich sagte es oft.

Irgendwann hörte sie mit dem Vorwurf auf. Vielleicht hatte sie meine Antwort überzeugt, vielleicht hatte sie auch akzeptiert, dass ich zwar »nicht normal« war, aber nicht Gefahr lief, irgendwann mit der Nadel in der Armbeuge in einer Gosse zu verrecken.

Die Aussage stimmt immer noch: Die schlimmsten Verbrecher werfen keine Steine und Flaschen, sie machen sich nicht die Hände schmutzig. Sie tragen Anzug und Krawatte, und ihre Taten fordern Millionen von Opfern, während ihnen selbst nichts passiert.

Daran sollte man – gerade auch vor Weihnachten – immer mal wieder denken ...

20 Dezember 2017

Wenn der Taxifahrer mal anfängt ...

Im Taxi in München; der Fahrer ist freundlich und fragt nach meinem Beruf. Ich erzähle ihm, dass ich Redakteur für Science Fiction sei und nebenbei ab und zu eigene Romane schreibe.

Er fragt, ob wir denn aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in unserer Arbeit berücksichtigen würden. Weil ich denke, dass er damit die Stringtheorie oder Diskussionen über die Dunkle Materie meint, fange ich mit einem längerem Exkurs an.

Das interessiert ihn aber nicht. Den Rest der Fahrt kann ich mir einen Vortrag anhören, der eine gewisse Informationsdichte enthält, die ich aber nicht so richtig zuordnen kann.

Ich weiß jetzt, dass es neue Raketentechniken gibt, über die man uns aber nicht informiert. Ich habe erfahren, wie das mit der Seele und der Transzendenz zusammenhängt. Und ich weiß nun, dass es viele wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die uns von der Regierung verheimlicht werden.

Leider muss ich am Bahnhof aussteigen und mich auf einmal beeilen. So verpasse ich wohl weitere wichtige Informationen. Schon spannend, was man bei einer Taxifahrt alles erfährt ...

19 Dezember 2017

Stuttgart bei Nacht – eine Kurzgeschichte

Die Frage stellt sich immer wieder: »Was ist an Kurzgeschichten mit einem Ich-Erzähler eigentlich authentisch? Was ist Wahrheit, was wurde erfunden?« Aus aktuellen Gründen möchte ich diesmal die Story »Stuttgart bei Nacht« beleuchten.

Ich schrieb sie im Jahr 2000, und sie wurde für mein Buch »Für immer Punk?« noch einmal gründlich durchgearbeitet. Das Buch kam im Herbst 2016 in den Buchhandel, veröffentlicht wurde es als Hardcover im Hirnkost-Verlag.

Ich zitiere die abschließenden Wörter: »Es war am Donnerstag morgen, zehn Uhr, auf dem Pragsattel tobte der Verkehr, von der Anhöhe aus hatte ich einen wunderschönen Blick auf das sommerliche Stuttgart, das sich geradezu malerisch ins Tal schmiegte – und irgendwie musste ich nur noch lachen ...«

Um was geht’s in der Geschichte? Sie ist autobiografisch; zwar sind die Dialoge allesamt erfunden, ansonsten stimmen aber die Ereignisse sehr genau mit meiner damaligen Erinnerung überein.

Ein Punk-Konzert im »Limelight« in Stuttgart wurde aufgelöst und gestürmt. Wir waren auf dem Weg zu unserem Auto, als wir festgenommen wurden. Keiner von uns war auch nur andeutungsweise in etwas verwickelt, das man als Straftat oder Ordnungswidrigkeit hätte bezeichnen können.

Immerhin wurden wir von der Polizei nicht verprügelt, sondern nur mit Kabelbindern gefesselt und in einen Gefangenenbus verfrachtet. Ohne Angabe von Gründen oder dergleichen.

Wir wurden in der Wache fotografiert, unsere Wertsachen wurden uns abgenommen – ohne Unterschrift oder sonstigen rechtlich-korrekten Firlefanz. Dann wurden wir in eine Zelle gesteckt, wo man uns bis zum nächsten Morgen festhielt. Etwas zu essen oder zu trinken gab es nicht, einen Anruf durften wir selbstverständlich nicht tätigen (das ist ohnehin nur in Filmen erlaubt).

Danach entließ man uns in die Freiheit. Es gab nie eine Begründung oder dergleichen, wir erhielten auch keine Rechnung.

Wer genau wissen will, wie es ablief, möge sich das Buch kaufen oder es ausleihen. Man bekommt es im Shop des Hirnkost-Verlages, in jeder Buchhandlung, aber auch im Shop meiner liebsten Raketenheftchenserie. Damit beende ich die Werbung. Rückschlüsse auf aktuelle politisch-gesellschaftliche Diskussionen möge dann jede Person selbst ziehen.

18 Dezember 2017

Moderner Superhelden-Klassiker

Zu den berühmtesten Figuren der Superhelden-Comics zählt der blinde Anwalt Matt Murdock, der in der Tarn-Existenz des Daredevil in der Nacht auf Verbrecherjagd geht. Seine Abenteuer werden seit Jahrzehnten erzählt, sie erlebten Höhen und Tiefen. Mit der sechsteiligen Miniserie »The Man Without Fear« wurde 1993 ein echter Höhepunkt der Serie geschaffen – bei Panini Deutschland liegen die sechs Hefte in Form eines wunderbaren Paperbacks in deutscher Sprache vor.

Das Paperback erschien bereits 2015, ich las es aber erst dieser Tage. Frage mich niemand, warum das so lange dauerte; ich weiß es selbst nicht. Fakt ist, dass es sich bei der deutschsprachigen Ausgabe unter dem Titel »Daredevil: Der Mann ohne Furcht« um ein Comic-Meisterwerk handelt, das ich sicher nicht zum letzten Mal gelesen habe.

Der Comic-Autor Frank Miller, der mit seinen Arbeiten für »Daredevil« schon in den 70er-Jahren für Aufsehen sorgte und in den 80er-Jahren mit »The Dark Knight« nicht nur die »Batman«-Serie, sondern eigentlich die komplette Superhelden-Branche modernisierte, zeichnet für diese Geschichte verantwortlich. 1993 war er schon richtig bekannt, und mit John Romita jr. hatte er einen Zeichner auf seiner Seite, der ebenfalls außergewöhnlich gut war.

Gemeinsam schufen die beiden eine »Daredevil«-Geschichte, in der die Vorgeschichte des blinden Anwalts noch einmal neu und konzentriert erzählt wurde. Die Geschichte des Jungen, der durch einen Unfall blind wird, der die Assassinin Elektra kennen- und liebenlernt, der mit allen möglichen Gegnern zu kämpfen hat und sich selbst oft der härteste Feind ist – das alles wird in ausgefeilten Dialogen und richtig guten Bildern erzählt.

Kritiker haben durchaus angemerkt, dass »Daredevil: Der Mann ohne Furcht« nicht das stärkste Werk ist, das Frank Miller geschaffen hat. Die »Sin City«-Bände, mit denen er zur selben Zeit begann, waren sicher eindrucksvoller und besser.

Trotzdem weiß die Geschichte zu überzeugen. Der blinde Anwalt Matt Murdock, der sich nachts in den Superhelden Daredevil verwandelt, um für Gutes zu sorgen, ist einfach immer noch gut – und sie ist vor allem dann klasse, wenn auf zu viel Superhelden-Verbindungen verzichtet wird.

Mir hat der Sammelband übrigens nicht nur wegen der Comics gefallen. Es gibt darüber hinaus eine Titelbildgalerie sowie zahlreiche Skizzen und redaktionelle Notizen; ich mag so etwas, vor allem bei Comics, die schon eine historische Bedeutung haben.

Alles in allem ist »Daredevil: Der Mann ohne Furcht« ein Sammelband, den man als Superhelden-Fan haben sollte. Und wer sich sonst und darüber hinaus für Comics interessiert, sollte einen Blick in den Band werfen – ich finde, der ist auch 24 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch richtig gut!

17 Dezember 2017

Zwei Männer an der Straßenecke

Samstag, 17 Uhr, mitten in Karlsruhe – es ist keine günstige Zeit, um sich mit dem Fahrrad durch den Verkehr zu bewegen. Gestresste Autofahrer und unaufmerksame Fußgänger erfordern sehr viele schnelle Reaktionen. Ich bin ein wenig außer Atem, als ich die Fußgängerzone erreiche und mit dem Rad die Kaiserstraße überqueren möchte.

Ein Inferno von Weihnachtskitsch umfängt mich. Die Dekoration glitzert über der Einkaufsstraße, die Straßenbahnen sind voll besetzt, unzählige Menschen drängen sich zwischen den Häuserfronten hindurch. Der Geruch von Bratwurst zieht vom Weihnachtsmarkt her in meine Richtung, und überall dudelt Weihnachtsmusik aller Art. Ich verziehe das Gesicht und will nur weiter, so schnell es geht.

Doch dann dringt ein Geräusch an meine Ohren, das ich unter anderen Umständen sicher nicht als toll oder angenehm empfunden hätte. Ich höre die Musik eines Akkordeons, dazu singt jemand. Als ich genauer lausche, erkenne ich, dass es zwei Männer sind, die hier singen.

Vorsichtig fahre ich über die Straße, zwänge mich mit dem Rad zwischen den Menschenmassen hindurch. An einer Straßenecke stehen sie: zwei Männer mit dunklen Haaren, die in einer Sprache singen, die ich nicht verstehe, die aber irgendwie slawisch klingt; sie spielen Akkordeon, und es sind keine Weihnachtslieder. Im weitesten Sinne ist es irgendein Balkan-Sound, den sie fabrizieren, und normalerweise mag ich das gar nicht.

Weil so viel Verkehr ist, muss ich stehenbleiben, bevor ich weiterfahren kann. Als ich wieder auf dem Rad sitze und in Richtung Stephanskirche rolle, spüre ich, dass ich ein Lächeln auf den Lippen habe.

16 Dezember 2017

Der ENPUNKT vor zwanzig Jahren

Weil es sich anbot, schaute ich mir dieser Tage nach langen Jahren mal wieder die Ausgabe 29 meines Fanzines ENPUNKT an. Die hatte ich im August 1997 fertiggestellt und ab diesem Termin unter die Leute gebracht – das Heft ist 56 eng bedruckte Seiten dick und enthält viele Beiträge, die in mir manches Erinnern auslöste.

Mein Leben in diesem Sommer 1997 spielte sich zwischen Karlsruhe und Hamburg, zwischen London und Senegal ab; ich war ständig unterwegs, hörte praktisch ununterbrochen Krachmusik und arbeitete in der Redaktion, für die ich heute noch tätig bin. Das alles spiegelte sich in einem Heft wieder, das – wie immer – nebenbei erstellt wurde und sich teilweise noch erstaunlich gut liest.

Sogar die Platten- und Buchbesprechungen finde ich heute interessant. Bands wie die Warmduscher aus Karlsruhe erfreuten mich, während ich so was wie die Killrays langweilig fand. Spannend wäre, wie ich sie heute finden würde – das werde ich wohl mal testen müssen.

Aber natürlich zeichnete sich das Heft durch allerlei Geschichten und Berichte aus; die mag ich heute teilweise noch sehr, und die sollte ich echt einmal »zweitverwerten«. Impressionen aus fernen Ländern, die Aufmärsche der Pogoanarchisten in Hamburg, Streit mit den Autonomen in Karlsruhe, ausnahmsweise positive Erfahrungen mit der Polizei, persönliche An- und Einsichten zu Politik, Punkrock und anderen Dingen – ich ballerte Texte heraus, die heute in einem Blog auch gut aufgehoben wären, die damals aber durchaus für Diskussionen sorgten.

Was bleibt, ist ein Heft, das mit – in aller Unbescheidenheit – immer noch richtig gut gefällt. Nicht jeder Beitrag kann überzeugen, aber das wäre ja auch zu viel verlangt. Und manchmal vermisse ich das Gefühl, ein eigenes Fanzine zu schreiben, zu kleben und zu verkaufen. Aber diese Zeiten sind vorüber ...

15 Dezember 2017

Eine Leser-Information aus dem Jahr 1986

Gelegentlich vergesse ich es ja selbst – aber ich arbeitete in den 80er-Jahren schon einmal in dem Verlag, für den ich seit so langer Zeit tätig bin. 1986 und 1987 schrieb ich als junger »Public-Relations-Assistent« – so nannte man das damals – zahllose Texte für den Moewig-Verlag. Unter anderem war ich für die Textarbeit der Kundenzeitschrift »Lies doch mal!« zuständig.

Die September-Ausgabe 1986 hatte ich dieser Tage mehrfach in der Hand. Unter anderem enthielt das Heft eine Sonderseite zu Jack London – von ihm erschienen ein Band mit Erzählungen und ein Roman – und eine Doppelseite zum Sachbuchprogramm des Verlages. Das waren damals drei Taschenbücher mit den Themen »Krebs durch Formaldehyd«, dem top-aktuellen Thema der bäuerlichen Biochemie (Stichwort: versuchtes Grundwasser) und dem immer beliebten Thema des Dritten Reiches – es wurde ein Sachbuch zu Josef Goebbels veröffentlicht.

Natürlich durfte ich eine Seite über Science Fiction machen, wobei die Raketenheftchenserie, für die ich heute arbeite, eine wichtige Rolle einnahm. Es gab eine Seite zu Krimis, deren Autoren ich seither eigentlich nie wieder bewusst wahrgenommen habe, und eine Seite mit allerlei Krimskrams – vom chinesischen Horoskop bis hin zu einem Krimi-Kurzgeschichtenband.

Ich stelle fest: Der Moewig-Verlag hatte damals ein kunterbuntes Buchprogramm, kunterbunt auch von der Covergestaltung her. Für einen jungen Menschen wie mich war das eine wundervolle Gelegenheit, ins Verlagsleben einzutauchen. Das Schreiben der Texte fiel mir teilweise leicht, teilweise hasste ich es; das war logischerweise davon abhängig, welcher Titel gerade gewünscht war.

Aber ich lernte viel. Fürs Leben sowieso ...

13 Dezember 2017

Das Marsupilami ist zurück

Zu den großen Comic-Klassikern der frankobelgischen Schule zählt die Serie »Spirou und Fantasio«. Seit die ersten Geschichten um den Hotelpagen Spirou und seinen Freund Fantasio erschienen sind – noch während des Zweiten Weltkriegs –, versuchten sich unterschiedliche Autoren und Zeichner an den Abenteuern des Duos.

Seit einiger Zeit hat das Kreativduo Fabien Vehlmann und Yoann das Ruder übernommen. Den beiden trauen die Kritiker zu, die Serie zu neuen Höhenflügen zu führen. Aus diesem Grund taucht mit dem Marsupilami auch eine Figur wieder auf, die in früheren Jahren von der Zeichnerlegende Franquin entwickelt worden ist.

Ich habe nacheinander die aktuellen Bände der Serie gelesen: »In den Fängen der Viper« als Band 51, »Der Page der Sniper Alley« als Band 52 und »Der Zorn des Marsupilamis« als Band 53 hängen inhaltlich locker zusammen. Sie enden immer mit einem Cliffhanger, der neugierig auf die Fortsetzung machen soll. Und sie bringen die beiden unzertrennlichen Helden Spirou und Fantaso sowie das freche Eichhörnchen Pips in immer neue Bedrohungen.

Für Kinder ist das nicht mehr gedacht. Ganz klar adressieren die neuen Macher ihre Geschichten an Erwachsene, die mit den beiden Helden großgeworden sind. Das merkt man an den zahlreichen Anspielungen auf alte Geschichten ebenso wie an der Tatsache, dass der rote Pagen-Anzug von Spirou – früher war das ja witzig, heute ist es ein alberner Anachronismus – immer wieder thematisiert wird.

Für einen »Altleser« wie mich ist es sehr amüsant, auch Figuren wie Gaston oder »Herrn Bruchmüller« wieder in der Handlung zu haben. Ich erkenne sie wieder, ich finde sie witzig – aber das fand ich auch schon vor dreißig Jahren und mehr.

Die Frage stellt sich ernsthaft, ob das heute irgend jemanden aus der Deckung holt, jemanden vor allem, der erst zwischen 15 und 20 Jahre alt ist. Früher landete man automatisch bei »Spirou und Fantasio«; die Serie gehörte zu den Standards. Heute wirkt sie manchmal, als versuche man, die Geschichte auf die Stammleser zuzuschreiben und sie für neue Leser echt kompliziert zu machen.

Ob das der richtige Weg ist, weiß ich nicht. Aber ich werde das interessiert und kritisch zugleich verfolgen – nicht nur aus privaten Motiven, wie sich der eine oder andere Leser hier denken kann ...

12 Dezember 2017

Zwei eher kritische Rezensionen

Da ich ja gewissermaßen »Jungautor« bin – zumindest, was die Veröffentlichungen von »großen« Romanen in renommierten Buchverlagen angeht –, freue ich mich über jegliche Rezension. Wenn sie positiv ausfällt, freue ich mich, wenn sie negativ ausfällt, bin ich traurig. Auch als Gelegenheitsautor darf man ja Gefühle haben.

Nein, ernsthaft: Ich schaue sehr intensiv nach Meinungsäußerungen zu meinem Roman »Das blutende Land«. Und es gibt zwei aktuelle Rezensionen, die beide recht kritisch ausfallen. Wenn sich jemand so ausführlich mit meinem Buch beschäftigt, möchte ich das hier schon abbilden.

Bisher ganz unbekannt war mir der Blog »Back Down To Earth«, in dem sich die Bloggerin mit dem Namen »Kittyzer (Sonne)« sehr klar und nachvollziehbar äußert. (Wie sie wirklich heißt, kann man durch einen Blick ins Impressum herausfinden. Ich nenne hier das Pseudonym, weil das über der Rezension steht.)

Sie empfindet den Stil des Romans als »trotz anschaulicher Beschreibungen aber viel zu ausschweifend und langatmig« und findet die Story »so humorlos wie episch«. Sie bemängelt die »langatmige Erzählweise« und stellt als Fazit fest, dass der Funke nicht überspringen konnte.

Den Rezensenten Carsten Kuhr kenne ich schon lange. Auf der Seite »Phantastik-News« wirft er ebenfalls einen kritischen Blick auf meinen Roman. Er kritisiert unter anderem den »etwas verhaltenen Beginn« und bemängelt, dass man sich »durch das erste Drittel« durchkämpfen müsse.

Immerhin ist das Fazit ein wenig positiver: »Es stinkt, Blut fließt und Menschen kommen sehr schmerzhaft vom Leben in den Tod.« Eine Zusammenfassung, die durchaus zutreffend ist ... Der Roman sei »nichts für Leser der romantisch-verklärten Elfen-Fantasy«, und damit habe ich auch kein Problem.

11 Dezember 2017

Mephisto macht viel Freude

Ernsthaft bewerten kann ich Rollenspiel-Publikationen heutzutage nicht mehr. Die Zeiten, in denen ich mit anderen Spielern um einen Tisch saß, um durch einen »Dungeon« zu stromern oder sonstwie Abenteuer zu erleben, die es nur in unserer Fantasie gab, die sind einfach lange her. Trotzdem schaue ich mir das Magazin »Mephisto« immer sehr genau durch, wenn ich es in die Finger bekomme.

Seit den frühen Fanzine-Tagen hat sich Martin Ellermeier, der Chefredakteur und Herausgeber dieses Magazins, weit entwickelt. Gesehen und gesprochen haben wir uns seit Jahrzehnten nicht mehr – aber ich finde es eindrucksvoll, wie sein Magazin gewachsen und gediehen ist.

Das Heft ist 84 Seiten stark, ist professionell und richtig schön gestaltet und verlockt einfach dazu, es gründlich durchzublättern. Und dann lese sogar ich einen Artikel, obwohl keine keine Ahnung von aktuellen Rollenspielen habe.

Mir liegt die Ausgabe 66 vor, in der beispielsweise »Blade Runner« ein großes Thema darstellt. Klar, es geht um den Film und um Philip K. Dick, das Magazin wirft aber auch einen Blick auf Rollenspiele zum Thema. Schön!

Natürlich dürfen Szenarien nicht fehlen, also Beiträge, aus denen man Spielerunden gestalten kann. Man kann durch die »Katakomben der Verdammten« stolpern oder zieht mit einem »Wandernden Warenhaus« durch die Gegend; das wirkt alles sehr spannend und vor allem auch spielbar. Gefällt mir gut!

Darüber hinaus bietet »Mephisto« in der aktuellen Ausgabe 66 haufenweise Berichte und Informationen, ein Interview zum Schreiben von Spielebüchern und Rezensionen über verschiedenste Themen. Wer sich für Spiele in phantastischen Medien interessiert, sollte unbedingt einmal in dieses Magazin blicken. Ich find's cool.

08 Dezember 2017

Nominiert zu einer Autoren-Aktion

Die Kollegin Marlene Klaus hat mich nominiert. Ich solle die ersten sieben Zeilen meines neuen Projektes posten und dann auch Autorinnen und Autoren nominieren.

Hm.

Ich finde solche »Challenges« immer ein wenig anstrengend. Aber ich poste gern die ersten Zeilen eines Projektes, an dem ich zuletzt immer mal wieder herumgeschrieben habe.

Hier:

Die zwei Polizisten hielten direkt neben mir. Bei laufendem Motor ließ der Fahrer seine Scheibe herunter, kühle Luft streifte meine nackten Beine. Die jungen Männer hatten ihre Klimaanlage auf Hochtouren gedreht.

Der Fahrer wies auf die Zigarette in meiner Hand. »Rauchen verboten.« Seine Miene wirkte streng, die Augen waren hinter einer großen Sonnenbrille verborgen.

»Das steht hier nirgends.« Ich wies auf die geteerte Straße, den von der Sonne gebleichten Rasen, den Rheindamm dahinter, die Bäume rechts und links, den Weg zum Containerhafen. »Kein Schild, nix.«

Durchaus positive Rezensionen

Ich bin auf zwei neue Besprechungen meines Romans »Das blutende Land« aufmerksam geworden. Das freut mich, also schreibe ich kurz darüber.

Im Internet-Magazin »Phantastik-News« formuliert Petra Weddehage als Fazit über meinen Roman: »Wer Geschichten mag, die in einer Welt ohne moderne Technik spielen und die von magischen Einflüssen geprägt ist, darf sich auf gemütliche Lesestunden einstellen.«

Der »Heftehaufen«-Blog hat ebenfalls meinen Roman besprochen; hier äußert sich Martin Ingenhoven recht positiv. Mein Buch sei »hart, schonungslos und definitiv nichts für Menschen, die in der Fantasy gern putzige kleine Elfen und Feen haben«.

Sein freundliches Fazit: »Wer aber westeros'sche Bildgewalt haben möchte, ohne gleich zehn muskelermüdende Schinken lesen zu müssen, der ist in Patloren ganz gut aufgehoben.« Ich bedanke mich bei den beiden.

07 Dezember 2017

Die Blätter für Volksliteratur sind interessant

Ich finde den Titel der kleinen Literaturzeitschrift selbst seltsam – aber die »Blätter für Volksliteratur« wurden vor 56 Jahren gegründet, und da war der Begriff »Volksliteratur« noch positiv besetzt. Gemeint war Literatur, die für das Volk geschrieben wurde; heute sagt man auch gern Trivial- oder Unterhaltungsliteratur dazu. Das kleine Heft aus Österreich liefert immer wieder schöne Berichte über Themen, die ich interessant finde und über die man viel zu wenig erfährt.

Die aktuelle Ausgabe vier, die im Oktober erschienen ist, betrachte ich als ein gelungenes Beispiel. Auf gerade mal 24 Seiten gibt’s beispielsweise einen interessanten Artikel über die »Isabella-Kriminalromane«, die von 1949 bis 1951 in Wien erschienen, oder einen Nachruf auf einen Romansammler Werner, der seinen Nachlass erfreulicherweise dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach vermacht hat – was andere Sammler, wie aus dem Artikel hervorgeht, sehr bedauern.

Schön finde ich den Artikel über »Godfried Beuren und das Geheimnis der Sonnenflecken«. Hier geht’s um eine Science-Fiction-Idee und deren Entwicklung über die Jahrzehnte hinweg. Ein Artikel über den Autor Alfred Bester rundet das Fanzine ab – denn um ein solches handelt es sich.

Mehr an »Nerdism« ist ja kaum denkbar, und ich mag so etwas. Klar, man muss sich für Trivialliteratur interessieren, vor allem diejenige, die in Heftromanen und Taschenbüchern veröffentlicht worden ist … aber wer das tut, kann seine Freude an den »Blättern für Volksliteratur« haben.